Dienstag, 15. Dezember 2015

"Denn die Zukunft gehört dem Glasfaserkabel"

Dieser Aussage stammt aus dem Jahr 1982, ist also über 30 Jahre alt. Sie finden sie in diesem Artikel der Zeitschrift DER SPIEGEL Ausgabe 43/1982.

Und so schreibe ich jetzt, am Ende des Jahres 2015, diesen Text und will Sie überzeugen, daß wir Glasfaser brauchen.


Was ist das: Glasfaser?

Eine Glasfaser ist ein langgezogenes Stück Glas. Anstatt vieler Worte zeige ich Ihnen ein paar Bilder:

Diese Bilder habe ich der Wikipedia entnommen, Sie finden diese im Artikel zum Thema Lichtwellenleiter.

Das erste Bild zeigt den Aufbau eines solchen Kabels: der innerste Teil (mit 1 beschriftet) ist die eigentliche Faser, um die es hier im Text geht. Sie hat eine Dicke von weniger als 20 μm1), ist also nicht einmal halb so dick wie ein menschliches Haar. Die Teile 2-4 dienen u.a. dem Schutz der Faser.
Das zweite Bild zeigt ebenfalls die Größenverhältnisse zwischen Glasfaser und den diversen Schutzschichten.
Im dritten Bild sehen Sie dann ein fertiges Kabel mit einem Durchmesser von ca,. 20mm. Dieses Kabel enthält mehrere Fasern.
Und das vierte Bild zeigt ebenfalls ein Kabel mit mehreren Fasern und zusätzlich besonderen Schutzhüllen, da es in die Erde verlegt wird.
Das fünfte Bild zeigt die verwendete Technik zum Transport des Lichts in der Faser: von links wird mit einem Laser ein Lichtstrahl in die Faser geleitet. Dieser Lichtstrahl stösst irgendwann gegen die Wand der Faser und wird dabei nicht gebrochen sondern reflektiert, d.h. der Lichtstrahl bleibt innerhalb der Faser und wird so weiter transportiert.

Dieser kleine Film demonstriert die Eigenschaften des Lichtes und der Glasfaser (der Kommentar ist in englischer Sprache, aber schauen Sie sich den Film ruhig an, auch wenn Sie den Kommentar nicht verstehen):

In einer solchen Faser werden die Daten mit Lichtgeschwindigkeit übertragen, eine höhere Geschwindigkeit der Übertragung kennen wir nicht. Die Daten können über grosse Entfernungen transportiert werden, da sie auf dem Weg praktisch nicht abgeschwächt werden. Man verwendet deshalb Glasfaser für die Verbindung der Kontinente, aber auch für die Verbindung der grossen Vermittlungsstellen untereinander.

Und hier sehen Sie, was ein Glasfaserkabel alles aushalten muß2):

Das Kabel in diesem Film ist natürlich stärker geschützt, als die Kabel, die ich oben abgebildet habe.


Warum brauchen wir Glasfaser?

Für den Internetanschluss brauchen wir Glasfaser. Ich möchte auf die Vergangenheit verweisen: mit der Online-Welt angefangen habe ich vor über 20 Jahren mit einem Modem, das Daten mit der wahnsinnigen Geschwindigkeit von 2.400 Bits/Sekunde übertrug. Und heute gehe ich ins Internet über eine Leitung, die Daten mit 100 Millionen Bits/Sekunde überträgt. Im Zeitraum von vielleicht 23 Jahren ist dies eine Steigerung um einen Faktor grösser 40.000. Verteilt man diese Steigerung auf die 23 Jahre, so kommt ein Zuwachs von >50% pro Jahr heraus.
Diese Entwicklung wird weitergehen. Und mit der vorhandenen Infrastruktur, mit den Kupferkabeln, die ursprünglich für Telefonie verlegt wurde, werden wir die künftig benötigten Geschwindigkeiten nicht realisieren können. Aber mit Glasfaser haben wir eine ausgereifte Technik, die uns heute schon zur Verfügung steht.


Kosten

Verkabelung kostet Geld, bei Kupfer- oder Glasfaser-Verkabelung. Die Kosten sind für mich nur schwer schätzbar, da man als Privatmann andere Mengen abnimmt und somit auch andere Preise zahlen muß. Und die Anforderungen an ein Kabel für eine Verlegung in einer Wohnung sind natürlich andere als die Verlegung eines Kabels unter den Strassen eines Wohnorts. Eine kurze Recherche ergab, daß man für 100m Kupferkabel (Netzwerkkabel) ca. 30-50€ bezahlt; bei Glasfaser dürften die Kosten etwa doppelt so hoch liegen (das Kabel, das einem Hai-Angriff widersteht, ist natürlich teurer). Somit ist Glasfaser teurer als Kupfer. Aber das relativiert sich, denn Kabel werden in Deutschland typischerweise in die Erde verlegt3), und dieser Aufwand ist wesentlich höher als die Kosten des zu verlegende Kabels. Die Erdarbeiten kosten nämlich wesentlich mehr als 100€ pro 100m, so daß die höheren Kosten des eigentlichen Kabels kaum ins Gewicht fallen.


Anbindung

Wie wird Ihre Wohnung jetzt an ein Glasfasernetz angeschlossen? Hier finden Sie eine Darstellung der Deutschen Telekom4):
Auf diesem Bild sehen Sie 3 Häuser, die an das Internet angebunden sind.
Das Haus 1 ist per Kupferkabel angeschlossen. Hier kommen die Daten von der Vermittlungsstelle im Hintergrund bis zum Verteilerkasten vor dem Haus und werden von dort ins Haus geleitet; alles per Kupferkabel realisiert, so wurde das früher gemacht, wird an manchen Orten auch heute noch so gemacht.
Aktuell haben wir an vielen Orten die Situation, die am Haus 2 dargestellt wird. Hier kommen die Daten von der Vermittlungsstelle über Glasfaser bis an die Verteilerkästen und werden von dort per Kupferkabel ins Haus geleitet. Die Telekom hat dazu neben die alten Verteilerkästen neue, grössere Verteilerkästen gebaut, in die die Glasfaserkabel münden und umgesetzt werden auf die Kupferkabel in den alten Verteilerkästen und somit die Anbindung an die vorhandenen Telefonkabel erfolgt.
Die Zukunft ist Glasfaser, hatte ich schon geschrieben. Und diese Lösung wird am Gebäude 3 dargestellt. Von der Vermittlungsstelle bis ins Haus hinein liegen Glasfaserkabel, die die Daten transportieren. Im Haus werden die Daten dann per Kupfer- oder Glasfaserkabel an die gewünschten Stellen gebracht.

Bitte bedenken Sie, daß diese Darstellung vereinfacht ist. In der Praxis stehen diese Verteilerkästen nicht direkt vor jedem Haus sondern binden mehr als 100 Häuser an und stehen deshalb an zentraler Stelle.

Die unterschiedlichen Techniken bieten unterschiedliche Möglichkeiten. Im unteren Teil dieses Bildes sehen Sie die maximale Geschwindigkeit bei Lösung 1 (Kupfer von der Vermittlungsstelle bis zum Haus: bis zu 16 MBit/s), bei Lösung 2 (Glasfaser bis zum Verteilerkasten, Kupfer für das letzte Teilstück: bis zu 50 MBit/s) und bei Lösung 3 (Glasfaser bis an die Hauswand: 1.000 MBit/s). Die Lösung mit Glasfaser bietet nach dem heutigen Stand der Technik die 20-fache Geschwindigkeit der Übertragung als die Lösung 25). Und deshalb sollten wir uns für diese Lösung entscheiden.


Kommunalpolitik

Dieser Blog enthält im Namen das Wort Wiesbaden und deshalb möchte ich einen Vorschlag an die Politik in der Stadt machen: Strassen werden aufgerissen, Reparaturen vorgenommen oder neue Rohre verlegt und anschließend werden die Löcher wieder zugeschüttet und die Strassen wiederhergestellt. Wenn man das schon macht, dann wäre es eine vorausschauende Politik, in die Strassen auch gleich Leerrohre für Glasfaser zu verlegen. Dann könnte man später im Rahmen des Breitbandausbaus die Glasfaserkabel in die vorhandenen Leerohre legen, ohne die Strasse erneut aufgraben zu müssen. Es wäre kostengünstiger.


Stand der Dinge

Überall in der Welt tut sich was in Sachen Glasfaseranschlüsse. Auch die Bundesregierung will, daß die Bundesbürger schnellere Internetanschlüsse erhalten. Jedes Jahr stellt die Regierung dazu einen entsprechenden Plan vor. Vor einem Jahr gab es diesen Kommentar zum damaligen Plan:
“Die nun verabschiedete Digitale Agenda für Deutschland 2014 - 2017 ist im Bereich der Breitband-Infrastruktur eine Enttäuschung“, meint Hartwig Tauber, Geschäftsführer der Europäischen Industrieorganisation FTTH Council Europe, "es wurde eine Chance vergeben, Deutschland im Breitbandbereich konkurrenzfähig zu machen."

Quelle: Digitale Agenda: Wenig Zukunftssicherheit im Breitbandausbau, Brüssel, 25. August 2014

Wie steht Deutschlands dar im Vergleich zu anderen Ländern? Hier finden Sie eine Aufstellung, wieviele Haushalt eines Staates an Glasfaser angeschlossen sind6):

Alle Angaben in den Grafiken sind Prozentwerte. Die erste Grafik beschränkt sich auf die EU, die zweite Grafik zeigt die entsprechende Aufstellung für die Länder ausserhalb der EU und die dritte Grafik zeigt die Welt (inkl. EU).

Sie vermissen Deutschland in dieser Aufstellung? Das ist richtig, Deutschland gibt es nicht im Bereich Glasfaser. Dabei wussten wir schon 1982: "Denn die Zukunft gehört dem Glasfaserkabel".



Anmerkungen:
1) 1μm ist ein millionstel Teil eines Meters = 1 tausendstel eines Millimeters
2) Hier finden Sie einen Artikel zu diesem Angriff: Haie beißen ins Internet
3) So kann man solche Kabel auch verlegen: Beispiel aus den USA
4) Diese Darstellung ist © Deutsche Telekom, sie finden diese Grafik hier.
5) Bei den Werten 16 MBit/s bzw. 50 MBit/s handelt es ich um "bis zu"-Werte, wie mancher Anwender festellen durfte, d.h. diese Werte weden nur unter guten Bedingungen erreicht. Ansonsten lebt man mit der langsameren Datenübertragung
6) Diese Grafiken sind © Fibre to the Home Council Europe

Donnerstag, 3. Dezember 2015

WLANs für Touristen

In meinem letzten Beitrag habe ich an einigen Beispielen das WLAN-Angebot in Wiesbaden dargestellt: WLANs in Wiesbaden. In diesem Beitrag möchte ich erläutern, was man machen kann, wen man an einem Ort ein leistungsfähiges WLAN zur Verfügung hat. Man kann dies auch mit alternativer Technik (sprich: LTE) realisieren, aber nicht jeder hat einen solchen Vertrag für sein Smartphone oder Tablet, dafür ist die WLAN-Technik in diese Geräte eingebaut. Und nicht jeder Tourist, insbesondere ein Tourist aus dem Ausland, hat einen solchen Vertrag1).

Das noch zu beschreibende Angebot richtet sich an Touristen, nicht an Einheimische, wobei Bürger Wiesbadens das natürlich auch nutzen können. Und ich nehme die Marktkirche als Beispiel, das kann man natürlich auch an anderen Stellen dieser Stadt machen.


Touristen in Wiesbaden

In dieser Stadt sieht man immer wieder Touristen, erkennbar am Aussehen, Studieren eines Reiseführers oder einer Landkarte, Fotografieren von Gebäuden, beständiges Schauen auf den Bildschirm des Smartphones oder Tablets, obwohl dies nicht unbedingt auf einen Touristen schliessen lässt. Wiesbaden ist eine Stadt, die von Touristen besucht wird. Und während des Weinfestes im August ist mir in den vergangenen Jahren mehrfach aufgefallen, daß Menschen in die Marktkirche wollten, um sich diese von innen anzuschauen.

Was hat Tourismus mit WLAN zu tun? Dazu ein Zitat vom 13.11.2015:
Zu Beginn der Anhörung machten der Hessische Städtetag und der Hessische Städte- und Gemeindebund deutlich, dass eine angemessene WLAN-Versorgung für den Tourismus unerlässlich ist, aber auch einen Wettbewerbsvorteil bietet.

Quelle: http://www.claudiakilian.de/anhoerung-im-landtag

Wie könnte denn ein Angebot an Touristen aussehen, das auf WLAN aufbaut?


Sehenswürdigkeiten

Sehenswürdigkeiten zeichnen sich durch ihre Geschichte aus, d.h. sie können viel erzählen. Eigentlich können sie nicht reden, also gibt es Führungen, wobei der Guide die Geschichte(n) erzählt. Und es gibt gedruckte Reiseführer, in denen die Geschichte geschrieben steht. Zusätzlich kann man an den Sehenswürdigkeiten eine Tafel anbringen und darauf die Geschichte darstellen. Auf diesen Tafeln findet man dann einen Text mit Erläuterungen, möglicherweise auch in mehreren Sprachen. Aber solche Tafeln sind statisch, sie können keine bewegten Bilder darstellen oder Töne abspielen. Dabei gibt es im Internet viele Darstellungen der Marktkirche, die so etwas können. Dazu ein paar Beispiele:

Sie sehen, im Internet gibt es etliche Texte und Filme zur Marktkirche, aber die Besucher dieser Stadt müssen diese Informationen erst suchen. Es würde Sinn machen, diese Informationen so aufzubereiten, daß man sie den Touristen direkt und direkt vor Ort anbieten kann. Und dazu braucht man, ich wiederhole mich, Internet, am besten in der Form eines WLANs. Auch kann man nicht überall grosse Tafeln mit Erläuterungen anbringen, das stört das Gesamtbild innerhalb der Kirche. Und natürlich kann man darüber auch keine Bilder oder Töne übertragen. Und niemand will die kryptischen Texte abtippen, die auf Angebote von Youtube oder Wikipedia verweisen. Wir brauchen etwas anderes.


QR-Codes

Das braucht man dazu: QR-Codes2). Das sind kleine Bildchen, die eine Internet-Adresse als Grafik darstellen. Hier habe ich ein Beispiel dafür:



Sieht verrückt aus, aber das macht nichts. Diese Grafik symbolisiert nur die Startseite dieses Blogs, dargestellt in der Form der QR-Codes. Das ist also nichts anderes als der Text: http://linux-fuer-wi.blogspot.com

Und jetzt kommt die Sache mit dem Internetzugang: für Ihr Smartphone oder Ihr Tablet gibt es ein Programm (=App), das diese Grafik abfotografiert, das Bild analysiert und danach Sie direkt auf die entsprechende Seite leitet. Hier finden Sie eine Liste solcher Programme:
Suchen Sie sich in der Liste entsprechend dem Betriebssytem ihres Smartphones eine App aus, es gibt darunter auch kostenlose Angebote, installieren Sie diese App und Ihr Smartphone kann das. Sie brauchen die App nur zu starten und das Smartphone so zu halten, daß die Kamera die Grafik sieht, den Rest macht dann die App.

Solche Grafiken kann man selbst erstellen, meine Beispiele entstanden über diese Seite: QR-Code Generator.

Als praktisches Beispiel sehen Sie hier einen Link zu ein wenig Musik, ein Stück von Bach, gespielt auf der Orgel der Marktkirche3):



Man könnte innerhalb der Kirche an entsprechenden Stellen jeweils eine Tafel anbringen und darauf die Erläuterungen abdrucken. Oder man druckt auf diese Tafeln solche QR-Codes und über diese Tafeln würden die interessierten Besucher auf entsprechende Internet-Seiten geleitet, die diese Erläuterungen geben, Fotos zeigen oder Musik abspielen, genau wie die Links weiter oben in diesem Text. Ich finde, das wäre eine Verbesserung.


Erweiterung der Realität

Nein, es kommen keine Drogen ins Spiel. Aber solche Tafeln haben Nachteile: man müsste sie an den entsprechenden Stellen anbringen, und manchmal sind solche Tafeln störend, auch wenn sie nicht allzu groß sein müssen. Aber es gibt einen Weg, zu Erläuterungen zu kommen, ohne diese QR-Codes auf eine Tafel zu drucken und diese anzubringen. Was soll ich da lange erklären, schauen Sie sich das doch bitte am Beispiel eines Naturwissenschaftlichen Museums an:



In diesem Film sehen Sie die Ausstellungsstücke. Nun kommt ein Besucher mit seinem Smartphone und hält die eingebaute Kamera auf ein Objekt. Im Bildschirm des Smartphones wird jetzt natürlich das angewählte Objekt dargestellt und zusätzlich wird ein Text bzw. ein kleiner Film eingeblendet, der das Objekt in bewegter Form zeigt sowie Informationen zum Objekt gibt.

Diese Technik nennt sich augmented reality, und natürlich hat Wikipedia eine Erläuterung dazu: Erweiterte Realität.

So etwas kann man machen, wenn den Besuchern ein leistungsfähiger Internet-Anschluß zur Verfügung steht. Und dafür braucht man WLAN an allen Sehenswürdigkeiten dieser Stadt, die Marktkirche diente hier nur als Beispiel.

Natürlich muß man die einzublendenden Erläuterungen erstellen, und die Zuordnung zwischen fotografiertem Bild und Erläuterung auch.


Hochschule Rhein-Main

Wiesbaden hat eine Einrichtung, die so etwas machen könnte, die Hochschule RheinMain, die im Studiengang Medieninformatik das Thema augmented reality behandelt. Hier finden Sie eine Publikation der Hochschule RheinMain zum Thema Augmented Reality als natürliches User-Interface. Und sie haben weitere Projekte durchgeführt: Augmented Reality Projekte in der Medieninformatik an der FH-Wiesbaden. Sie können so etwas, aber daneben gibt es sicherlich auch kommerzielle Angebote auf dem Markt.


Wettbewerbsvorteil

Ich möchte auf das Zitat in der Einleitung dieses Textes zurückkommen:
Zu Beginn der Anhörung machten der Hessische Städtetag und der Hessische Städte- und Gemeindebund deutlich, dass eine angemessene WLAN-Versorgung für den Tourismus unerlässlich ist, aber auch einen Wettbewerbsvorteil bietet.

Quelle: http://www.claudiakilian.de/anhoerung-im-landtag

Ein gute WLAN-Versorgung könnte ein Wettbewerbsvorteil für die Stadt Wiesbaden sein. Natürlich nur, wenn diese Stadt eine solche WLAN-Versorgung hat, die aus vielen und leistungsfähigen Hotspots besteht. Aber einen Wettbewerbsvorteil hat man nur, wenn Wiesbaden nicht die letzte Stadt ist, die dieses Angebot einführt.


Anmerkungen:
1) Solche Verträge sind in Deutschland extrem teuer und eingeschränkt, das wäre ein Thema für einen eigenen Text.
2) Wikipedia hat natürlich einen Beitrag dazu: QR-Code.
3) In diesem Fall können Sie auch einfach mit der Maus auf die Grafik klicken

Donnerstag, 19. November 2015

WLANs in Wiesbaden

Ich möchte einmal an praktischen Beispielen beschreiben, wie es um das Thema WLANs in Wiesbaden bestellt ist. Dieser Text ist keine systematische Übersicht über alle vorhandenen WLANs in Wiesbaden1), aber ich hoffe, die Situation in dieser Stadt zutreffend zu beschreiben. Und einige persönliche Anmerkungen möchte ich zu den einzelnen Angeboten auch machen.

In den Beispielen finden Sie kleine Bilder. Diese Bilder zeigen den Bildschirm meines Tablets, ein Bild kommt vom Smartphone. Die hier im Text angezeigten Bilder sind nur Ausschnitte, Sie können die Bilder vergrössern und sich komplett anzeigen lassen, indem Sie auf ein Bild draufklicken. Und zurück zu diesem Text kommen Sie, wenn Sie auf das [X] rechts oben in der Darstellung klicken.

Aber nun zum Thema: WLANs in Wiesbaden. Beginnen möchte ich mit einem Zitat aus der Stadtpolitik vom 24. Juni 2015:
Der Magistrat hat in seiner jüngsten Sitzung einen Ausbau der kommunalen WLAN-Infrastruktur beschlossen.

Quelle: http://www.fr-online.de/wiesbaden/wiesbaden-stadt-will-wlan-ausbauen,1472860,31035288.html

Schön, klingt doch gut. Stammt aus dem Jahr 2015 und ist somit eigentlich arg spät, aber better late than never.

Aus der Politik gibt es auch eine weitere Stellungnahme zum Thema WLANs vom 7. Juli:
Die aktuellen Bemühungen der Stadt Wiesbaden für die Einrichtung eines öffentlichen WLAN sind sehr begrüßenswert, können sie doch dazu beitragen, dass die Landeshauptstadt Wiesbaden im nationalen und internationalen Vergleich bei der Vernetzung der Bürger und Gäste der Stadt nicht mehr hinterherhinkt.

Quelle: https://piwi.wiesbaden.de/Anzeige/RII/HAUPT/document_download.jsp?verzeichnis=TOP&dokid=1520836

Aha, diese Stadt hinkt hinterher. Ihr Anspruch ist zwar ein anderer,...., lassen wir das, ich schau mich einfach mal um. Also schnappe ich mir mein Tablet und beginne diese kleine Tour mit dem Rathaus, dem Zentrum der Stadtpolitik.


Auf den Stufen

Und so sitze ich auf den Stufen zum Rathaus und will mir das WLAN-Netz anschauen, das die Stadt Wiesbaden uns zur Verfügung stellt. Also schalte ich mein Tablet ein, wechsle in die Einstellungen und schalte das WLAN ein. Und dann sehe ich dieses hier:


Auf dem ersten Bild dieser Reihe sehen Sie die Liste der verfügbaren WLANs am Rathaus. Ausgewählt habe ich das Netz mit dem Namen Wiesbaden, einmal mit dem Finger angetippt und schon war ich mit diesem WLAN verbunden. Starte ich jetzt den Browser, so erhalte ich den Eingangsbildschirm zu diesem Netz (siehe zweites Bild). Dort wird mir ein Vertrag präsentiert, den ich mit einem Häkchen bestätigen muß und kann mich einloggen. Danach kann ich ins Internet gehen, ausprobiert, geht. Auf dem dritten Bild sehen Sie eine Übersicht über die am Rathaus verfügbaren WLAN.

Realisiert wird dieses Angebot von der Firma Hotsplots im Auftrag der Stadt Wiesbaden.2)

Bewertung: war nicht allzu schwierig. Aber überall wird man vor Geschäftsabschlüssen an der Haustür oder am Telefon gewarnt, deshalb die Frage: was habe ich jetzt eigentlich unterschrieben? Habe ich ein Exemplar dieses Vertrages? Sollte man die Absicht haben, diesen Vertrag bis zum Ende durchzulesen, so muß man auf diesem Teilbildschirm mehrmals scrollen; der Vertrag ist recht lang und das Anzeigefenster ist klein. Eigentlich sollte man ja Verträge vor Abschluß bis zum Ende lesen, eigentlich.

Fazit: es geht.

Anmerkung: bitte klicken Sie einmal auf das mittlere Bild dieser Reihe. Sie sehen die suboptimale Ausnutzung des Größe des Bildschirms; das ist wohl nur für Smartphones gedacht, nicht für die Benutzung mit einem Tablet. Ist wohl der erste Versuch.


Auf einen Latte Macchiato

Von den Stufen vor dem Rathaus bin ich dann weitergegangen ins Lumen und habe mir dort einen Latte Macchiato gegönnt. Und mein Tablet zeigte mir u.a. ein WLAN-Netz der Deutschen Telekom an. Also habe ich das Tablet mit diesem WLAN verbunden:


Auf dem ersten Bild sehen Sie, daß ich das Tablet mit dem WLAN der Telekom verbunden hat. Nach einem Aufruf des Browsers sehe ich den Anmeldebildschirm (siehe Bild 2) mit der Aufforderung, die Zugangsdaten einzugeben. Und da ich kein Kunde der Telekom bin, müsste ich für den Zugang 4,95€ bezahlen, für einen Tag3). Na gut. Auf dem dritten Bild sehen Sie, wie sich die WLANs am Lumen tummeln.

Bewertung: die Telekom betreibt etliche Netze4), wobei mir persönlich das Angebot der Telekom zu teuer ist.

Fazit: das ist nichts für mich.


Am Lumen gibt es auch noch ein Lumen-eigenes WLAN. Alternativ habe ich mich mal das Tablet mit diesem verbunden (siehe Bild 1), und bin dann bis zur Anmeldemaske (siehe Bild 2) gekommen:


Man kann sich mit seinem Facebook-Konto anmelden, sofern man ein solches Konto hat (Bild 2), alternativ kann man sich mit einer Mailadresse anmelden (Bild 3). Ob das alles so gut ist?

Bewertung: wer ein Facebook-Konto hat, kann dies nutzen. Oder seine Mailadresse ans Lumen geben.

Fazit: da ich nicht auf Facebook angemeldet bin, ist dieses Angebot nix für mich. Und über meine Mailadresse erhalte ich schon genügend Werbung.


Vor der Kirche

Neben der Telekom gibt es noch weitere Firmen, die WLAN-Netze betreiben, und dazu gehört Unitymedia. Und so gehe ich mal zur Bonifatiuskirche in der Luisenstrasse und setze mich dort auf die Stufen. So sieht das WLAN-Angebot von Unitymedia aus:


In der Übersicht über die an diesem Ort verfügbaren WLAN-Netze habe ich dass Netz von Unitymedia ausgewählt (siehe Bild 1) und danach den Browser gestartet. Präsentiert wurde mir ein Anmeldebildschirm (siehe Bild 2) mit der Aufforderung, eine SMS an die angegebene Telefonnummer zu schicken. Und damit begannen die Probleme: mein Tablet hat kein Telefon-Modul, somit kann ich mit diesem Tablet weder telefonieren noch eine SMS verschicken. Also nehme ich mein Smartphone und schicke damit die SMS an die angegebene Nummer. Innerhalb weniger Sekunden erhalte ich zwei SMSe, eine mit dem Passwort und eine mit der Adresse der Internetseite, die ich als nächstes aufsuchen solle (siehe Bild 3)5). Damit endete dieser Versuch, denn ich werde die angegenbee Internetadresse nicht vom Smartphone in meinen Kopf und danach von meinem Kopf aufs Tablet übertragen, um für mein Tablet einen Zugang zu erhalten. Also gibt es hier auf den Stufen vor der Kirche kein Internet für mich über das Angebot von Unitymedia.6)

Bewertung: naja.

Fazit: für mich nicht nutzbar.


Auf einen Cappuccino

Das war Frust. Darauf musste ich mir einen Cappuccino gönnen und bin in die Maurgasse gegangen, ins Paninoteca. Analog zum Lumen gibt es auch hier ein WLAN. Und so sieht das aus:

Von der freundlichen Bedienung erfuhr ich dann den Schlüssel, den ich in das entsprechende Fenster eintrug (Bild 2). Und schon konnte ich ins Internet gehen.

Bewertung: man muß nachfragen

Fazit: gut.



In der Kirchgasse

Für einen letzten Versuch in meiner kleinen Versuchsreihe gehe ich in die Kirchgasse zwischen C&A und Luisenforum, dort soll sich ein WLAN-Hotspot der Freifunker befinden. Also setze ich mich dort auf die Bank, klappe das Tablet auf und inspiziere die Liste der verfügbaren WLANs (siehe Bild 1). Siehe da, Freifunk gibt es und somit habe ich das Tablet sich mit diesem Netz verbinden lassen. Jetzt konnte ich den Browser starten und mich ins Internet begeben. Das war's, mehr musste ich nicht tun.


Und weil das so einfach war gibt es hier auch nur zwei Bilder.

Freifunk ist ein von Bürgern organisiertes und verwaltetes Netz, das ohne kommerzielle Interessen betrieben wird. Auf der angegebenen Internetseite stellt sich die Wiesbadener Gruppe vor7). Und hier finden Sie den von mir aufgesuchten WLAN-Knoten in der Kirchgase. Auf der Karte sieht man auch, wieviele Personen diesen Knoten aktuell nutzen.

Bewertung: bestes Angebot, funktionierende Technik, vorbildliche Bedienung

Fazit: so soll es sein


Zusammenfassung

Zum Abschluß eine kurze Bewertung der getesteten WLANs:
  • Rathaus: hier handelt es sich offensichtlich um den ersten Versuch, ein WLAN anzubieten. Man sollte deshalb Nachsicht walten lassen
  • Telekom: es war schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben. Oder es bezahlt die Firma
  • Lumen: wer ein Konto bei Facebook hat kann es ja nutzen
  • Unitymedia: man kann ja nicht sagen, daß es nicht geht, denn das WLAN ist ja vorhanden, aber ...
  • Paninoteca: man fragt die freundliche Bedienung
  • Freifunk: so sollte ein WLAN-Angebot aussehen

Im Sinne des eingangs zitierten Antrages sollte die Stadt bzw. die politischen Parteien dieser Stadt den Freifunkern den Auftrag erteilen, an möglichst vielen Orten ihr WLAN-Netz aufzubauen. Und dazu sollte die Stadt auch Geld bereitstellen, denn kostengünstiger und gleichzeitig benutzerfreundlicher wird dies kein Unternehmen in Wiesbaden machen wollen oder können.

Die Einrichtung des öffentlichen WLANs am Rathaus kostete 8.000€ für die Installation und pro Jahr 2.400€ für den Betrieb8). Ich denke, die Freifunker hätten für den gleichen Betrag mehrere Hotspots aufgebaut, die auch noch besser nutzbar wären. Und aus diesem Grund wird der Knoten der Freifunker in der Kirchgasse intensiver genutzt als das Angebot des Rathauses.




Anmerkungen:
1) hier findet Sie eine solche Übersicht: wlanmap.com; es gibt aber noch weitere Seiten mit solchen Übersichten
2) hier finden Sie eine Übersicht über weitere Hotspots dieses Unternehmens.
3) die Details finden Sie hier: HotSpot Pass
4) hier finden Sie weitere HotSpots der Telekom.
5) das an mich per SMS gesandte Passwort habe ich unkenntlich gemacht, denn nach $ 202c steht die Weitergabe eines solchen Passwortes unter Strafe.
6) auch hier gibt es eine Übersichtskarte von Unitymedia: WifiSpots
7) und hier können Sie sich ansehen, was die Freifunker so können.
8) die Zahlen finden Sie in diesem Artikel des Wiesbadener Kurier

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Open Source

LibreOffice hatte ich ja schon vorgestellt, und zwar u.a. hier LibreOffice und hier Sparen. Und ich hatte vorgeschlagen, daß sich die politischen Parteien in dieser Stadt damit beschäftigen sollten.

LibreOffice fällt in die Kategorie Open Source, und zu diesem Begriff möchte ich hier einiges schreiben und Beispiele für solche Projekte angeben. Und unweigerlich werde ich dabei am Ende zum Thema Auto kommen, man vergleicht ja gerne die IT mit Autos.

Der Begriff Open Source steht für offene Quellen. Bei Software bedeutet dies, daß man sich das Programm (=die Quelle) holen und anschauen kann, ohne dafür eine Genehmigung oder sonst irgendetwas einholen zu müssen. Und natürlich kann man diese Quellen auch ändern, wenn man dies will. Ich erschrecke Sie mal: am Beispiel LibreOffice sehen die Quellen so aus (ist nur ein kleiner Ausschnitt):
Quelle: http://opengrok.libreoffice.org/xref/core/onlineupdate/source/libmar/tool/mar.c#122
      1 /* -*- Mode: C++; tab-width: 2; indent-tabs-mode: nil; c-basic-offset: 2 -*- */
      2 /* vim:set ts=2 sw=2 sts=2 et cindent: */
      3 /* This Source Code Form is subject to the terms of the Mozilla Public
      4  * License, v. 2.0. If a copy of the MPL was not distributed with this
      5  * file, You can obtain one at http://mozilla.org/MPL/2.0/. */
      6 
      7 #include <stdio.h>
      8 #include <stdlib.h>
      9 #include <string.h>
     10 #include "mar.h"
     11 #include "mar_cmdline.h"
     12 
     13 #ifdef WNT
     14 #include <windows.h>
     15 #include <direct.h>
     16 #define chdir _chdir
     17 #else
     18 #include <unistd.h>
     19 #endif
     20 
     21 #define MOZ_APP_VERSION "5" /* Dummy value; replace or remove in the
     22                                future */
     23 #define MAR_CHANNEL_ID "LOOnlineUpdater" /* Dummy value; replace or
     24                                             remove in the future */
     25 
     26 #if !defined(NO_SIGN_VERIFY) && (!defined(WNT) || defined(MAR_NSS))
     27 #include "cert.h"
     28 #include "pk11pub.h"
     29 int NSSInitCryptoContext(const char *NSSConfigDir);
     30 #endif
     31 
     32 int mar_repackage_and_sign(const char *NSSConfigDir,
     33                            const char * const *certNames,
     34                            uint32_t certCount,
     35                            const char *src,
     36                            const char * dest);
     37 
     38 static void print_version(void) {
     39   printf("Version: %s\n", MOZ_APP_VERSION);
     40   printf("Default Channel ID: %s\n", MAR_CHANNEL_ID);
     41 }
     42 
     43 static void print_usage(void) {
     44   printf("usage:\n");
     45   printf("Create a MAR file:\n");
     46   printf("  mar [-H MARChannelID] [-V ProductVersion] [-C workingDir] "
     47          "-c archive.mar [files...]\n");
     48 
     49   printf("Extract a MAR file:\n");
     50   printf("  mar [-C workingDir] -x archive.mar\n");
     51 #ifndef NO_SIGN_VERIFY
     52   printf("Sign a MAR file:\n");
     53   printf("  mar [-C workingDir] -d NSSConfigDir -n certname -s "
     54          "archive.mar out_signed_archive.mar\n");
     55 
     56   printf("Strip a MAR signature:\n");
     57   printf("  mar [-C workingDir] -r "
     58          "signed_input_archive.mar output_archive.mar\n");
     59 
     60   printf("Extract a MAR signature:\n");
     61   printf("  mar [-C workingDir] -n(i) -X "
     62          "signed_input_archive.mar base_64_encoded_signature_file\n");
     63 
     64   printf("Import a MAR signature:\n");
     65   printf("  mar [-C workingDir] -n(i) -I "
     66          "signed_input_archive.mar base_64_encoded_signature_file "
     67          "changed_signed_output.mar\n");
     68   printf("(i) is the index of the certificate to extract\n");
     69 #if defined(MACOSX) || (defined(WNT) && !defined(MAR_NSS))
     70   printf("Verify a MAR file:\n");
     71   printf("  mar [-C workingDir] -D DERFilePath -v signed_archive.mar\n");
     72   printf("At most %d signature certificate DER files are specified by "
     73          "-D0 DERFilePath1 -D1 DERFilePath2, ...\n", MAX_SIGNATURES);
     74 #else
     75   printf("Verify a MAR file:\n");
     76   printf("  mar [-C workingDir] -d NSSConfigDir -n certname "
     77          "-v signed_archive.mar\n");
     78   printf("At most %d signature certificate names are specified by "
     79          "-n0 certName -n1 certName2, ...\n", MAX_SIGNATURES);
     80 #endif
     81   printf("At most %d verification certificate names are specified by "
     82          "-n0 certName -n1 certName2, ...\n", MAX_SIGNATURES);
     83 #endif
     84   printf("Print information on a MAR file:\n");
     85   printf("  mar -t archive.mar\n");
     86 
     87   printf("Print detailed information on a MAR file including signatures:\n");
     88   printf("  mar -T archive.mar\n");
     89 
     90   printf("Refresh the product information block of a MAR file:\n");
     91   printf("  mar [-H MARChannelID] [-V ProductVersion] [-C workingDir] "
     92          "-i unsigned_archive_to_refresh.mar\n");
     93 
     94   printf("Print executable version:\n");
     95   printf("  mar --version\n");
     96   printf("This program does not handle unicode file paths properly\n");
     97 }
     98 
Sie finden, daß dies verrückt aussieht? Da stimme ich Ihnen zu. Es erfordert etliche Monate Einarbeitungszeit, bis man ein Programm mit dem Umfang von LibreOffice versteht. Aber das müssen Sie ja nicht machen. Es ist jedoch ein Zeichen des Vertrauens, daß die Entwickler des Programms jedermann in das Programm hineinsehen lassen und zwar jederzeit und ohne eine Genehmigung. So werden Fehler leichter gefunden und es ist schwierig, in diesem Programmcode Schweinereien1) zu verstecken. Das Gegenstück zu Open Source ist die geschlossene Software, sogenannte proprietäre Software. Dort werden die Quellen eines Programms als Firmengeheimnis betrachtet und die Weitergabe dieser Quellen ist eine strafbare Handlung. MS Office ist ein solches Produkt, und dort sehen die Quellen des Programms vermutlich ähnlich wie im Kasten dargestellt aus, aber da ist der Programmcode geheim und somit kann kein Externer reinschauen.

Open Source-Projekte leben von der Beteiligung von Freiwilligen, aber nicht nur von diesen, es gibt auch Projekte, in denen die Entwickler für diese Arbeit bezahlt werden und dies hauptberuflich machen. Ich will in diesem Text einige Beispiele für Projekte au dem Bereich Open Source geben, nicht nur solche aus dem Software-Bereich. Und meine Aussage lautet: Open Source ist keine Spielwiese von ein paar Bastlern und Programmierern, abwertend Nerds genannt. Open Source hat eine wirtschaftliche Bedeutung. Mit meinen Beispielen will ich zeigen, welche Bedeutung diese Open Source-Projekte haben. Und ich fange mal mit einem Projekt an, das nichts mit Software und Programmieren zu tun hat2).

Beispiel 1: Wikipedia

Die Wikipedia kennen Sie sicherlich, falls nicht, schauen Sie sich das doch mal an. Eine Enzyklopädie des Wissens, wie man es früher im Bücherregal stehen hatte. Nun, an der Wikipedia fehlt die Goldprägung und der feine Einband, aber dafür ist diese Enzyklopädie kostenlos nutzbar und auch aktueller, da die Texte auf einem Computer liegen und leichter geändert werden kann als ein Buch im Bücherregal. Und damit komme ich zu einem Vorteil und einem Nachteil dieses Projekts.

Vorteil: die Texte können leicht geändert werden, und zwar von jeder beliebigen Person. Sofern Sie Wissen auf einem bestimmten Gebiet haben und Sie dieses Gebiet nicht in der Wikipedia finden, dann schreiben Sie doch bitte Ihr Wissen in einen entsprechenden Artikel und tragen diesen in der Wikipedia ein.

Nachteil: die Texte können leicht geändert werden. Also wenn Sie dort einen Artikel eingestellt haben und jemand ist mit Ihrer Meinung nicht einverstanden, dann kann dieser jemand hingehen und Ihren Artikel ändern. Das kann eine Verbesserung sein, aber auch eine Verschlechterung. Das kann aber auch Vandalismus sein, manchen Menschen machen solche Sachen ja Spaß3). Und es gibt Firmen, die als Dienstleistung anbieten, die Einträge in Wikipedia 4) zu überprüfen und im Sinne des Auftraggebers zu korrigieren.

Positiv ist zu vermerken, daß diese Enzyklopädie sehr viele Themen aufgreift und vernünftig darstellt, auch wenn es Negativbeispiele gibt (glücklicherweise nicht so viele). Und bei der Wikipedia kann man sich die Inhalte in Teilen oder komplett herunterladen; und da dies über 3GB an Daten sind kann dies etwas dauern, je nach Leistungsfähigkeit Ihres Internetanschlusses.

Beispiel 2: Apache

Jetzt wechsel ich mal zum Thema Software: Apache ist ein Stück Software, ein Webserver, der als Open Source-Projekt entwickelt wird. Dieses Produkt Apache sagt Ihnen vermutlich nichts, aber Sie sind damit schon in Berührung gekommen. Wenn Sie in Ihrem Browser (also Internet Explorer, Firefox, Chrome, Safari, ...) eine Zeile der Form eingeben: www.zdf.de, dann landen Sie auf irgendeinem Weg bei einem Server, der vom ZDF mit Inhalten gefüllt wird. Genauer landen Sie bei einem Stück Software, das Ihre Anfrage entgegennimmt und die Antwort zusammenstellt, um sie an Sie zurückzusenden. Und beim ZDF ist dies die Software Apache (bei ARD übrigens genauso, bei vielen Firmen ist das so).

Neben Apache gibt es noch weitere Programme mit ähnlichem Leistungsumfang, aber wie wichtig ist speziell dieses Programm Apache? Antwort: sehr wichtig! Man kann Firmen, die die Verteilung von einzelnen Produkten in Märkten bestimmen, nach den Marktanteilen der einzelnen Produkte befragen. Jede Firma ermittelt zwar eine andere Zahl5), aber der Anteil von Apache an den Webservern liegt bei allen diesen Firmen zwishen 50% und 60%. Alle anderen Produkte teilen sich den Rest von 40% bis 50%. Und Microsoft? Microsoft besitzt ebenfalls ein entsprechendes Produkt, das an 3. Stelle der Marktanteile steht, aber beständig abnimmt.

Und den Programmcode von Apache können Sie herunterladen und auf Ihrem PC dann einsehen.


Halbzeit meiner Erläuterungen und somit Zeit für eine Zigarettenpause, die gibt es auch für Nichtraucher. Und zur Untermalung der Pause verlinke ich mal auf ein Stück Musik: Apache. Das Stück hat aber nur zufällig den gleichen Namen.


Weiter geht es mit dem nächsten Projekt.

Beispiel 3: OpenStreetMap

Ich wechsle wieder den Bereich und präsentiere ein Beispiel, das nichts mit Software-Entwicklung zu tun hat: OpenStreetMap. Hier finden Sie Karten von fast jedem Winkel dieser Erde zur freien Verwendung. Und wenn Sie für Ihr Navi neue Karten brauchen und sich über die Preise für das Update ärgern, dann achten Sie bei Ihrem nächsten Navi doch mal darauf, daß dieses Navi die Karten von OpenStreetMap verwendet, die gibt es nämlich kostenlos6). Sollten Sie sich über die Informationen in dieser Karte ärgern bzw. die dargestellten Informationen nach Ihrer Meinung falsch sein, dann beteiligen Sie sich doch an diesem Projekt, denn OpenStreetMap lebt von der Beteiligung der Bürger an der Erfassung der Informationen, die zu dieser Karte führen.

Und auch die Daten von OpenStreetMap können Sie herunterladen und einsehen: downloading data. Die Datenmenge ist aber grösser als bei Wikipedia.

Beispiel 4: Linux

Für das nächste Beispiel wechsle ich wieder zurück in den Bereich Software und präsentiere Ihnen Linux. Linux ist ein Betriebssystem, also ein Stück Software, das einen Computer verwaltet. Dazu könnte ich so viel schreiben, da mache ich mal einen eigenen Beitrag dazu. Und diesen Text hier erstelle ich auch unter Linux7).

Linux lebt auch vom Mitmachen vieler und hat somit den Ruf einer Bastler-Software. Das ist vielleicht vor 20 Jahren mal so gewesen, schon lange arbeiten Profis daran. Eine Mitarbeit an diesem Projekt ist möglich, aber da müssen Sie schon gestandener Software-Entwickler sein, um dort mithalten zu können. Das trau ich mir nicht zu. Ich zeige mal zwei Beispiele für den Einsatz von Linux:
Und für alle Computer zwischen diesen beiden genannten Extremen gibt es das Betriebssystem Linux.

Hier können Sie den Programmcode des Linux-Kerns herunterladen.


Wirtschaftliche Bedeutung

Open Source hat eine immense wirtschaftliche Bedeutung, die nur geschätzt werden kann und mehrere Milliarden US-$ groß sein dürfte. Glauben Sie nicht? In den USA gibt es ein Unternehmen mit Namen Red Hat, das sein Geld mit Software aus dem Bereich Open Source verdient und damit im laufenden Geschäftsjahr einen Umsatz von 2 Milliarden US-$ überschreiten dürfte.8). Und das ist nur ein Unternehmen, das sein Geld mit Open Source verdient.

Produkte aus dem Bereich Open Source werden in vielen Firmen eingesetzt, u.a. bei der Deutschen Bahn, die in grossem Umfang Linux einsetzt. Ein weiteres Unternehmen ist Daimler, das in seinen Automobilen viele Produkte aus dem Bereich Open Source verwendet. Bei Produkten aus diesem Bereich muß vielfach angegeben werden, wenn sie von einem Unternehmen verwendet werden. Und so hat das Unternehmen Daimler für die Autos der Marke Mercedes eine Liste der verwendeten Produkte aus dem Open Source-Bereich veröffentlicht: Lizenzen zu Open Source-Produkten. Bitte beachten Sie, daß diese Liste einen Umfang von ca. 350 Seiten hat.

Mercedes macht Werbung für ihre Autos mit dem Satz "das beste oder nichts" und verwendet in ihren Produkten sehr viele Komponenten aus dem Bereich Open Source, diese können also nicht schlecht sein.


Nachtrag9)

Die Stadt Wiesbaden verwendet einige hier erwähnte Produkte aus dem Bereich Open Source. Sieht man sich einmal diese Seite www.wiesbaden.de an, so stellt man fest:
  • es handelt sich um einen Computer, der Linux als Betriebssystem verwendet
  • die Version von Linux heisst CentOS10), sie baut auf einer entsprechenden Version der Firma RedHat auf
  • als Webserver dient Apache
Sie sehen, einige der hier in diesem Text beschriebenen Produkte haben bereits ihren Weg nach Wiesbaden gefunden.



Anmerkungen:
1) Sie können sich unter Schweinereien im Bereich Software nichts vorstellen? Nun, ich könnte mit solch einem Stück Software Ihre Passwörter bei der Eingabe mitschreiben und ganz heimlich an einen Server im Ausland senden. Ja, sowas geht. Bei proprietärer Software ist dies extrem schwierig zu finden, bei Software aus dem Bereich Open Source findet man so etwas leichter. Auch au diesem Grund empfehle ich Open Source.
2) so ganz stimmt dies natürlich nicht, denn auch solche Projekte benötigen Software zur Verwaltung der Inhalte, zur Suche nach Schlagworten etc. Aber im beschriebenen Beispiel ist der Inhalt natürlich von grösserem Interesse.
3) der nicht ganz unbekannte Herr zu Guttenberg hat von seinen Eltern eine lange Liste von Vornamen erhalten. Irgendein Scherzkeks hat in diese Liste einen weiteren Vornamen eingefügt, was längere Zeit nicht auffiel. Da Wikipedia quelloffen ist kann halt jeder einen Text ändern, auch solch ein Scherzkeks; ich würde diese Tat als Vandalismus bezeichnen. Irgendwann fiel dies mal auf und wurde dann geändert.
4) und bei Facebook und bei Google+ und .....
damit der Auftraggeber in möglichst gutem Licht erscheint
5) die Marktanteile der verschiedenen Webserver finden Sie über diese Suche
6) das Navi in meinem Smartphone verwendet Karten von OpenStreetMap, ebenfalls das Navi für mein Fahrrad.
7) bei mir hier ist dies aktuell Ubuntu 14.04
8) Umsatz Red Hat:
2013 1,33 Mrd. US-$
2014 1,55 Mrd. US-$
2015 1,79 Mrd. US-$
2016 (geschätzt) >2 Mrd. US-$
Red Hat zählt das Geschäftsjahr bis zum Februar eines Jahres, das Geschäftsjahr 2016 endet somit im Februar 2016.
9) eingefügt am 9. Nobember 2015
10) hier findet man eine Beschreibung dieser Linux-Distribution: Wikipedia-Artikel zu CentOS, und hier finden Sie die Seite des Projekts CentOS

Sonntag, 18. Oktober 2015

Sparen mit LibreOffice

in der Stadt wird aktuell viel diskutiert über Einsparungen im Haushalt der Stadt Wiesbaden. Hier habe ich einen Ausschnitt aus dem Haushaltsplan der Stadt Wiesbaden für 2014 und 2015:

Quelle: https://www.wiesbaden.de/medien-zentral/dok/wirtschaft/Haushaltsplan_2014_2015__Endstand_13.05.2014_.pdf

Für den Haushalt 2016/17 sollen ca. 4.3% der angemeldeten Ausgaben eingespart werden. Klingt einfach, aber die Sache hat einen Haken:
Arno Goßmann: 85 Prozent der Kosten sind nicht oder kaum beeinflussbar.

Quelle: http://www.fr-online.de/wiesbaden/interview-arno-gossmann--es-gibt-keinen-kahlschlag-,1472860,31359644.html
Ein Großteil der Ausgaben der Stadt sind durch Gesetze des Bundes festgelegt, also von einer Kommune nicht änderbar. Somit müssen in den verbliebenen vielleicht 30% bis 40% des Haushalte diese 4,3% eingespart werden. Vereinfacht dargestellt und in Zahlen gefasst: bei einem Haushalt von ca. 1 Milliarde Euro pro Jahr sind vielleicht 300 bis 400 Millionen € durch das Rathaus beeinflussbar. Und davon sollen jetzt 40 bis 45 Millionen € eingespart werden. So klingt die Aufgabe schon etwas anders, nämlich härter.


Vorschlag

Ich möchte da mal einen Vorschlag machen: die Stadtverwaltung Wiesbaden wechselt von Microsoft Office auf LibreOffice1).

Und diesen Vorschlag möchte ich auch begründen und mich hier in dieser Begründung auf den kaufmännischen Aspekt des Umstiegs auf LibreOffice beziehen. Dies ist eine Einengung der Sichtweise, aber das will ich in diesem Beitrag so machen.


Kosten

LibreOffice ist kostenlos, bei einem Einsatz von Microsoft Office kostet jede Lizenz Geld.


Analyse der Kosten

Die Kosten einer Software und insbesondere die Kosten des Austauschs einer Software will ich ein wenig darstellen. Die Kosten einer Software fangen mit der Anschaffung an, aber das sind nicht die einzigen Kosten dieser Software, sonst könnte ich hier bereits aufhören. Sorry, so einfach ist es nicht.

In die nachfolgenden Zahlen gehen etliche Annahmen mit ein, die auf Schätzungen von mir beruhen. Ich hoffe, gut geschätzt zu haben. Ich werde, sofern mir die Schätzung bewusst ist, einen Hinweis darauf geben. Also fang ich mal an.


a) Anschaffung

In der Stadtverwaltung Wiesbaden werden ca. 3.000 PCs eingesetzt2). Diese werden nach etwa 5 Jahren ersetzt2). Da macht also etwa 600 PCs, die im Zeitraum eines Jahres neu gekauft werden.

An diesen Kosten kann ich nichts ändern, zumindest nicht mit diesem Vorschlag. Also lass ich die Kosten für die Anschaffung der Hardware einfach mal weg. Aber für die Software gilt, daß ein PC, der mit Microsoft Office ausgestattet wird, zu den Kosten der Hardware noch Kosten von ca. 100€2) für die Lizenz von Microsoft Office verursacht. Wie bereits geschrieben erhält man LibreOffice kostenfrei. Bei einer Anzahl von 600 PCs pro Jahr und unter der Annahme, daß jeder PC mit einem Office-Programm ausgestattet wird, ergeben sich somit Kosten von ca. 60.000€ pro Jahr bei Verwendung von Microsoft Office.


b) Support

Software verursacht Fragen, und zwar beim täglichen Einsatz. Das können unterschiedlich viele Fragen sein, auch unterschiedlich schwere Fragen, zusammenfassend sage ich, daß es einen Support geben muß, der natürlich Kosten verursacht, denn die Mitarbeiter, die diese Fragen beantworten, kosten ja auch Geld. Natürlich kann man mit dieser Aufgabe eine externe Firma beauftragen, aber die will dafür Geld. Zu den Kosten des Supports von Microsoft Office sind mir keine Zahlen aus der Stadtverwaltung bekannt und ich kann auch nichts schätzen. Interessant für meinen Vorstoß sind auch nicht die absoluten Kosten, denn durch einen Wechsel werden diese Kosten nicht auf Null fallen, oder kennen Sie ein Programm, zu dem es nicht gelegentlich mal eine Frage gibt? Also ich nicht. Interessant ist eigentlich nur die Veränderung der Kosten, wenn man ein Programm gegen ein anderes tauscht. Und jetzt wird es heiß: die eine Seite wird diese Kosten hochrechnen, die andere Seite runterrechnen, da spielen viele Interessen mit hinein. Mir liegen keine Informationen vor; die Stadt München sollte da Zahlen haben, dort müsste man nachfragen. Ich geh in diesem Text mal davon aus, daß diese Kosten gleich bleiben.


c) Schulung

Der Wechsel eines Programms verursacht Kosten. Alles ändert sich, zumindest fast alles, denn jetzt hat man ein neues Programm eines anderen Herstellers. Tastenkombinationen für einzelne Tätigkeiten ändern sich und müssen gefunden, ausprobiert und ins Gedächtnis übernommen werden. Und die Menüstruktur ändert sich, alles findet man jetzt an anderer Stelle und, noch schlimmer, vielleicht auch unter einem anderen Namen oder, ganz schlimm, man findet es gar nicht. Normalerweise lernt man dies selbst, durch ausprobieren, oder man fragt jemanden (siehe das Thema Support), aber bei großen Organisationen als auch bei einer großen Anzahl an Änderungen benötigt man eine Schulung. Und die kostet Geld.

Der Umstieg von Microsoft Office auf LibreOffice erfordert eine Schulung der Mitarbeiter und diese Schulung kostet Geld.

Richtig, aber dies ist nicht die ganze Wahrheit. Auch wenn man bei Microsoft Office bleibt, fallen Kosten für Schulungen an. So etwa nach 3 Jahren kommt eine neue Version von Microsoft Office heraus und somit wird ein Umstieg auf die neue Version fällig, der natürlich Kosten verursacht3). Irgendjemand ausserhalb der Stadtverwaltung kauft das neue Programm, schreibt damit seinen Text und versendet diesen an einen Empfänger innerhalb der Stadtverwaltung, und dieser Empfänger kann den Text nicht öffnen und lesen, so wie ich dies hier beschrieben habe. Und dann muß man nachziehen, d.h. irgendwann doch auf die neue Version umsteigen. Diese Branche läuft so. Sie können auf der Wikipedia-Seite Microsoft Office sich die Entwicklungsgeschichte dieses Programms ansehen und sich ausrechnen, wie häufig neue Versionen erschienen sind und wiviel Geld in der Vergangenheit in die notwendigen Wechsel auf die jeweils neuere Version geflossen sind.

Software ändert sich bzw. wird weiter entwickelt, dies gilt auch für LibreOffice. Aber die neue Version von LibreOffice ist kostenfrei, und wichtig ist eigentlich das Format, in dem die Daten gespeichert werden. Wenn es eine neue Version von LibreOffice gibt, kann man sich diese ansehen und entscheiden, ob die neuen Features so wichtig oder interessant sind, daß man wechseln sollte oder müsste. Und natürlich kann man seinen Text auch in einem älteren Version des Datenformats von LibreOffice speichern und somit den Zeitpunkt hinauzögern, zu dem man auf die neue Version wechselt.

Und die Sache mit den Tastenkombinationen aus MS Office ist kein Problem, da man in LibreOffice die Tastenbelegung frei wählen kann. Somit kann man seine gewohnten Kombinationen verwenden, das muß man einmal in LibreOffice einstellen4).


d) Anpassungen

Niemand schreibt einfach so einen Text, z.B. einen Brief. Im Lauf der Zeit hat man einen Satz von Vorlagen, die man einmal erstellt hat und danach erneut und mehrfach verwendet und darin nur bestimmte Teile ändert. In grossen Organisationen ist die Verwendung solcher Vorlagen5) sogar vorgeschrieben.

Bei einem Umstieg von Microsoft Office auf LibreOffice muß man diese Vorlagen anpassen, möglicherweise. Dies kostet Arbeitszeit und somit Geld, natürlich. Wieviel? Das kann ich Ihnen nicht sagen, da ich Ihre Vorlagen nicht kenne. Es hängt ab von der Anzahl an Vorlagen, die Sie verwenden, und natürlich von der Komplexität der Vorlagen.

Sollte man somit bei Microsoft Office bleiben? Naja, beim Wechsel auf eine neue Version von MS Office passiert Ihnen das auch, und dies ist in der Vergangenheit bereits vorgekommen Da sage ich mal: unentschieden.


e) Makros

Makros sind eine schöne Eigenschaft dieser Programme, um Vorgänge zu automatisieren. Anstatt immer wieder die gleichen 10 Kommandos auf einen markierten Text anzuwenden, kann man diese Kommandos auch als Makro aufzeichnen lassen und ruft dann einfach dieses Makro auf, das automatisch alle hinterlegten Kommandos ausführt. So fängt es meisten an, aber dabei bleibt es nicht. Mit diesen Makros kann man auch Programme schreiben, die nicht nur aus der Abarbeitung einer Reihenfolge einzelner Kommandos bestehen.

Solche Makros können Sie nicht übernehmen, wenn Sie das Produkt wechseln. Dies ist ein klarer Nachteil.

Sollte man somit bei Microsoft Office bleiben? Naja, auch Microsoft hat die Makro-Sprache in einzelnen Komponenten geändert. Dies führte zu dem Effekt, daß bei einem Wechsel auf eine neue Version die vorhandenen Makros nicht mehr laufen, da diese Form von Makros nicht mehr unterstützt wurde. Beleg:
From its first version Excel supported end user programming of macros (automation of repetitive tasks) and user defined functions (extension of Excel's built-in function library). In early versions of Excel these programs were written in a macro language whose statements had formula syntax and resided in the cells of special purpose macro sheets (stored with file extension .XLM in Windows.) XLM was the default macro language for Excel through Excel 4.0. Beginning with version 5.0 Excel recorded macros in VBA by default but with version 5.0 XLM recording was still allowed as an option. After version 5.0 that option was discontinued. All versions of Excel, including Excel 2010 are capable of running an XLM macro, though Microsoft discourages their use.

Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Microsoft_Excel#Macro_programming
Es gab also in einem Programm aus dem Paket MS Office eine Sprache für Makros, die wegfiel und ersetzt wurde durch eine andere Sprache, die nicht kompatibel war. Somit mussten alle Makros umgestellt werden, d.h. neu entwickelt werden. Oder man hat den Umstieg auf die nächste Version von MS Office ausfallen lassen, sofern dies möglich war.
Und es gab Probleme beim Wechsel auf eine neue Version von MS Office, und zwar funktionierten Makros nicht mehr oder sie verhielten sich ein klein wenig anders, sie mussten also angefasst werden.

Ergebnis: es kommt drauf an.


f) AddOns

Dies sind Programme, die neue Funktionen zum Paket MS Office hinzufügen6). Diese Programme verwenden interne Funktionen aus dem Programm MS Office und sind somit abhängig von der verwendeten Version von Office, d.h. bei einem Wechsel müssen sie neu gesucht und installiert werden.

Hier muß man prüfen, ob in MS Office solche AddOns verwendet werden und das passende Gegenstück dazu für LibreOffice existiert. Falls es ein solches AddOn für LibreOffice nicht gibt, könnte es ein KO-Kriterium sein7). Man muß es sich einfach mal ansehen.

Häufig benötigt man die Ausgabe eines Dokuments im Format PDF, da dieses Format auf vielen Systemn angezeigt werden kann. So können Sie z.B. bei ESWE-Verkehr die Abfahrtszeiten der Busse an jeder Haltestelle im PDF-Format erhalten10), analog zum Aushang an dieser Haltestelle. LibreOffice kann PDF-Dateien erzeugen, und zwar schon lange8). Ältere Versionen von MS Office benötigten hierzu ein AddOn, das kostenpflichtig erworben werden musste, bei neueren Versionen ist es im Paket enthalten. Bei den älteren Versionen im Einsatz bei der Stadtverwaltung ist dieses AddOn bereits bezahlt, bei neueren Versionen fallen keine Kosten mehr an, somit ergibt sich hier kein Einsparungspotential (mehr),


g) Fremdsysteme

Ein besonderes AddOn stellen die Verbindungen zu Fremdsystemen dar, da sie meist zugekauft9) wurden. Auch hier kann man nur sagen, daß man sich dies ansehen muß.


h) vendor lock-in

Vieles von dem, was ich so geschrieben habe, klingt nach einer Beibehaltung der gegenwärtigen Software, also MS Office. Bloß nicht wechseln.....

Aber stellen Sie sich einmal vor, Ihr erstes Auto wäre ein VW-Käfer oder VW-Golf gewesen. Und seit dieser Zeit müssten Sie immer ein Auto von VW kaufen, denn der Umstieg auf ein Auto eines anderen Herstellers wäre einfach zu teuer. Würden Sie das akzeptieren?
In den Wirtschaftswissenschaften wird als Lock-in-Effekt (von engl. to lock in für „einschließen“ oder „einsperren“ und lat. effectus für „Wirkung“) oder Anbindeeffekt die Auswirkung bezeichnet, wenn eine Änderung der gegenwärtigen Lage durch hohe Wechselkosten unwirtschaftlich gemacht wird. Die Höhe der Wechselkosten bestimmt das Ausmaß des Lock-in-Effektes. Anbieter können so Kunden an sich binden, was auch als Werkzeug zur Kundenbindung verwendet (oder missbraucht) wird. Volkswirtschaftlich werden Lock-in-Effekte in der Regel als wohlfahrtsschädigend eingestuft.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Lock-in-Effekt
Möchten Sie so eingesperrt werden? Also ich denke, daß man dies bei einer Institution wie der Stadtverwaltung untersuchen sollte. Findet man eine solche Situation, dann muß man eine Lösung finden, wie man herauskommt. Und dies unabhängig davon, welche Software eingesetzt wird.


Kosten

Bisher habe ich noch keine Einsparungen aufgezeigt, denn mir fehlen da viele Informationen. Aber einen Punkt kann ich doch benennen: LibreOffice ist kostenlos und somit fallen die Anschaffungskosten weg. Und auch der Wechsel auf eine neue Version ist kostenlos, im Gegensatz zu Microsoft Office.

Lassen Sie mich mal rechnen: die PCs der Stadtverwaltung werden alle 5 Jahre ersetzt2), bei der Neuanschaffung der Software werden für jede Lizenz Microsoft Office 100€ fällig2). Daraus ergibt sich als einfache Rechnung: 600 PCs/pro Jahr multipliziert mit 100€ pro Lizenz Microsoft Office ergibt einen Wert von 60.000€, die pro Jahr bezahlt werden müssen und somit durch Verwendung von LibreOffice eingespart werden können. Und dies ist keine einmalige Einsparung sondern dieser Betrag wird jedes Jahr gespart.

Bei einem Wechsel auf die neueste Version von Microsoft Office fallen auch Kosten an. Normalerweise sind diese Upgrades billiger als die Neuanschaffung der Software, deshalb rechen ich hier mal mit 50€ pro PC2). Aber multipliziert man diese Zahl mit 3.000 PCs der Stadtverwaltung, so ergibt sich hier ein Betrag von 150.000€, den man einsparen kann.

Das sind Beträge, da könnte man schon mal nachdenken.


wechseln?

Soll man nun wechseln? Viele meiner Argumente klingen nach einem: bloß nicht anfassen. Ich habe mich halt vorsichtig ausgedrückt und auf Risiken und Nebenwirkungen hingewiesen, vielleicht war ich ich doch zu vorsichtig. Und ich will nicht das (Software-)Paradies auf Erden versprechen, das gibt es eh nicht. Aber ich bin weiterhin der Meinung, daß man von Microsoft Office zu LibreOffice wechseln sollte.

Neben dem finanziellen Aspekt gibt es weitere Argumente, die für einen Umstieg sprechen. Man ist nicht mehr abhängig von den Entscheidungen eines Konzerns aus den USA und somit nicht mehr abhängig von den finanziellen Planungen dieses Konzerns. Auch die Offenlegung des Programmcodes bei LibreOffice ist ein Pluspunkt, oder wissen Sie, was da alles so drin steckt in Microsoft Office? Nun muß und kann nicht jeder Anwender in diesen Programmcode reinschauen, aber mit der Offenlegung des Programmcodes haben etliche Leute die Chance, in diesen Programmcode reinzuschauen und somit gibt es Wissen zur Arbeitsweise von LibreOffice, und das hilft.

Also: wechseln!

Hier gibt es einen Vortrag zum Thema Einsatz von LibreOffice bei der Landeshauptstadt München. Sie sehen, eine solcher Wechsel ist machbar.


Schritte

Also schlage ich mal Schritte vor, wie man einen solchen Wechsel angehen könnte.

Es beginnt mit der Aufnahme der Ist-Situation, also:
  • wieviele Vorlagen gib tes? Wie komplex sind diese gestaltet? Lassen sie sich in LibreOffice übernehmen oder müssen sie angepasst oder sogar neu gebaut werden?
  • welche Erweiterungen zu Microsoft Office sind im Einsatz?
  • auf welche Fremdsysteme wird zugegriffen? Welche Fremdsysteme müssen mit Daten versorgt werden?
  • bei einem Vergleich der beiden Programme stellt man den Umfang der Unterschiede fest. Daraus ergibt sich: wie hoch ist der Schulungsaufwand
  • usw.

Das wird ein bissel Aufwand, ist aber nicht unmöglich. Und ich denke, die Stadtverwaltung sollte diesen Weg gehen.


Mitarbeiter der Verwaltung

Für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung hat diese Umstellung der Software einen angenehmen Nebeneffekt: die im Job eingesetzte Software können die Mitarbeiter auch auf ihrem privaten PC einsetzen. Einfach auf die Seite von LibreOffce gehen und einen Download und anschliessend eine Installation der Software machen, et voilà und alles, was man im Rahmen der Umstellung gelernt hat, lässt sich auch zu Hause anwenden. Und zwar legal.



Anmerkungen:
1) natürlich könnte ich auch den Vorschlag machen, daß die Stadtverwaltung auf ihren PCs das Betriebssystem Microsoft Windows ersetzt durch Linux. Dadurch könnte die Stadtverwaltung mehr Geld sparen, aber ich denke, daß ich damit die politischen Parteien und die Verwaltung überfordern würde. Also laß ich diese Forderung vorerst mal weg. Aber grundsätzlich bin schon dieser Meinung, so heisst ja auch dieser Blog.
2) dies ist eine Schätzung.
3) Anschaffung der neuen Version, Schulung, Anpassung der Vorlagen, Makros etc. ???
4) dazu finden Sie im Internet viele Anleitungen: ich habe hier mal Mr. Google befragt.
5) auch Templates genannt
6) ein Beispiel, ausserhalb von Office: bei meinem Firefox habe ich ein AddOn installiert, mit dem ich PDF-Dateien direkt anzeigen lassen kann.
7) hier wird es meistens lustig, denn jede Seite sucht jetzt Argumente, warum diese Funktion ungeheuer wichtig/völlig überflüssig ist.
8) siehe mein Post zum Thema Glühweinabend
9) gerne teuer, da nur vom Hersteller des Fremdsystems kaufbar, dafür aber gerne von bescheidener Qualität
10) und zwar hier: Haltestellenaushänge

Montag, 28. September 2015

Einsatz von LibreOffice

In einem früheren Post hatte ich vorgeschlagen, daß Sie von Microsoft Office zu LibreOffice wechseln. Mit diesem Wechsel sind Sie nicht allein, viele haben das schon gemacht, etliche Millionen haben das schon gemacht. Und ich will Ihnen ein paar Beispiele dafür nennen. Die Beispiele beziehen sich aber nicht auf Einzelpersonen sondern auf größere Institutionen.

Ich fange mal mit der Stadt München an.

München

In München wurde innerhalb der Stadtverwaltung der PC-Einsatz umgestellt, und zwar von von Microsoft Windows auf Linux. Dies war ein großes Projekt, da ca. 15.000 PCs betroffen waren und, was nicht verwundert, es war ein beachtlicher Kampf, der auch noch nicht entschieden ist, da wird immer noch heiß diskutiert. In solch großen Projekten spielen viele und große Interessen mit hinein. Hier finden Sie eine Darstellung dieses Projekts: LiMux.

Im Rahmen dieser Umstellung wurde auch der Wechsel von Microsoft Office auf LibreOffice vollzogen. Mit Stand Dezember 2013 sind ca. 15.000 PCs umgestellt worden auf Linux und vermutlich auch eine entsprechend große Zahl auf LibreOffice. Das geht also. Hier finden Sie weitere Informationen zum Stand in München: LiMux - Die IT-Evolution.

OpenOffice: in diesen Darstellungen finden Sie das Wort OpenOffice und (noch) nicht das Wort LibreOffice. Dies sind zwei sehr ähnliche Programme, die gemeinsame Wurzeln haben. Ursprünglich gab es nur das Programm OpenOffice, und das wird in München verwendet. Im September 2010 trennten sich jedoch die Wege1) und aus OpenOffice entstand als neuer Zweig LibreOffice, und auch in München wird man auf LibreOffice umsteigen. Ich verwende beide Worte nebenrinander, meine aber (fast) immer LibreOffice.

München ist sicherlich ein großes Projekt, aber auch andere Städte sind auf diesem Weg.

Schwäbisch Hall

Die Stadt Schwäbisch Hall hat schon vor München begonnen, ihre PCs und Server auf offene Systeme umzustellen. Stück für Stück wurden einzelne Programme durch Produkte aus dem Open Source-Umfeld ersetzt. So wurde der Vertrag mit Microsoft zum Einsatz von Microsoft Office gekündigt und diese Anwendung durch OpenOffice ersetzt.


Aber schauen wir doch mal über die Grenzen Deutschlands hinaus.

Südtirol

In Südtirol wurden alle öffentlichen Verwaltungsstellen umgestellt auf LibreOffice, das waren wohl über 7.000PCs. Ein Zitat:
[5.7.2013] Die Autonome Provinz Bozen Südtirol hat den Wechsel aller Verwaltungsstellen von MS Office auf die Open-Source-basierte Anwendung LibreOffice beschlossen.

Quelle: http://www.kommune21.de/meldung_16442_Verwaltung+wechselt+zu+Open+Source.html

Italien

Nein, nicht die komplette Staatsverwaltung, nur das Militär wird auf LibreOffice wechseln. Und dies betrifft dann 150.000 PCs, das ist ein sehr großes Projekt.

Frankreich

Auch die französische Regierung hat erklärt, daß in der Verwaltung bevorzugt Open Source einzusetzen sei. Dabei wird ausdrücklich auf LibreOffice verwiesen.

allgemein

Eine gute Übersicht über den Einsatz von u.a. LibreOffice bietet die Wikipedia: Open-Source-Software in öffentlichen Einrichtungen. Aus diesem Artikel möchte ich folgenden Satz zitieren:
Laut einer Umfrage der Universität Maastricht von 2005 arbeiteten 49 % aller öffentlichen Verwaltungen in Europa mit freier Software. Allerdings meist in kleinerem Umfang und teilweise, ohne sich darüber im Klaren zu sein.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Open-Source-Software_in_%C3%B6ffentlichen_Einrichtungen

Great Britain

Die britische Regierung hat nicht den Einsatz von LibreOffice empfohlen, aber sie hat Empfehlungen für ein Format ausgesprochen, in dem die Daten einer Office-Anwendung gespeichert bzw. übermittelt werden sollen: Britische Regierung veröffentlicht ODF-Richtlinien. Dies ist genau das Format, das LibreOffice zur Speicherung der Daten verwendet. Die britische Regierung schreibt also kein Programm vor, dafür aber ein Datenformat. Somit ist der Wettbewerb unter den Herstellern entsprechender Software eröffnet. Und man ist aus der Abhängigkeit von einem Hersteller herausgekommen.

Das waren nur ein paar Beispiele. Sie sehen, Sie sind nicht allein, wenn Sie zu LibreOffice wechseln.

Anmerkungen:
1) Entschuldigung, das will ich hier nicht weiter ausführen, das würde mich zu weit von meinem Thema weg führen. Falls Sie sich dafür interessieren, dann schauen Sie doch bitte in diesen Beitrag auf Wikipedia.