Mittwoch, 30. November 2016

Glasfaser für Erbenheim-Süd !


In Erbenheim wird ein neues Baugebiet ausgewiesen, d.h. in diesem Bereich wird alles neu gemacht: neue Straßen, neue Leitungen, neue Gebäude, ....., alles von Grund auf neu aufgebaut. Aktuell läuft das Planungsverfahren, die öffentlich Auslegung wird am 28. November abgeschlossen, danach geht es in die politischen Gremien zur Beschlußfassung. Und danach geht es in die Planung, und danach ....es wird also noch ein wenig dauern.


Erbenheim-Süd

Das neue Baugebiet liegt in Wiesbaden-Erbenheim und dort zwischen der Bahnlinie Wiesbaden nach Niedernhausen, der Berliner Straße und im Süden etwa durch die alte Eisenbahnstrecke zum Flugplatz. Die genaue Lage können Sie ersehen auf dieser Seite: Rahmenplanung Erbenheim-Süd. Am Ende dieser Seite finden Sie auch einen Hinweis zu Nutzungs- und Strukturkonzept zu diesem Baugebiet. In den angebotenen PDF-Dateien finden Sie eine ausführliche grafische Darstellung; aus rechtlichen Gründen kann ich sie Ihnen nicht direkt hier in diesem Blog präsentieren.


Glasfaser

Wie der Name schon sagt sind Glasfasern dünne Fasern aus Glas, dünner als ein menschliches Haar. Diese Fasern sind heute das beste Medium, um Daten zu transportieren und werden somit für Internetanbindungen verwendet. Zu diesem Thema hatte ich hier in diesem Blog bereits einmal etwas geschrieben: "Denn die Zukunft gehört dem Glasfaserkabel"1).


Das Problem

Heute bereits werden Glasfasern für Internetverbindungen verwendet, jede Menge sogar. Aber trotzdem gibt es dabei ein Problem, und das will ich anhand der folgenden Graphik darstellen:
Vielen Dank an die Detusche Telekom, die diese Infografik erstellt hat.

Auf diesem Bild sehen Sie 3 Häuser, die alle ans Internet angeschlossen sind, allerdings auf 3 verschiedenen Wegen:

Das Haus 1 ist per Kupferkabel angeschlossen. Hier kommen die Daten von der Vermittlungsstelle im Hintergrund bis zum Verteilerkasten vor dem Haus und werden von dort ins Haus geleitet; alles per Kupferkabel realisiert. So wurde das früher gemacht, wird an manchen Orten auch heute noch so gemacht.

Aktuell haben wir an vielen Orten die Situation, die am Haus 2 dargestellt wird. Hier kommen die Daten von der Vermittlungsstelle über Glasfaser bis an die Verteilerkästen und werden von dort per Kupferkabel ins Haus geleitet. Die Telekom hat dazu in den vergangenen Jahren an vielen Orten neben die alten Verteilerkästen neue, grössere Verteilerkästen gebaut, in die die Glasfaserkabel münden und umgesetzt werden auf die Kupferkabel in den alten Verteilerkästen und somit die Anbindung an die vorhandenen Telefonkabel erfolgt.

Die Zukunft ist Glasfaser, und diese Lösung wird am Haus 3 dargestellt. Von der Vermittlungsstelle bis ins Haus hinein liegen Glasfaserkabel, die die Daten transportieren. Im Haus werden die Daten dann per Kupfer- oder Glasfaserkabel an die gewünschten Stellen gebracht.

Die unterschiedlichen Techniken bieten unterschiedliche Möglichkeiten. Im unteren Teil dieses Bildes sehen Sie die maximale Geschwindigkeit bei Lösung 1 (Kupfer von der Vermittlungsstelle bis zum Haus: bis zu 16 MBit/s), bei Lösung 2 (Glasfaser bis zum Verteilerkasten, Kupfer für das letzte Teilstück: bis zu 50 MBit/s) und bei Lösung 3 (Glasfaser bis an die Hauswand: 1.000 MBit/s). Die Lösung mit Glasfaser bietet nach dem heutigen Stand der Technik die 20-fache Geschwindigkeit der Übertragung als die Lösung 22).


Geschwindigkeit

Nun werden Sie sagen, 50 MBit/s sind doch eine gute Geschwindigkeit, das reicht mir doch locker. Dies ist ja auch nicht verkehrt, aber schauen Sie doch bitte mal ein wenig zurück. Mit welchen Geschwindigkeiten sind Sie früher ins Internet gegangen? Würden Ihnen diese Geschwindigkeiten heute reichen?

Ich möchte dies an meiner Internetanbindung einmal verdeutlichen: 1993 bin ich das erste Mal in diese Online-Welt gegangen. Damals hatte ich eine Übertragungsgeschwindigkeit von 2.400 Bits pro Sekunde. Heute schreiben wir 2016, das sind 23 Jahre dazwischen. Und heute habe ich eine Anbindung mit 100 Millionen Bits pro Sekunde; das entspricht einer Steigerung um einen Faktor 40.000 in diesem 23 Jahren. Rechnet man dies auf einzelnen Jahre um so ergibt sich eine Steigerung von ca. 50% pro Jahr, für jedes Jahr. Und ein Ende dieser Steigerungen ist nicht abzusehen. Und deshalb brauchen wir Glasfaser.


Kosten

Eine Straße aufzureissen, um dort Kabel zu verlegen, ist teuer. Teuer daran ist nicht das zu verlegende Kabel, sondern das Aufreissen und anschliessende Zuschütten der Straße. Diese Kosten scheut man, aus diesem Grund sind in Deutschland sehr wenige Kilometer Glasfasern verlegt. Und unter verlegt meine ich nicht die Kabel für die Fernstrecken, die liegen bereits alle, in ausreichender Menge und Kapazität, und sie werden durch Glasfaser realisiert. Unter Glasfaser-Anbindung meine ich den Anschluss von Wohnungen und Geschäftsgebäuden an das Glasfasernetz. Vergleichen Sie doch bitte das obige Bild der Telekom und suchen Sie den Unterschied zwischen Lösung 2 und 3. Er besteht nur in der Anbindung des Hauses durch Kupfer (Lösung 2) oder Glasfaser (Lösung 3). Bei diesem letzten Teilstück spricht man von der letzten Meile. Und um genau dieses Stück geht es.

Bei einem Neubaugebiet muß alles neu verlegt werden. Und da könnte man es doch gleich richtig machen, also in der Frage der Datenleitung gleich Glasfaser legen.


Politik

Im März 2016 hatten wir die Kommunalwahl hier in Wiesbaden. Lediglich im Wahlprogramm der SPD fand sich eine Aussage zum Thema dieses Textes:
Flächendeckende Breitbandversorgung
Unser Ziel ist die Möglichkeit der Anbindung an das Internet mit mind. 1GBit/s für Wirtschaftsunternehmen in Gewerbegebieten und die Möglichkeit der Anbindung mit mind. 100MBit/s für mind. 95% der Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt. Mit der Zeit bedarf es einer stetigen Anpassung dieser Werte unter Berücksichtigung der technologischen Entwicklung. Für uns ist die Glasfasertechnologie aktuell die einzige zukunftsfähige Technologie. So streben wir an, zukünftig bei Tiefbauarbeiten die nötigen Glasfaserkabel oder Leerrohre gleich mit zu verlegen.

Sie finden diese Aussage hier: WAHL-PROGRAMM DER WIESBADENER SPD FÜR DIE AMTSZEIT 2016 – 2021 im Kapitel Netzpolitik.

Und genau diese Situation haben wir jetzt in Erbenheim-Süd: in einem Neubaugebiet werden alle Kabel und Leitungen neu verlegt.


Fazit

Ein Neubaugebiet, diese Gelegenheit sollte man nutzen und neben den üblichen Leitungen für Wasser, Gas, Strom usw. auch Glasfaser verlegen, bis in die neu zu bauenden Häuser hinein. Vielleicht wird Erbenheim-Süd ja das Stück von Wiesbaden mit der besten (sprich: endlich einer vernünftigen) Anbindung ans Internet.



Anmerkungen:
1) Das Zitat stammt aus dem SPIEGEL: DER SPIEGEL Ausgabe 43/1982.
2) Bei den Werten 16 MBit/s bzw. 50 MBit/s handelt es ich um "bis zu"-Werte, wie mancher Anwender festellen durfte, d.h. diese Werte weden nur unter guten Bedingungen erreicht. Bei längeren Kupferkabeln sinkt die Übertragungsgeschwindigkeit, und mit dieser geringeren Übertragungsgeschwindigkeit müssen Sie dann leben.

Sonntag, 13. November 2016

"Hi, I'm Jenny"


so begann das Telefongespräch, das ich vor wenigen Tagen führen durfte. Und es ging weiter:


I'm calling you from Microsoft Research


ah, ich fühle mich geschmeichelt. Microsoft ruft mich an, ich fühlte mich schon als GröPraZ, als Grösster Programmierer aller Zeiten. Aber warum ruft dann Bill Gates nicht persönlich an? Ja klar, aus der Geschäftsführung hat er sich zurückgezogen, er lebt nur noch als Philantroph.

Das Gespräch ging weiter:


We had some problems with our computers.


Probleme mit Computern haben alle Leute, Jenny sagt, daß sie von Microsoft kommt, da hätte ich doch einen Vorschlag: baut mal bessere Software.


Our Computers are under attack from the internet. By inspecting the source of the attacks we found that your computer is engaged in attacking our computers.


Upps, ich? Das kann nicht sein, Leute. So etwas mache ich doch nicht.


As you know every time you are entering the internet, checking emails or looking at web-sites you are entering a dangerous zone


So begann dieses Gespräch, in mäßigem Englisch über eine verkratzte Telefonleitung. Jenny versuchte mir zu erklären, daß ich mit meinem Windows-PC im Internet vielen Gefahren ausgesetzt sei. Und daß mein PC sich so bereits eine Software eingefangen habe, die zu den Attacken auf Microsoft-Computer beiträgt. Und deshalb müsse sie auf meinen PC draufschauen, um diese Software zu entfernen.

Da habe ich Jenny unterbrochen, unhöflicherweise, und sie darauf hingewiesen, daß mein PC nicht Windows sondern Linux als Betriebssystem nutzt, also ihre Beschreibung auf mich nicht zuträfe.


Oh? you are using Linux? you are not using Windows?


Und danach war die Leitung tot, Gespräch beendet.

Sie hatte kein Interesse mehr daran, meinen Computer zu säubern, so daß die Attacken auf Microsoft enden könnten (oder wenigstens die Intensität der Angriffe zurückginge). Und das nur, weil auf meinem Computer kein Windows läuft.

Für eine Attacke auf Computer ist es unerheblich, welches Betriebssystem auf den verursachenden Computern läuft. Vor kurzem ging die Nachricht um, daß böse Buben Webcams gekapert haben, d.h. sie haben sich von aussen per Internet in das Betriebssystem der Webcam geschlichen und dort eine Schadsoftware versteckt, die sich dann irgendwann einmal an solchen Attacken beteiligen. Und diese Webcams laufen nicht mit dem Betriebssystem Windows.


Was wollte Jenny?

Ja, sie wollte auf meinen Computer drauf. Da ich das Gespräch nicht weiter geführt habe, muß ich mich zur weiteren Darstellung auf Hinweise beziehen, die ich auf Internet-Seiten zu IT-Fragen fand. Danach soll man seine Mail-Adresse angeben und erhält dann eine Software zugeschickt, die man auf seinem PC installieren solle. Und danach 'räumt' die freundliche Dame den PC auf und verabschiedet sich, denn danach ist mein PC 'sauber'.


Auswirkungen

Nix ist da sauber, der PC ist jetzt verseucht. Der PC enthält jetzt eine Software, die per Internet von einem fremden System Befehle entgegennimmt und sich danach z.B. an Attacken gegen fremde Computersysteme beteiligt: Mit Todessternen auf Spatzen schießen.


Beispiel

Eine Bekannte hatte sich auf ihrem Notebook einen solchen Trojaner eingefangen, wenn auch auf einem anderen als den hier beschriebenen Weg. Das Notebook konnte man nicht mehr säubern, also musste man es plattmachen und danach neu (und somit sauber) wieder aufbauen. Nach der Übergabe des Notebooks stellte sie fest, daß sie etwa 1.500 Mails in ihrem Postfach hatte. Ein kurzer Blick auf diese Mails zeigte, daß dies Rückläufer waren, d.h. der Mailserver konnte die Mails nicht weiterleiten (zustellen) und hat sie dem Versender zurückgeschickt. Allerdings kannte die Eigentümerin des Notebooks die Empfänger nicht, Namen und Mailadressen waren unbekannt.

Nun gut, diese Mails wurden dann gelöscht, alle.

Dieser Trojaner hat über ihren Mail-Account SPAM verschickt. Die 1.500 Mails, die zurückgegangen waren, waren nur der Beleg für diese in der Zeit des Befalls durchgeführte Aktion. Es war nicht feststellbar, wieviele Mails der Trojaner erfolgreich verschickt hatte. Vielleicht haben Sie auch auf diesem Weg eine Mail erhalten?


Ökonomischer Aspekt

Vor wenigen Tagen hat Microsoft die Geschäftszahlen für das Quartal, das am 30. September 2016 endete, vorgelegt. Danach hat das Unternehmen in diesem abgelaufenen Quartal einen Umsatz von 20,5 Milliarden US-$ erzielt, davon 4,7 Milliarden US-$ an Gewinn1). Ein solches Unternehmen wird keine Anwender anrufen, um ein Problem zu lösen; dieser Aufwand würde den Gewinn dahinschmelzen lasse, schneller als Schnee in der Frühlingssonne. Bitte bedenken Sie, wie viele Anwender es von Windows gibt. Und bitte bedenken Sie, wie stark ein solches Unternehmen heutzutage auf die Börse schielt.


Ratschlag

Brechen Sie ein solches Gespräch einfach ab. Ihnen geht es ohne diese Unterstützung besser, Ihrem PC auch.


Häufigkeit

In diesem Jahr erhielt ich bis jetzt zwei solcher Anrufe, im vergangenen Jahr waren es 3.


Nachtrag

27.4.2017: gegen 14 Uhr erhielt ich einen solchen Anruf. Die Dame erzählte mir in schlechtem Englisch, daß mein Computer identifiziert worden sei, daß er die Computer von Microsoft attackieren würde und sie deshalb auf meinen Computer schauen müsse. Mein Hinweis, daß auf meinem PC keine Produkte von Microsoft installiert seien, half nichts. Auch mein Hinweis auf Ubuntu als Betriebssystem, also kein Microsoft Windows, half nicht weiter. Erst mein Hinweis auf Linux beendete recht abrupt das Gespräch. Als ob dies einen Unterschied machen würde, unter welchem Betriebssystem der Computer läuft, der einen anderen Computer attackiert.

28.4.2017: Heute war es besonders lustig, denn gegen 10 Uhr erhielt ich erneut einen solchen Anruf. Und wieder attackierte mein Computer einen Computer von Microsoft in Kalifornien (sitzt Microsoft nicht in Seattle/Washington?). Auch hier beendete der Hinweis auf Linux das Telefongespräch.
Und um 10:30 Uhr erhielt ich erneut einen Anruf, diesmal war es ein Mann, der mich anrief. Wieder die gleiche Geschichte, scheint wohl ein größeres Problem zu sein, daß mein kleiner Computer die großen Computer von Microsoft in die Knie zwingt. Erneut kam von mir der Hinweis auf Ubuntu als Betriebssystem, wobei am anderen Ende der Leitung erst einmal innerhalb des Callcenters nachgefragt wurde, was dies wohl sei. So nach ca. 30 Sekunden erhielt er dann die Information und das Gespräch wurde beendet.

19.5.2017: ein weiterer Anruf, der aber an sprachlichen Problemen scheiterte. Im Telefon hörte ich, wie der Anrufer zu einem Kollegen sagte: he does not speak english.

2.6.2017: und wieder ein Anruf, gleiches Thema. Ich habe das Gespräch relativ schnell abgebrochen.

12.6.2017: erneut erhielt ich einen Anruf. Abeer da mein PC unter Linux läuft, wurde die Diskussion von meinem Anrufer beendet. Es interessiert die Firma "Microsoft" nicht, wenn ein Linux-Computer auf ihre Computer "schiesst".

6.07.2017: sogar in der lokalen Presse wird über dieses Thema berichtet: Techniker am Telefon: Wie Betrüger den Rechner kapern.


Anmerkungen: