Sonntag, 28. November 2021

"wir werden demnächst darüber nachdenken"


ParkenDD war bereits mehrfach ein Thema hier auf diesem Blog. In der Sache hat sich seit dem letzten Text hier auf diesem Blog nichts getan, aber ich möchte trotzdem auf dieses Thema zurückkommen, denn am 9. November fand eine Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Beschäftig., Digitalis. und Gesundheit statt, auf der man sich u.a. mit diesem Thema beschäftigte. Und die dortige Diskussion ging völlig an der Sache vorbei.

Die Sache ist: Die Stadt Wiesbaden hat Informationen zu Parkhäusern über einen Dienst angeboten, die von Programmen wie u.a. ParkenDD genutzt wurden. Und diesen Dienst hat die Stadt Wiesbaden in ihrer unergründlichen Weisheit abgeschaltet. Mittlerweile ist ein halbes Jahr vergangen und der Stadt Wiesbaden (und der Stadtpolitik) fällt allmählich auf, dass sie dort etwas getan haben. Jetzt beginnt das Nachdenken darüber, ob man einen solchen Dienst wieder anbieten sollte. Dieses Nachdenken wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, weshalb mit einem solchen Angebot vermutlich erst in einem Jahr zu rechnen sein wird. Eine verbindliche Aussage zum zeitlichen Rahmen gibt es aber nicht.


Kauf eines Autos

Aber von vorne, und ich beginne mit einem anschaulichen Beispiel, um das Problem auf den zentralen Punkt zu bringen. Nehmen wir einmal an, Sie besitzen ein Auto. Aus irgendwelchen Gründen verkaufen Sie dieses Auto. Nach einem halben Jahr stellen Sie fest, dass Sie doch ein Auto benötigen und dann beginnen Sie, über die Frage der Neuanschaffung eines Autos nachzudenken. Dabei vernachlässigen Sie völlig, dass Sie nach der Unterschrift unter den Kaufvertrag noch eine Zeit warten müssen, bis Sie das von Ihnen bestellte Modell übergeben bekommen. Und bis dahin leben Sie ohne Auto.


Situation

Das Beispiel ist nicht direkt vergleichbar, aber so in etwa stellt sich die Situation beim Thema ParkenDD dar.

Die Zahl der aktuell freien Parkplätze in den Parkhäusern in Wiesbaden findet man im Internet irgendwo in den Tiefen der Seite www.wiesbaden.de. Außerdem gab es eine weitere Seite, auf der man diese Zahlen ebenfalls finden konnte, und beide Seiten präsentierten identische Zahlen. Die Seite auf wiesbaden.de präsentierte die Seite optisch aufbereitet, wobei man über die Gestaltung sicherlich streiten kann. Die andere Seite, die ich zur Vereinfachung interne Seite nennen möchte, zeigte die Daten in einer hässlichen Form an. Diese hässliche Seite hatte jedoch den Vorteil, dass man die Daten ohne Verrenkungen per Software auslesen konnte. Seiten im Internet kann man sich ja nicht nur mit eigenen Augen ansehen, man kann sie auch per Programm anfordern und auswerten. Eine Suchmaschine macht auch nichts anderes. Und so hat das Programm ParkenDD diese interne Seite angefordert, aus dieser Seite die aktuellen Zahlen extrahiert und in eigener Form weiter verwendet.

Mitte Mai 2021 wurde die Seite mit der Übersicht über die Parkhäuser auf wiesbaden.de abgeschaltet, die interne Seite ebenfalls. Somit konnte ParkenDD diese Daten nicht mehr anzeigen, alle anderen Internetseiten mit diesem Service waren ebenfalls trockengelegt. Nach etwa 14 Tagen wurde auf wiesbaden.de die Seite erneut freigeschaltet, die interne Seite wurde nicht mehr freigeschaltet. Ich will da keine Verschwörungstheorie bauen, ein einfaches Vergessen dürfte als Erklärung ausreichen. Auf Hinweise auf diesen Fehler wurde nicht reagiert.

Diese Situation habe ich auf diesem Blog am 9. Juni 2021 beschrieben: Open Data: Worte und Taten.

In der Sitzung vom 9. November des Ausschusses für Wirtschaft, Beschäftig., Digitalis. und Gesundheit gab es einen Antrag zu diesem Thema, der sich explizit auf das Programm ParkenDD bezog: Open Data Nutzung zur Parkplatzbelegung in Wiesbadener Parkhäusern - Antrag der Fraktionen Volt, CDU, FDP und Die Linke vom 03.11.2021 -

Das war der Inhalt dieses Antrags:


Bei Aufruf des Tagesordnungspunktes begann die Diskussion zu diesem Antrag mit dem Verweis des Vorsitzenden (=Simon Rottloff) auf die letzte Sitzung des Stadtparlaments und die dortige Frage #15, die ich hier bereits beschrieben hatte. Damit sei doch die Sache bereits beantwortet und der Antrag somit hinfällig. Dem schloss sich die Mehrheit des Ausschusses nicht an, so dass es doch eine Diskussion zu diesem Antrag gab.

Nach meinem Verständnis hätte über die Frage diskutiert werden müssen, ob die Stadt Wiesbaden diese Information zur Zahl freier Parkplätze in den Parkhäusern wieder zur Verfügung stellen will. Und natürlich über die Frage, in welcher Form dies geschehen soll. Und insbesondere über die Frage, bis wann sie diese Daten wieder zur Verfügung stellen wird. Man sollte nicht vergessen, dass diese Daten bis Mai 2021 zur Verfügung standen und erst im Rahmen der Verbesserung auf der Seite www.wiesbaden.de abgeschaltet wurden, ein typischer Fall einer Verschlimmbesserung.

Die Diskussion drehte sich um dies und das, sie dauerte länger. Zwischendurch ging es mal um die Steigerung der Kosten der Einführung von DigiV. Insbesondere wurde über roadside units diskutiert, die damit nichts zu hatten, aber dann doch nichts damit zu tun hatten. Diese roadside units sind wohl aktuell im Test, aber da ParkenDD bereits seit über 2 Jahren lief und diese roadside-units jetzt erst getestet werden sollen, konnte es damit nichts zu tun haben.


Ergebnis

Einladungen, Tagesordnungen und Beschlüsse der Stadtpolitik werden hier auf dieser Seite präsentiert: Politisches Informationssystem Wiesbaden (PIWi). Die hier angesprochene Sitzung des Ausschusses finden Sie hier: Dienstag, 9. November 2021, 17:00 Uhr. Den Antrag findet man als Tagesordnungspunkt 7 in der Liste und das Ergebnis laut PIWi lautet:

Quelle: Antrag 21-F-84-0001 in PIWi am 24.11.2021

Der Beschluß liegt noch nicht vor. Zwar fand die Sitzung am 9. November 2021 statt, aber nach 14 Tagen zeigt diese Stadt immer noch nicht an, wie das Ergebnis der Diskussion lautet.

Am 29. November, also fast 3 Wochen nach der Sitzung, konnte man dann in PIWi lesen: "Einstimmig - Durch Aussprache erledigt".

In der Diskussion wurde erklärt, dass die Stadt Wiesbaden diese Daten wieder zur Verfügung stellen will. Aber wann? Dazu kann man sich noch nicht äussern, dazu müsse man erst nachdenken.


Fazit

Für die Umstellung der Anzeige dieser Daten auf der Homepage der Stadt Wiesbaden wurde die alte Darstellung abgeschaltet und die neue Darstellung nach 14 Tagen freigeschaltet. Warum muß man eine Internetseite für 14 Tage abschalten? Üblich ist, dass man die neue Seite intern vorbereitet und den Übergang von der alten zur neuen Seite so vornimmt, dass sich der Wechsel unauffällig vollzieht. Und die interne Seite kann man auch weiterlaufen lassen, bis man eine neue Lösung hat. So kann man das machen.

Da bemüht man sich, natürlich unbezahlt, etwas für diese Stadt zu tun. Und dann kommen die hohen Damen und Herren Stadtverordnete dieser Stadt daher und hauen das einfach so weg. Da sie sehr hoch sitzen, fällt ihnen nicht einmal auf, dass sie eine Initiative abgeschaltet haben. Da sie diese Initiative nicht kennen (weil sie nicht zuhören, wenn man ihnen diese vorstellt), ist diese Initiative auch ohne Bedeutung für sie.

Sicherlich ist eine solche Vorgehensweise sehr motivierend, also eigentlich demotivierend.

Die Linke

Ingo von Seemen ist ein wackerer Kämpfer gegen das kapitalistische System. Als solcher sitzt er für die Partei Die Linke im Wiesbadener Stadtparlament und führt dort diesen Kampf. Profite sind ihm ein Übel, insbesondere wenn private Firmen solche Profite erzielen. Dass die Stadt Wiesbaden solche Daten wie z.B. die Auslastung der Parkhäuser zur Verfügung stellt und diese Daten dann von einer privaten Gruppe ausgelesen werden, um diese Daten zu verwenden, aufzubereiten und mit weiteren Informationen verknüpft zur Verfügung zu stellen, NEIN, das geht ja gar nicht. Da könnte ja eine andere Organisation Profite erzielen mit den Daten der Stadt Wiesbaden. Und so schlug das klassenkämpferische Herz von Ingo von Seemen und er stellte in dieser Sitzung klar, dass er die Verwendung solcher Daten durch andere Organisationen nicht mag.

Nun arbeitet die Stadt Wiesbaden mit Steuergeldern, also Geldern der Bürger. Und mit diesem Geld werden u.a. auch die Aktivitäten zur Erfassung und Präsentation der Daten zu Parkhäusern bezahlt. Da wir Bürger dies bezahlen, gehören die Daten auch uns, die Stadt Wiesbaden tut dies in unserem Auftrag. Die Daten gehören also nicht der Organisation Stadt Wiesbaden.

Für das Programm ParkenDD wurde eine Erweiterung benötigt, um die Daten von Wiesbaden in diesem Programm verwenden zu können. Dieses kleine Stück Software stammt von mir, dafür habe ich kein Geld erhalten, während Ingo von Seemen für seinen antikapitalistischen Kampf im Stadtparlament Geld erhält. Den genauen Betrag kann man hier nachlesen: Satzung über die Entschädigung für ehrenamtlich Tätige. Bitte beachten Sie, dass Herr von Seemen Stadtverordneter und Fraktionsvorsitzender ist.

Open Data hat auch den Zweck, Daten anderen Organisationen zur Verfügung zu stellen, damit diese mit diesen Daten andere Anwendungen entwickeln, also aus diesen Daten etwas machen. Und im Falle der Daten zu Parkhäusern kann dies bedeuten, dass man diese Daten an ein Navigationsprogramm übergibt, das dann die optimale Route zum ausgewählten Parkhaus berechnet. Auf eine solche Anwendung, entwickelt von Herrn von Seemen, würden wir warten und warten und ....


Abschluß des Abends

Nach der verkorksten Diskussion im Ausschuss bin ich nach Hause gefahren. Aber dieser Abend endete durchaus positiv, denn zu Hause erwartete mich ein kleines Abendessen. Und das sah so aus: