Montag, 28. Juni 2021

Schreiben Sie doch mal eine Mail an eine Partei


Vor etlichen Tagen erhielt ich eine Mail einer politischen Partei, die mir mehrere Veranstaltungen hier in Wiesbaden anbot. Und da wir ja immer noch in dieser Pandemie stecken, fanden die Veranstaltungen als Videokonferenzen statt, zu denen man sich vorher anmelden sollte. Danach bekäme man die Zugangsdaten für diese Videokonferenz per Mail zugeschickt. Und um die Anmeldung zu vereinfachen sollte ich nur auf den vorbereiteten Link zu klicken. Eine Veranstaltung ausgewählt, geklickt - und das klappte nicht.

Ist dies ein Problem dieser einen Partei? Und bevor ich diese Partei hier auf dem Blog an den Pranger stelle, schaue ich mir mal an, wie dies bei allen im Rathaus vertretenen Parteien organisiert ist. Dazu verwende ich ihren Auftritt im Internet, d.h. ihre eigene Seite, kein Auftritt in irgendwelchen (a)sozialen Medien. Und auf einer Internetseite gibt man üblicherweise an, daß man ihnen eine Mail senden kann. Und dann schau ich mal, ob das geht.


Digitalisierung

Das Schlagwort der heutigen Zeit heißt Digitalisierung. Die Corona-Pandemie hat die Schwachstellen der Politik aufgezeigt, u.a. im Glasfaserausbau. Videokonferenzen und Homeoffice gehen nur mit vernünftig ausgebauten Leitungen (und Funkmasten) oder ruckelnd mit dem, was wir in den letzten 10 Jahren so aufgebaut haben. Und zum Chaos der Faxmaschinen zur Übermittlung der Zahlen der Corona-Infizierten an das RKI möchte ich lieber schweigen.

In der Frage der Digitalisierung sind jetzt die Politiker gefordert, also die Personen, die diese Entwicklung jahrelang erfolgreich verschlafen haben. Ich möchte auf der untersten Ebene bleiben, also der Ebene der Stadtpolitik, denn die dortigen Politiker kennt man vielleicht, man kann sie direkt befragen und sie können sich nicht so einfach mit Allgemeinplätzen und Floskeln rausreden. Deshalb nehme ich die im Stadtparlament vertretenen Parteien als Beispiel. Und auf der Basis des Wissens und Verständnisses unserer Stadtpolitiker von IT werden die Entscheidungen getroffen, wie es mit dem Thema Digitalisierung hier in Wiesbaden weitergehen soll.

Also schau ich mir die Internet-Auftritte dieser Parteien an. Und insbesondere nehme ich die Möglichkeit unter die Lupe, ihnen eine Mail zu schreiben.


copy and paste

Ich möchte aber noch eine Vorbemerkung machen, d.h. ich möchte einen Begriff erläutern, den ich in diesem Text (leider) häufiger verwenden werde: copy and paste (= kopieren und einfügen).

In diesem Text geht es um Mailadressen. Manchmal sind diese mit einer Funktion hinterlegt, die direkt das Mailprogramm aufruft und bestimmte Einträge bereits vorbelegt. Wie ich gleich darstellen werde, finden Sie häufig eine Mailadresse nur als Text, den Sie über folgenden Weg in Ihr Mailprogramm kopieren können:

  • Mit der linken Maustaste markieren Sie den zu übertragenden Text
  • Mit der rechten Maustaste kopieren Sie den markierten Text in einen Zwischenspeicher Ihres PCs
  • Wechseln Sie nun in Ihr Mailprogramm und fahren dort mit der Maus in das Feld "Empfänger". Über die rechte Maustaste können Sie nun den kopierten Text an dieser Stelle einfügen.

Das alles machen Sie von Hand. Das war mal komfortabel, als diese Möglichkeit auf dem PC eingefügt wurde, also vor langer Zeit. Aber gerade für Mailadressen gibt es heute komfortablere Lösungen, wie ich Ihnen später zeigen möchte.

Sie werden gleich lesen, warum ich diese Erläuterung voranstelle.


Internet ist dynamisch

Seiten im Internet ändern sich, zum Teil in jeder Minute. Es kann somit sein, daß Sie die von mir beschriebenen Effekte nicht mehr finden werden. Somit könnten die jeweiligen Parteien ihre Seite überarbeitet haben, um diese Mailfunktion dann doch noch vernünftig anzubieten. Sollte dieser Text wirklich solch einen Einfluss haben? Aber vielleicht finden Sie im Internet-Archive die Seiten der jeweiligen Partei zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Textes und können somit überprüfen, ob meine Darstellung korrekt war.



Genug der Vorrede, jetzt folgt die Darstellung der Seiten der im Stadtparlament vertretenen Parteien, eingeschränkt auf die Mailfunktion.



CDU

Den Internet-Auftritt der CDU finden Sie hier: Willkommen bei der CDU Wiesbaden. Auf dieser Seite finden Sie zwar Icons für Facebook, Youtube, Instagramm, sogar einen RSS-Feed1) kann man einbinden, aber die Möglichkeit, eine Mail an die CDU zu senden, fehlt. Allerdings kann man die Seite mit dem Kreisvorstand aufrufen und dort gibt es die Möglichkeit, bei 2 Personen eine Mailfunktion aufzurufen. Klickt man auf die entsprechende Grafik, dann erscheint das bei Ihnen auf dem PC installierte Mailprogramm mit einer vorbereiteten Mail. So sah das bei mir aus:


Zwar findet man diese Funktion nicht dort, wo ich sie erwarten würde, aber bei immerhin 2 präsentierten Personen hat man eine Mailfunktion eingebaut. Und, das muß man sagen, es klappt.


Bündnis 90/Die Grünen

Hier finden Sie den Internetauftritt der Grünen: DIE GRÜNEN WIESBADEN. Unter Impressum findet man dann die Informationen zum Kreisverband, und es wird die Möglichkeit einer E-Mail angeboten. Klickt man darauf, öffnet sich im Browser ein neues Fenster mit dieser Adresszeile:

javascript:linkTo_UnCryptMailto('ocknvq,mtgkuxgtdcpfBitwgpg\/ykgudcfgp0fg');

Das Fenster bleibt aber leer. Ausserdem findet man auf der Impressumsseite noch folgenden Hinweis:


Das war wohl nix.


SPD

Den Internetauftritt der SPD finden Sie hier: SPD Zusammen sind wir Wiesbaden. Unter Kontakt findet man dann E-Mail-Adressen, die man per copy and paste in das Mailprogramm übertragen kann:


Ausserdem findet man ein Formular, das man ausfüllen und abschicken kann, das dann bei der SPD als Mail eintrifft. Hier ein kleiner Ausschnitt aus diesem Formular:


Auf dieser Seite wird auch auf die SPD-Fraktion im Stadtparlament verwiesen. Dort findet man zu den jeweiligen Personen einen Briefumschlag als Symbol. Dies dient aber nicht dazu, eine Mail an die entsprechende Person zu schreiben, vielmehr kann man diese Person weiterempfehlen:


Was auch immer sich die Gestalter der Seite dabei gedacht haben mögen.


FDP

Den Internetauftritt der FDP finden Sie hier: FDP Wiesbaden. Unter Impressum finden Sie dann Mailadressen:


An eine der beiden angegebenen Mailadressen können Sie eine Mail schreiben, indem Sie die Mailadresse per copy und paste in Ihr Mailprogramm als Empfänger einfügen.

Unter Kontakt finden Sie aber auch ein Mailformular, mit dem Sie eine Mail an die FDP schreiben können.

Irgendwie war ich aber auch einmal auf auf eine Seite Kreisverband der FDP gekommen. Auch dort finden Sie einen Hinweis auf Mails. Und siehe da, an dieser Stelle können sie es, denn nach einem Klick auf die Mailadresse zeigte mein Maiprogramm dieses:


Bei einer Partei drei verschiedene Seiten, drei verschiedene Wege. Ich glaube, das nennt man liberal.


Die Linke

Den Internetauftritt der Partei Die Linke finden Sie hier: DIE LINKE Kreisverband Wiesbaden. Im Impressum finden Sie keine Mailadresse, lediglich an den Webmaster können Sie eine Mail schreiben. Unter Kontaktfinden Sie ein Mailformular und diese Mailadresse:


Die angegebene Mailadresse müssen Sie per copy and paste in Ihr Mailprogramm einfügen. Und dann müssen Sie im Text das (at) durch das richtige Zeichen ersetzen.


AfD

Den Internetauftritt der AfD finden Sie hier: AfD Kreisverband Wiesbaden. Im Impressum finden Sie dann diesen Hinweis:


Für eine Mail müssen Sie hier auch wieder copy und paste bemühen. Aber in diesem Fall müssen Sie nichts von Hand korrigieren.


Volt

Den Internetauftritt der Partei Volt finden Sie hier: Volt Wiesbaden. Auf dieser Seite scrollen Sie bitte nach unten, bis Sie die gewählten Stadtverordneten von Volt sehen. Unter den Bildern finden Sie ein Icon, das Ihnen nach einem Klicken die Möglichkeit bietet, dieser Person eine Mail zu schreiben. Das passierte dann bei mir:


Klappt also.


Freie Wähler

Den Internetauftritt der Partei Freie Wähler finden Sie hier: FREIE WÄHLER Wiesbaden. Auf der Startseite haben Sie die Möglichkeit, auf die entsprechende Seite auf Facebook, Twitter oder LinkedIn zu gehen, aber auch die Möglichkeit, den Freien Wählern eine Mail zu schreiben. So sah das in meinem Mailprogramm aus:


An wen soll eigentlich diese Mail gehen? Wie lautet denn der Empfänger?

Aber auf dieser Seite gibt es noch weitere Möglichkeiten:

Freie Wähler in Wiesbaden
über die Seite Kontakt über die Seite Impressum / Datenschutz

Auch hier können Sie frei vergeben, an wen Sie die Mail schicken wollen. Und wenn Sie eine Mail an die Freien Wähler schicken wollen, an wen schicken Sie dann diese Mail?

Unter der Seite Kontakt finden Sie noch ein Mailformular. Und unter Impressum/Datenschutz finden Sie eine Mailadresse, die Sie per copy and paste in Ihr Mailprogramm einfügen können.

Unterschiedliche Seiten, unterschiedliche Lösungen. Sehr frei gewählt.


Pro Auto

Die Internetseite dieser Initiative finden Sie hier: Initiative pro auto. Im Impressum finden Sie diesen Text als Mailadresse:


Auch in diesem Fall müssen Sie wieder mit copy and paste arbeiten.


Bürgerliste

Die Internetseite der Bürgerliste finden Sie hier: Bürgerliste Wiesbaden. Unter Kontakt finden Sie ein Mailformular und eine Mailadresse. Ein Klick auf die angegebene Mailadresse und mein Mailprogramm erschien in dieser Form:


Richtig gemacht. Gut so.


Unabhängige Liste

Den Internetauftritt finden Sie hier: Unabhängige Liste Wiesbaden. Unter Kontakt finden Sie dann dieses:


Und auch hier dürfen Sie wieder copy and paste bemühen.


BIG

Das Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit hat keinen eigenen Internetauftritt, nur auf Facebook gibt es eine entsprechende Seite.


Fazit

Kein schönes Ergebnis. Die im Stadtparlament vertretenen Parteien dokumentieren auf ihren Internetseiten, was sie von Digitalisierung verstehen, d.h. sie können es nicht.

Bürgerliste und Volt können es, die Lösung der CDU ist ebenfalls akzeptabel.

Ein Kontaktformular bieten SPD, FDP, Die Linke, Freie Wähler und die Bürgerliste, besser als nichts.

Die übrigen Parteien können es, irgendwie, aber doch nicht richtig.

Und Die Grünen können es gar nicht.

Naja. Da wundern Sie sich über Entscheidungen, die in der (Stadt)Politik in Sachen Digitalisierung getroffen werden.



Wie man das macht

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, einem Leser einen Mailkontakt anzubieten. Eine Möglichkeit ist ein entsprechendes Formular, wie es auch von SPD, FDP, Die Linke, Freien Wähler und Bürgerliste angeboten wird. Einen weiteren, eigentlich den üblichen Weg möchte ich hier beschreiben.

Internetseiten, so auch diese, werden in einer Sprache erstellt, die sich HTML nennt. Im Internet finden Sie sehr viele Seiten mit Erläuterungen dazu, auch in der Wikipedia2). Der für diesen Text wichtige Schlüsselbegriff für die Mailfunktion lautet mailto(). Diese Anweisung wird in den HTML-Text aufgenommen, versehen mit zusätzlichen Anweisungen. Ich möchte dies jetzt nicht erläutern, sondern verweise auf diese Seite, die dies alles mit Beispielen erklärt: Mailto Links. Am Ende dieser Seite finden Sie unter Demo die Möglichkeit, dies alles auszuprobieren. Bitte machen Sie dies. Sie sehen, dies ist nicht so schwierig.

Also schau ich mir die Internetseiten der Parteien erneut an. Diesmal werfe ich einen Blick auf den Seitenaufbau, d.h. ich schaue mir das HTML an.


Hinter den Kulissen

Schauen wir also genauer hin. Wie wurde die Möglichkeit, der entsprechenden Partei eine Mail zu schreiben, auf der Seite der jeweiligen Partei realisiert? Wie sieht es hinter der Fassade aus?

Jetzt wird es technisch, aber das muß sein.

CDU

So wurde das auf der CDU-Seite gemacht:

<a href=
"&#109;&#97;&#105;&#108;&#116;&#111;&#58;&#107;&#118;&#64;&#99;&#100;&#117;&#45;&#119;
&#105;&#101;&#115;&#98;&#97;&#100;&#101;&#110;&#46;&#100;&#101;"

class="symbol-mail plainever">
&#107;&#118;&#64;&#99;&#100;&#117;&#45;&#119;&#105;&#101;&#115;&#98;&#97;&#100;&#101;
&#110;&#46;&#100;&#101;
</a>

Der in blau dargestellte lange Text mit kryptischen Zeichen steht für: kv@cdu-wiesbaden.de, der in rot dargestellte Text steht für mailto:kv@cdu-wiesbaden.de. Diese Zeichen stehen aber nicht für die Funktion mailto(). Die Funktion wird realisiert über ein Objekt, das in das HTML eingebunden wird.

Grüne

So wurde das auf der Seite der Grünen gemacht:

<p class="bodytext">E-Mail: <a href="javascript:linkTo_UnCryptMailto('ocknvq,mtgkuxgtdcpfBitwgpg\/ykgudcfgp0fg');"
target="_blank">kreisverband(at)gruene-wiesbaden.de</a><p>

Irgendwie sollte diese sehr kryptische Text die Mailadresse enthalten, und zwar in einer Form, die Mail-sammelnde Programme (oder jemand wie ich) nicht lesen können. Und das funktioniert nicht.

Auf der gleichen Seite weiter unten findet man dann diesen Text:

<p class="bodytext">Oops, an error occurred! Code: 20210601130636af35458a</p>

Wenn die Seite schon einen Hinweis auf einen Fehler ausgibt, dann sollte man sich das auch mal ansehen. Dazu sind Fehlermeldungen da.

Das war nix. In der IT-Branche nennt man dies einen Schuß ins (eigene) Knie.

SPD

Auf der Kontakt-Seite bietet die SPD den Mailkontakt in dieser Form an:

<p>Telefon: 0611 9999 &#8211; 10<br />
E-Mail: &#x75;&#x62;&#x2e;&#x77;&#x69;&#x65;&#x73;&#x62;&#x61;&#x64;&#x65;&#x6e;&#x40;
<span class="oe_displaynone">null</span>&#x73;&#x70;&#x64;&#x2e;&#x64;&#x65;</p>

Die in blau dargestellten Zeichen stehen für diesen Text: ub.wiesbaden@spd.de. Auch hier hat man wieder versucht, irgendwelche Mailsammler auszutricksen (siehe: class="oe_displaynone">null), aber .... soll ich ein Programm schreiben, das diesen Trick rausfiltert? Kein Problem.

An einer anderen Stelle fand ich dieses:

<!-- E-Mail -->
<a href="mailto:?subject=Kontakt.&amp;body=https://www.spd-wiesbaden.de/kontakt/" class="c-social-buttons__item-link c-social-buttons__item-link--em" title="Kontakt per E-Mail empfehlen" aria-label="E-Mail">

Wie Sie sehen kennt die SPD die Funktion mailto(), aber doch nicht richtig, denn sie gibt keinen Mail-Empfänger an.

FDP

Die Liberalen haben unterschiedliche Wege realisiert. Der erste Weg sieht so aus:

<p>E-Mail: info@fdp-wiesbaden.de; info@freie-demokraten-wiesbaden.de</p>

Eine reine Textdarstellung der Mailadresse, weshalb man die Mailadresse von Hand rauskopieren muß.

An einer anderen Stelle dieser Seite gibt es aber auch die Möglichkeit, das Mailprogramm aufzurufen und die richtigen Daten zu übergeben. Das wird dann so realisiert:

<a style="font-style: inherit;font-weight: inherit" href="mailto:info@fdp-wiesbaden.de">info@fdp-wiesbaden.de</a>

Dieser Weg wäre sogar korrekt. Warum nicht überall so?

AfD

Auf der Internetseite der AfD sieht dies so aus:

<p>E-Mail: info@wi.afd-hessen.de</p>

Eine Darstellung als Text, keine Funktion dahinter (und somit auch kein Komfort).

Volt

Schön gelöst, und zwar so:

<a href="mailto:daniel.weber@volteuropa.org"...>

Und irgendwo im Quelltext steht dann noch, welches Icon geladen werden soll. Funktioniert.

Freie Wähler

Die Freien Wähler haben dies so gelöst:

<a data-site="email" class="ssba_email_share" href="mailto:?subject=&body=%20https://fwwiesbaden.de/">
<a data-site="email" class="ssba_email_share" href="mailto:?subject=Impressum%20/%20Datenschutz&#038;body=%20https://fwwiesbaden.de/?p=217">
<a data-site="email" class="ssba_email_share" href="mailto:?subject=Kontakt&#038;body=%20https://fwwiesbaden.de/?page_id=233">

In diesen Fällen hat man den Empfänger vergessen. Oder soll die Mail nirgendwo hingehen?

Zusätzlich gibt es bei den Freien Wählern eine Mailadresse als reinen Text:

<p>E-Mail: post@fwwiesbaden.de</p>

Offensichtlich haben sie alle Möglichkeiten dieses HTMLs mal ausprobiert.

Pro Auto

Die Initiative Pro Auto hat dies so gelöst:

<br>email: info@initiative-proauto.de <br>

Auch hier wird die Mailadresse rein als Text angegeben.

Bürgerliste

Die Bürgerliste macht es besser, und zwar so:

<a href="mailto:kontakt%40buergerlistewiesbaden.info?subject=Kontakt%20BLW&body=%20" style=....>

Gut.

Unabhängige Liste

Auf der Seite finden Sie unter Kontakt diese Anweisung:

<p>veit.wilhelmy@t-online.de</p>

Auch hier gibt es die Mailadresse nur als Text.



Schlusswort

Wenn Sie mir bis zu dieser Zeile gefolgt sind, dann sage ich: Respekt.



Anmerkungen:

Mittwoch, 9. Juni 2021

Open Data: Worte und Taten


Da werden hehre Beschlüsse gefasst, einige Tage später folgen dann bereits die Taten. Leider bewirken die Taten das genaue Gegenteil dessen, was im Beschluß steht. So ist das halt in dieser Stadt(politik).

Vor etwa 2 Jahren hatte ich Ihnen hier ein Programm vorgestellt: ParkenDD. Dieses Programm beschreibt sich selbst so:

ParkenDD bei OpenData

ParkenDD nutzt offene Daten aus verschiedenen Quellen. Viele Städte in Deutschland nutzen intelligente Parkleitsysteme und bieten die Daten im Internet an. ParkenDD sammelt diese Daten, strukturiert sie und zeigt sie dem Nutzer übersichtlich an.

Quelle: ParkenDD -> Open Data


Lösung der Stadt Wiesbaden

Die Stadt Wiesbaden bietet Ihnen ebenfalls eine Übersicht über die Anzahl freier Parkplätze in den Parkhäusern an. Sie finden diese Übersicht hier: Belegung und Informationen zu den Parkhäusern im Wiesbadener Parkleitsystem..



Nachteile der Lösung der Stadt Wiesbaden

Wenn Sie als Fremder nach Wiesbaden kommen, kennen Sie dann die richtige Seite auf wiesbaden.de? Und wenn Sie sie gefunden haben, dann müssen Sie noch einzeln auf die Parkhaussymbole klicken, um die Anzahl freier Parkplätze im jeweiligen Parkhaus zu erfahren. Das präsentiert Ihnen dann diese Seite:


Sehen Sie die Angabe der freien Parkplätze in diesem Parkhaus? Ich auch nicht. Man kann sie natürlich aus den Angaben errechnen, aber die Zahl der freien Parkplätze wird sogar angegeben, wenn auch verdeckt.

Nachtrag:
Dieser Effekt scheint nur beim ersten Aufruf der Seite aufzutreten. Die nächsten Abfragen der Zahl freier Parkplätze eines Parkhauses zeigen die Informationen dann vollständig an, d.h. die Basis (= die Karte) wird entsprechend verschoben. Geprüft habe ich dies mit Firefox und Chromium, die Seite zeigt in beiden Browsern dieses Verhalten.

Offensichtlich habe ich dies vor dem Schreiben des Textes nicht richtig geprüft. Danke an Bernd für den Hinweis auf meinen Fehler.


Vorteile von ParkenDD

Sie haben eine App auf Ihrem Smartphone, die Ihnen in übersichtlicher Form die Anzahl freier Parkplätze in den Parkhäusern diverser Städte anzeigt (leider nicht allen, das liegt aber an den jeweiligen Städten). Und in Abhängigkeit von der Position innerhalb dieser Stadt werden Ihnen die Parkhäuser sortiert nach dem Abstand zu Ihrer Position angezeigt (kann man so einstellen). Und mit einmal tippen auf ein Parkhaus können Sie die Positionsdaten dieses Parkhauses an das auf Ihrem Smartphone installierte Navigationsprogramm übergeben, das Ihnen die Route zu diesem Parkhaus errechnet und Sie dorthin leitet.

Das alles kann und will Ihnen die Lösung der Stadt Wiesbaden nicht bieten.


2 Jahre

Vor etwa 2 Jahren habe ich eine Erweiterung zu ParkenDD geschrieben, damit diese Daten auch für Wiesbaden angezeigt werden. 2 Jahre lang war diese Möglichkeit in ParkenDD eingeschaltet und konnte genutzt werden. Vor einigen Tagen hat die Stadt Wiesbaden eine neue Version ihrer Internetseite veröffentlicht und dabei einiges geändert. Im Ergebnis können Programme wie ParkenDD solche Daten nicht mehr anzeigen.

Damit steht ParkenDD nicht alleine da. Auf anderen Internetseiten werden Ihnen diese Daten für Wiesbaden ebenfalls angeboten. Ein Beispiel dafür finden Sie hier: Freie Parkplätze Parkhaus-Info Wiesbaden, aber auch auf etlichen anderen Seiten. Merken Sie sich bitte die Anzahl freier Parkplätze in einem Parkhaus und kommen Sie später auf diese Seite zurück. Und dann dürfen Sie sich wundern, warum sich diese Zahl nicht verändert hat. Oder Sie vergleichen diese Daten mit den entsprechenden Daten auf der Seite von wiesbaden.de. Auch diese Seite hat das hier beschriebene Problem, etliche andere Seite auch. Man präsentiert Ihnen veraltete Daten, denn die Anbieter erhalten keine neueren Daten mehr.


Ausschuss f. Wirtschaft, Beschäftig., Digitalis., Gesundheit

In diesem Ausschuss des Stadtparlaments werden unterschiedliche Fragen behandelt, wie Sie schon am Titel erkennen. Die letzte Sitzung des Ausschusses fand am 11. Mai statt. Hier finden Sie die öffentliche Tagesordnung dieser Sitzung. Auf der Tagesordnung finden Sie einen Punkt 10, in dem es heißt:

Wiesbaden stellt bereits einige nützliche Informationen für Bürger*innen in digitaler Form bereit. Allerdings gibt es keinen Überblick bzw. eine Plattform auf der alle Stellen verzeichnet sind. Man muss gezielt im Internet danach suchen in der Hoffnung, dass man eine Seite findet, die die benötigten Daten bereitstellt. Findet man die Quelle, ist aber noch nicht klar, ob und wie man die Daten weiter verwenden kann.

Quelle: 10. Überblick über zugängliche Daten der Wiesbadener Verwaltung - Antrag der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen und SPD vom 05.05.2021

Der Antrag wurde einstimmig angenommen.

Kurze Zeit später gab es keinen Zugriff mehr auf die Daten zur Anzahl freier Plätze in den Parkhäusern. Die Quelle dieser Daten wurde abgeschaltet. Wie passt dies zur Intention des Antrags?


Open Data in der Stadtpolitik

Der Antrag im Ausschuss fällt unter das Schlagwort Open Data, also (teilweise) Offenlegung der Daten der Stadtverwaltung. Im Kommunalwahlkampf des Jahres 2016 tauchte dieser Punkt erstmals in einem Wahlprogramm für die Wahl in Wiesbaden auf:

SPD

Open Data
Wir wollen die Daten, die der Stadtverwaltung zur Verfügung stehen bzw. die sie erstellt, allen Bürgerinnen und Bürgern, zur Nutzung, Weitergabe und Weiterverwendung zur Verfügung stellen. Die Grenzen der Offenlegung der Daten werden durch Gesetze vorgegeben (Datenschutz, Urheberrecht usw.). Schon jetzt werden zahlreiche Daten über das Internet zur Verfügung gestellt, so z.B. der Haushaltsplan der Stadt, Gutachten, sofern dies rechtlich möglich ist, sowie Bebauungspläne, statistische Berichte und vieles mehr. Daran wollen wir festhalten und dort, wo es möglich ist, noch mehr Informationen zur Verfügung stellen. Unser Ziel ist es die Bürgerinnen und Bürger an der Stadtgestaltung zu beteiligen. Mit Open Data soll es möglich sein, Bürgerdienste von Bürgern für Bürger zu schaffen.

Quelle: Kommunalwahl in Wiesbaden 20161) 

Was ist aus dieser Forderung geworden? In der Wahlperiode 2016 bis 2021 schon mal nichts. Vor wenigen Wochen gab es die Wahl zum Stadtparlament für die Periode 2021 bis 2026. Das Thema Open Data taucht nur kurz in folgenden Wahlprogrammen auf:

Auszug aus Wahlprogrammen zur Kommunalwahl 2021
Grüne2) FDP3


Fazit

Offensichtlich sind die Informationen zur Anzahl freier Plätze in den Parkhäusern so wichtig, daß sie sorgsam gepflegt und behandelt werden müssen. Somit kann nicht irgendwer auf diese Daten zugreifen, sie nutzen, in irgendeiner Form präsentieren und sie womöglich für eigene Zwecke auswerten. Nur die Stadt darf auf ihrer Internetseite diese Zahlen präsentieren. Dafür haben Sie sicherlich Verständnis.



Anmerkungen:
1) An diesem Teil des SPD-Wahlprogramms habe ich mitgeschrieben.