Freitag, 22. Mai 2026

Heidenmauer/Römertor


Das älteste erhaltene Bauwerk Wiesbadens ist die Heidenmauer, die vermutlich über 1.600 Jahre alt ist. Wie präsentiert die Stadt Wiesbaden einen solchen Schatz? In der digitalisierten Form präsentiert die Stadt Wiesbaden dieses Bauwerk so:


Das ist der Blick vom Parkhaus Coulinstrasse auf dieses Bauwerk. Von der anderen Seite sieht es so aus:


Das ist der Blick von der Webergasse/Saalgasse her kommend auf das Bauwerk.

Fehlen noch 2 Blickwinkel. Bitte sehr:


Das ist der Blick vom Schulberg. Von der Langgasse her wird das Bauwerk so präsentiert:


Zur Vollständigkeit fehlt nur noch der Blick von oben:


Alle bisher gezeigten Aufnahmen entstammen dem Digitalen Zwilling, den die Sadt Wiesbaden uns zur Verfügung stellt. Sie finden diese Darstellung der Stadt Wiesbaden in digitaler Form hier: Landeshauptstadt Wiesbaden - Digitaler Zwilling. Leider kann ich Ihnen keinen direkten Link zur Darstellung der Heidenmauer in diesem Zwilling angeben, da Ihnen die Seite diese Möglichkeit nicht bietet. Wie kommen Sie nun zu dieser Darstellung? Nun, auf dieser Seite gibt es eine Suchleiste, in der Sie bitte den Text "Heidenmauer" oder "Römertor" eingeben. Und bitte geben sie die Vorgaben ohne die Anführungszeichen ein. Dann werden Ihnen die entsprechenden Möglichkeiten angeboten. Bei Ihnen tut sich nichts? Dann verwenden Sie bitte die Suchen-Funktion rechts oben auf dieser Seite.

Die Stadt Wiesbaden präsentiert auf Ihrer Internetseite die Heidenmauer so:

Die "Heidenmauer" wurde lange Zeit als Teil einer Verteidigungsanlage angesehen. Neuere Interpretationen gehen hingegen davon aus, dass es sich um einen Teil eines römischen Aquäduktes aus dem dritten Jahrhundert nach Christus handelt, über das Wasser aus den Taunushöhen in die Stadt geleitet wurde.

Das Römertor wurde 1902 beim Straßendurchbruch der historischen Mauer als eine überdachte Holzbrücke errichtet.

Im Römischen Freilichtmuseum neben dem Römertor sind Kopien von in Wiesbaden gefundenen Steintafeln aus der Römerzeit ausgestellt.

Quelle: Heidenmauer mit Römertor

Dies ist der gesamt Text zu diesem Bauwerk auf der Seite der Stadt Wiesbaden. Deshalb bewerte dies als eine bescheidene Erläuterung. Wikipedia informiert Sie da besser:

Die Heidenmauer ist das bekannteste römische Denkmal in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden, dem römischen Aquae Mattiacorum. Sie wurde nach bisheriger Ansicht um 370 n. Chr. unter Kaiser Valentinian I. errichtet und ist damit das älteste erhaltene Bauwerk der Stadt.

Quelle: Heidenmauer (Wiesbaden).

Auf der Wikipedia-Seite finden Sie eine umfangreiche Darstellung, wovon ich nur die ersten Zeilen zitiert habe. Nun sind sie umfassend informiert, so daß ich Ihnen noch die Heidenmauer und das Römertor in der analogen Sicht zeigen möchte.

Vor Ort finden Sie eine Tafel mit einigen Informationen:


Aber nun zeige ich Ihnen das Bauwerk von der Seite des Parkhauses Coulinstrasse:


Und das ist der Blick von der Saalgasse/Webergasse her:


Sie sehen, das Bauwerk sieht doch ansprechend aus. Fragen Sie mich bitte nicht, warum die Stadt Wiesbaden das Bauwerk in ihrer Darstellung so vermurkst. Aber jeder halt so gut er kann.

Montag, 18. Mai 2026

Wiesbaden-Geschwindigkeit


PIWi ist eine Internetseite, auf der man Informationen zur Stadtpolitik in Wiesbaden finden kann. Also kein Klatsch, Tratsch, Geheimnisse, aber Termine von Sitzungen und die entsprechende Tagesordnung, Zusammensetzung der Gremien, gefasste Beschlüsse usw. Und an dieser Seite möchte ich Ihnen zeigen, wie der Stand der Digitalisierung in Wiesbaden ist. Das von mir gewählte Beispiel ist sicherlich nur ein kleiner Ausschnitt des grossen Schlagwortes Digitalisierung, aber man erkennt daran, wie der Stand ist.

Das sagt PIWi über sich:


Am 15. März fand die Kommunalwahl statt. Nun ist das Wahlverfahren nicht so einfach, weshalb die Auszählung einige Tage dauerte. Und für das Stadtparlament gab es einen Platz, der erst nach erneuter Auszählung vergeben werden konnte. Auch gab es einen Fall von Unstimmigkeiten bei der Auszählung der Wahlzettel für einen Ortsbeirat, weshalb dort ein Teil der Wahl wiederholt werden muß. Praktisch alle Ergebnisse lagen nach einigen Tagen vor. Sie könnten eigentlich in PIWi eingetragen werden. Eigentlich.

Die Stadt Wiesbaden hat eine eigene Internetseite zur Präsentation von Ankündigungen, Hinweisen, Tipps etc. Dort findet man seit etlichen Monaten einen Chatbot, Lily genannt. Es handelt sich hier um eine künstliche Intelligenz, der man Fragen stellen kann und die diese Fragen beantwortet. Also habe ich mal Lily gefragt, wie die Ergebnisse für den Ortsbeirat Erbenheim aussehen. Das war der Dialog:


Diese Frage habe ich am 28. April 2026 gestellt, also etwa 6 Wochen nach dem Wahltermin. Und Lily konnte mir darauf keine Antwort geben.

Dabei fand bereits am 14. April eine Sitzung dieses Ortsbeirates statt. Dort wurden Vorsitzender und Stellvertreter gewählt, und auch ein Beschluss gefasst. Was sagt PIWi dazu:


Dieses Bild habe ich an meinem Computer am 28. April aufgenommen, also etwa 14 Tage nach der Sitzung. D.h. die Sitzung fand statt und 14 Tage später kennt das Informationssystem der Stadt Wiesbaden immer noch nicht die Tagesordnung.

Zur Sitzung wurde eingeladen, per Mail oder Brief. Wir als normale Bürger finden im PIWi vor der Sitzung nichts dazu. Kennt PIWi die Mitglieder des Ortsbeirates? Schauen wir doch einfach mal in PIWi nach:


Das sind die laut PIWi bekannten Mitglieder des Ortsbeirates. Nun hat der Ortsbeirat Erbenheim 15 Mitglieder, davon sind PIWi aber nur 8 Mitglieder bekannt. Wie kann da eine Einladung erfolgen? Auch diese Hardcopy habe ich am 28. April gemacht. Da hat die Sitzung aber bereits stattgefunden, es wurden Wahlen durchgeführt und auch ein erster Beschluß wurde gefasst. Aber nicht laut PIWi.


Fazit

Den Begriff der Wiesbaden-Geschwindigkeit kennen Sie vielleicht. Mit diesem Wort beschreibt man die Geschwindigkeit, mit der Entscheidungen in der Wiesbaden Stadtpolitik getroffen und diese Entscheidungen umgesetzt werden. Die von mir genannten Beispiele sind Belege für diese Geschwindigkeit. Dies ist nur ein Beispiel dafür, denn es gibt viele Beispiele, wie in der Stadtpolitik Dinge bearbeitet werden, auch ausserhalb der Digitalisierung. Aber das Thema auf diesem Blog hier ist halt IT, weshalb ich hier ein Beispiel aus diesem Bereich nehme.

Am 30. April war PIWi dann aktuell, zumindest bis zu diesem Tag.

Man darf einfach nicht zuviel verlangen.


Nachtrag

Am 30. April war PIWi wieder aktuell. Heute haben wir ein ganz anderes Datum, und ich berichte erst jetzt über die Probleme. Ich habe also auch ein paar Tage gebraucht.....

Da habe ich mich wohl auch schon an diese Wiesbaden-Geschwindigkeit gewöhnt.

Mittwoch, 6. Mai 2026

Wo bleibt das Positive?


Immer wieder finden Sie Kritik hier auf dieser Seite, zuletzt am Digitalen Zwilling der Stadt Wiesbaden. Aber gibt es auch was Positives? Kann man einen solchen Digitalen Zwilling auch vernünftig bauen? Oder schreibe ich auf diesem Blog nur (möglichst) vernichtende Kritiken? Also habe ich mich umgesehen, wie andere Städte einen Digitalen Zwilling bauen. Und hier zeige ich Ihnen dies an 3 Beispielen.


Etteln

Dies ist eine kleine Gemeinde in Westfalen mit etwa 2.000 Einwohnern, Wikipedia hat einige Informationen zu diesem Ort: Etteln.

Folgende Nachricht führte mich zu diesem Ort:

Wer im Ortsteil Etteln der Gemeinde Borchen ein Auto braucht, bekommt es von der Gemeinde. Zumindest kann man sich dort einen siebensitzigen Elektrokleinbus leihen – kostenlos! Auch ein E-Lastenrad können sich die Einwohner gratis borgen. Buchbar sind die Fahrzeuge über die App des Dorfes. Diese dient auch als digitaler Marktplatz und Kommunikationsplattform. Außerdem profitieren die Ansässigen von einem Stromtarif, der immer 30 Prozent günstiger ist als der Preis für die Grundversorgung.

Quelle: Das digitalste Dorf der Welt liegt in Deutschland vom 18. September 2025 in Golem

Das digitalste Dorf der Welt? Der ganzen Welt? Und das in Deutschland? Wie kommt man zu dieser Aussage? Dazu gibt es folgende Beschreibungen:


Bei soviel Euphorie möchte ich doch noch eine zweite Meinung hören:


Es gibt auch eine eigene Internetseite dazu: Digitaler Dorf Zwilling Etteln.

Zum Projekt Digitaler Dorf Zwilling schreibt die Gemeinde:

Projektinhalte

In dem geförderten Projekt werden 5G-basierte Anwendungen aus dem städtischen Umfeld adaptiert und erfolgreich in ländliche Regionen übertragen. Auf einer Open Data Plattform werden alle digitalen Insellösungen zusammengeführt. In Verbindung mit einem virtuellen Modell des Dorfes Etteln entsteht ein digitaler Zwilling.

Mehr zum Projekt erfahren Sie unter www.didoz.de.

Projektziele

Ziele des Projektes sind die Verbesserung der Lebensqualität der Bürger:innen, die Steigerung der Attraktivität des Dorfes Etteln und die Reduzierung der kommunalen Kosten. Die Erfahrungen und Lösungen aus Etteln werden im ersten Schritt den anderen Ortsteilen der Gemeinde Borchen als Blaupause zur Verfügung gestellt. Weitere ländliche Regionen sollen bundesweit folgen.

Quelle: Digitaler Dorf Zwilling (DiDoZ) Etteln

Schauen wir uns den Digitalen Zwilling doch einmal an. Hier finden Sie diesen: Digitaler Zwilling der Gemeinde Etteln. Ah, der gleiche Anbieter, die gleiche Technik wie in Wiesbaden. Und man findet auch nach kurzem Suchen die gleichen Probleme wie in Wiesbaden.

Naja, wenn das das digitalste Dorf der Welt sein soll .....

Wobei diese Lösung nicht nur aus der Internetseite mit der Darstellung der Gemeinde besteht. Dazu gehört u.a. auch die Eigeninitiative bei der Verlegung von Glasfaser ("Leerrohre für Glasfaser verlegen? Machen wir nicht." lautete die Aussage bei entsprechenden Diskussionen in Wiesbaden. Immer.). WLAN im Ort, Batterie für die lokal erzeugte Strommenge, Sensoren für diverse Werte, die dann auch allgemein abrufbar sind, da kommt mehr dazu als nur ein Digitaler Zwilling. Damit ist Etteln schon ein Stück weit anderen Kommunen voraus.


Darmstadt

Auch Darmstadt hat einen Digitalen Zwilling, den Sie hier finden: Darmstadt 3D.

In der FAZ fand ich einen Bericht dazu:

DARMSTADT 3D-Modell mit allen Gebäuden

Die Stadt Darmstadt erschafft sich einen digitalen Zwilling. Der erste Schritt dazu ist schon getan, die Stadt hat ein Modell erstellen lassen, das im Internet abrufbar ist (https://3D.darmstadt.de). In Zukunft sollen dem Modell, nach Angaben der Verwaltung, noch weitere Informationen hinzugefügt werden, zum Beispiel Angaben zum Energieverbrauch und Klimadaten.

Quelle: Digital durch Darmstadt fliegen in der FAZ vom 9.12.2025 (Paywall)

Hier finden Sie diesen Zwilling: Darmstadt 3D. Und so schaut dies aus:


Das schaut doch schon mal gut aus. Und vergleichen Sie dieses Bild bitte mit den entsprechenden Bildern vom Biebricher Schloss im Wiesbadener Digitalen Zwilling, zu finden hier. Allerdings gibt es auch im Darmstädter Zwilling Bilder mit kaputten Häusern (sog. Artefakte), aber man muß sie ziemlich suchen. Im Wiesbadener Modell sind sie offensichtlich, im Darmstädter Modell müssen Sie genauer hinsehen.

Von Darmstadt gibt es jetzt ein aktuelles, volltexturiertes, dreidimensionales Stadtbild. Wie die hessische Kommune mitteilt, wurde Darmstadt 3D vom städtischen Vermessungsamt erstellt. Es basiere auf Luftaufnahmen, die im März 2025 angefertigt wurden sowie Laserscandaten aus dem Jahr 2019. Das maßstabsgetreue Modell bildet das gesamte Stadtgebiet in hoher Detailtiefe ab, heißt es von Seiten der Kommune. Es umfasst Gebäude samt Dachformen, Straßen, Bäume und Geländeformen sowie hochaufgelöste, ortsbezogene Luftbilder. Ergänzend ermöglichen Schrägluftaufnahmen aus allen Himmelsrichtungen einen Blick aus der Vogelperspektive. Der Zugriff erfolgt barrierefrei über gängige Webbrowser.

Quelle: Darmstadt 3D Grundgerüst für Urbanen Zwilling

Eine Anwendung des Digitalen Zwillings möchte ich Ihnen zeigen:

Starkregengefahrenkarten Darmstadt

Um die potenzielle Gefährdung durch Starkregen zu ermitteln, wurden im Auftrag des Amts für Klimaschutz und Klimaanpassung der Wissenschaftsstadt Darmstadt Starkregengefahrenkarten erstellt. Die Karten wurden durch das Darmstädter Büro Dahlem Beratende Ingenieure erzeugt und durch das Vermessungsamt als Onlineanwendung aufbereitet.

Quelle: Darmstadt 3D Starkregengefahrenkarte

Und so sieht die Sache mit dem Starkregen im Darmstädter Zwilling aus:


So kann sich jeder Hausbesitzer und jeder Mieter ansehen, ob er nasse Füße bekommt bzw. Wasser in seinen Keller eindringt, wenn es einmal heftig regnet. Hier im Blog hatte ich mich auch schon dazu geäussert: Starkregen-Abflussberechnungen Wäschbach. Dies war zwar schon vor fast 6 Jahren, ist aber bis heute noch nicht in den Wiesbadener Zwilling eingeflossen.


Zürich

Schauen wir einmal ausserhalb der deutschen Grenze, schauen wir uns einmal Zürich an. Auch dort gibt es einen Digitalen Zwilling:

Virtuell, dreidimensional, gratis: Die Stadt Zürich gibt ihr 3-D-Stadtmodell frei

Die Stadt Zürich stellt ihren virtuellen Stadtplan ab sofort gratis und frei zur Verfügung. Das hilft Planern und Architektinnen, bietet aber auch viele Möglichkeiten für Nachbarn eines Neubauprojekts und die Open-Data-Bewegung.

Quelle: Virtuell, dreidimensional, gratis: Die Stadt Zürich gibt ihr 3-D-Stadtmodell frei vom 12.11.2018, leider hinter einer Paywall.

Und so begründet die Stadt Zürich diese Aktion:

3D-Stadtmodell

Gleiten Sie aus beliebigen Blickwinkeln durch den digitalen Zwilling der Stadt. So lassen sich Gebäude, Bäume, Wälder und Brücken einfach visualisieren.

Quelle: Stadt Zürich 3D Stadtmodell

Und hier finden Sie dann das Modell: Zürich virtuell. So schaut es aus:


Nun war ich noch nie in Zürich und kann Ihnen deshalb keine Sehenswürdigkeit empfehlen. Also habe ich mir das Rathaus als Beispiel genommen, das sich im Zwilling so präsentiert:



Natürlich gibt es zu jedem Gebäude auch Zusatzinformationen:


Das sind mehr Informationen zu diesem Gebäude als dies der Wiesbadener Zwilling liefert. Selbst über innerstädtische Bäume können Sie Informationen abrufen:


Solche Informationen finden Sie in Wiesbaden nicht.

Auf einen weiteren Aspekt dieses Digitalen Zwillings möchte ich Sie hinweisen: Sie können die Daten, die diesem Zwilling zugrunde liegen, selbst anfordern, ansehen und auf der Basis dieser Städtischen Informationen eine eigene Lösung bauen. Hier finden Sie den Hinweis dazu:

Produktebeschreibung 3D-Stadtmodell

Das digitale 3D-Stadtmodell von Geomatik + Vermessung ist flächendeckend über das gesamte Gemeindegebiet verfügbar.

Seit dem 1. Januar 2018 stehen die Daten des 3D-Stadtmodells kostenlos und zur freien Nutzung zur Verfügung (Open Government Data OGD) und stehen via Externer Link:Geoportal zum Download bereit.

Weitere Datenformate des 3D-Stadtmodells können über das Kontaktformular angefragt und bezogen werden. Die dabei anfallenden Aufwände werden in Rechnung gestellt.

Quelle: Produktebeschreibung 3D-Stadtmodell

Und genau dies habe ich im März 2025 gemacht, d.h. ich habe einen Datensatz angefordert. Am nächsten Tag erhielt ich eine Mail mit folgendem Inhalt:

Sehr geehrte/r Datenbesteller/in

Vielen Dank für Ihre Bestellung, welche erfolgreich bearbeitet wurde. Sie können die bestellten Daten während der nächsten zwei Tage über den folgenden Link auf Ihren Computer herunterladen: https://www.ogd.stadt-zuerich.ch/geoportal_download/e5cbXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX.zip

Für Ihr Feedback danken wir Ihnen.

Freundliche Grüsse

Stadt Zürich

Nach dem Download der verlinkten Datei1) fand ich darin eine Datei mit Namen bestellung.txt mit diesem Inhalt:

Sie haben folgende Bestellung aufgegeben:
Name des Geodatensatzes: Bauten - Kombinierte Darstellung heute
Name des Ausschnittes: stzh
Ausschnitt (falls definiert): 2676224.694, 1241584.105, 2689665.812,1254306.233
Zeitpunkt der Bearbeitung: 24.03.2025 - 14:07

Quelle: Datei bestellung.txt in der Datenlieferung

Dies alles ohne Nachfrage oder Probleme. Und in meinem Fall war dies kostenfrei. Das nennt man Open Data. Bitte erzählen Sie dies nicht den Stadtpolitikern in Wiesbaden.


Fazit

Es geht doch, man kann einen Digitalen Zwilling bauen, der nicht als abschreckendes Beispiel verwendbar ist. Und man kann in einem solchen Zwilling zusätzliche und nützliche Informationen unterbringen, wie des Darmstadt am Beispiel Starkregen gezeigt hat, Etteln zeigt dies sogar mit Live-Daten, und Zürich zeigt vernünftige Daten zu Gebäuden an.

In Wiesbaden dauert das alles noch.


"Wo bleibt das Positive?"

Vor etwa 95 Jahren wurde diese Frage bereits gestellt. Erich Kästner hat sie so beantwortet:

Und immer wieder schickt ihr mir Briefe,
in denen ihr, dick unterstrichen, schreibt:
»Herr Kästner, wo bleibt das Positive?«
Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt.

Quelle: Und wo bleibt das Positive, Herr Kästner?




Anmerkungen:
1) Die Datei hatte eine Größe von ca. 150 MB, entpackt waren dies dann ca.1,7 GB.

Montag, 9. März 2026

Digitaler Zwilling der Stadt Wiesbaden


Die Selbstdarstellung der Stadt Wiesbaden in der digitalen Welt ist schon etwas eigentümlich, um es höflich auszudrücken. Dieses Thema ist halt Neuland, um einmal Frau Merkel zu zitieren.

In meinem vorigen Text hatte ich bereits einige Sehenswürdigkeiten präsentiert, wie man sie in diesem "Digitalen Zwilling" der Stadt Wiesbaden findet. Das waren aber nicht alle, es gibt noch viele, viele solcher "Sehenswürdigkeiten" in diesem Zwilling zu entdecken. Diesmal präsentiere ich Ihnen einige Fehlfunktionen in dieser Software, und auch hier wieder ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Aber erst einmal möchte ich die Befürworter dieses Angebots zu Wort kommen lassen. So kündigt die Stadt Wiesbaden diesen Digitalen Zwilling an:

Wiesbaden startet mit urbanem Digitalen Zwilling in die digitale Stadtplanung

Mit dem Digitalen Zwilling lassen sich räumliche Veränderungen simulieren, Planungsprozesse visualisieren und komplexe Sachverhalte anschaulich darstellen. So können in Zukunft Auswirkungen von Bauvorhaben auf Schattenwurf oder Hochwasserrisiken untersucht, Verkehrsflüsse analysiert oder stadtklimatische Entwicklungen nachvollzogen werden. Auch individuelle Fragestellungen, etwa zur Eignung von Dachflächen für Solaranlagen, lassen sich beantworten.

Quelle: Wiesbaden startet mit urbanem Digitalen Zwilling in die digitale Stadtplanung

Aus dem Rathaus gibt es eine weitere Darstellung des Digitalen Zwillings:

Entdecken Sie die Stadt Wiesbaden im Internet

Im Internet gibt es eine Art Stadtplan von Wiesbaden.
Aber es ist kein gewöhnlicher Stadtplan.
Der Stadtplan kann viel mehr.
Er ist wie eine Kopie von Wiesbaden im Internet.
Der Name ist Urbaner Digitaler Zwilling.

Quelle: Entdecken Sie die Stadt Wiesbaden im Internet

Auf YouTube gibt es auch einen Film, in dem dieser Zwilling dargestellt wird:


Auch die Stadträtin Frau Koohestanian hat sich auf Facebook dazu geäussert: Kennt ihr schon den digitalen Zwilling unserer Stadt? Sie mögen Facebook nicht? Oder Sie haben keinen Account auf Facebook? Dem Link können Sie trotzdem folgen und sich die Präsentation von Frau Koohestanian ansehen. Sie müssen einfach die Fragen und Aufforderungen wegklicken.

Genug der Erfolgsmeldungen. Ich will nachsehen, was es mit diesem Angebot auf sich hat. Schauen wir es uns doch einfach an und bitte folgen Sie mir dabei auf dieser Reise durch diesen Digitalen Zwilling der Stadt Wiesbaden. Bei meinem letzten Text (siehe: Besuchen Sie Wiesbaden) hatte ich Ihnen einige der "Sehenswürdigkeiten" von Wiesbaden gezeigt, in Bildern. Diesmal wird es mehr Text und weniger Bilder geben.


Stichproben

Sie haben die Ankündigungen gelesen. Glauben Sie das alles, was da verkündet wird? Ich finde, man sollte solche Aussagen einfach nachprüfen, und sei es auch nur in Stichproben. Also beginnen wir unsere Expedition in diesen Digitalen Zwilling: Wir beginnen mit dem Aufruf der Internetseite mit dem Zwilling:

Landeshauptstadt Wiesbaden - Urbaner Digitaler Zwilling.

Schauen Sie sich doch einmal das Haus an, in dem Sie wohnen. Auf der Seite des Zwillings können Sie in die Karte rein zoomen, die Ansicht drehen, den Blickwinkel ändern usw., bis Sie Ihr Haus gefunden haben. Aber es gibt auch eine Suchen-Funktion, erkennbar am Lupen-Symbol. Hier geben Sie Strassennamen und Hausnummer ein. Bitte achten Sie darauf, daß Sie den Namen korrekt eingeben, denn Schreibfehler verzeiht Ihnen das System nicht. Lediglich auf Groß- oder Kleinschreibung brauchen Sie nicht zu achten. Danach zoomt die Software auf die gewünschte Strasse und Sie können sich das Haus ansehen.

Nach Ihren Eingaben tut sich nichts? Kein Problem, denn auf dieser Seite gibt es eine zweite Suchen-Funktion. In einem solchen Fall verwenden Sie bitte diese.

Es dauert, es ruckelt? Sie brauchen schon einen leistungsfähigen Computer, um mit diesem Zwilling zu arbeiten. Bei meinem Computer läuft der Lüfter an, wenn ich die Seite mit dem Zwilling aufrufe. Normalerweise ist der Computer leise, denn der Lüfter ist aus, aber beim Zwilling läuft der Lüfter los. Da muß die CPU wohl was arbeiten. Und mein Computer ist nicht der langsamste. Ihr Computer hat eine geringere Rechenleistung? Dann fassen Sie sich bitte in Geduld. Und manchmal geht auf dieser Seite nichts, dann ist das halt so. Oder die Software verliert die Orientierung und Sie landen irgendwo. Das ist doch jedem von uns schon mal passiert, daß man sich verirrt und die Orientierung verliert, warum auch nicht mal einem Computer. Ist doch nur menschlich.

Wie sieht Ihr Haus denn nun aus? Wie wird es dargestellt in diesem Zwilling? Ist das Dach noch drauf oder schon heruntergefallen? Sind die Fenster alle da? Oder ist Ihr Haus sanierungsbedürftig? In meinem letzten Text hatte ich am Ende das Haus abgebildet, in dem ich wohne, d.h. ich hatte ein Bild präsentiert, wie dieses Haus im Zwilling dargestellt wird. Ob das Haus noch sanierungsfähig ist?

Laut Zwilling ist die Bausubstanz in der Stadt Wiesbaden ein Sanierungsfall. Überall.


Schummerung

Auf der linken Seite des Bildes gibt es ein Menü. Dort können Sie Informationen ein- und ausblenden. Dort bin ich auf das Wort Schummerung gestossen. Ein Begriff, der mir erst einmal nichts sagte, weshalb ich dann Wikipedia befragte:

Eine Schummerung ist eine Flächentönung, mit der in der Kartografie ein räumlicher Eindruck der relativen Höhenunterschiede des Geländes erzeugt wird. Die Schattierungen entstehen meist durch die Beleuchtung mit einer imaginären Lichtquelle.

Quelle: Schummerung in der Wikipedia

Den Effekt kannte ich, den Namen aber nicht.

Schalten Sie bitte diesen Effekt im Zwilling einmal ein, dann sehen Sie nach einigen Sekunden diesen Effekt der Schummerung. Nun schalten Sie bitte wieder zurück, indem Sie das Häkchen entfernen. Sie sehen, Sie kommen nicht wieder zurück. Hier möchte ich Ihnen diesen Effekt (d.h. Schummerung ein und danach wieder aus) am Beispiel des Rathauses zeigen:

Verschiedene Darstellungen des Rathauses1)
ursprüngliches Bild Schummerung eingeschaltet und danach wieder ausgeschaltet

Und plötzlich steht das Rathaus auf einer Landkarte von Wiesbaden.


Internetadressen

Gerne hätte ich bei meinem vorigen Text die jeweilige Internetadresse zu den Bildern angegeben, damit Sie direkt die entsprechende Stelle aufrufen können. Sie hätten somit überprüfen können, ob meine Darstellungen korrekt sind. Sonst denken Sie noch, ich würde Fake News verbreiten oder hätte Bilder mit Unterstützung einer KI erzeugt. Grundsätzlich geht eine Angabe von Internetadressen in solchen Karten- oder Bilddarstellungen. Dies geht praktisch überall, aber leider nicht auf der Seite des Zwillings der Stadt Wiesbaden. Hierzu zwei Beispiele:

Schauen Sie doch einmal bitte hier: https://wiesbaden.maps.sensor.community/#13/50.0723/8.2533. Auf dieser Seite finden Sie Luftmeßstationen, die Ihnen Daten zur Feinstaubbelastung in Wiesbaden liefern. Sowohl die Meßstationen als auch diese Seite werden von Privatleuten betrieben, und Sie sehen, daß man nicht von einer Weltkarte ausgehen muß, um dann nach Wiesbaden zu suchen.

Gehen wir zu einem professionellen Anbieter, zu Google. Und hier kommen Sie auf Google Maps direkt zur Karte von Wiesbaden: https://www.google.de/maps/@50.0765771,8.2549853,13.13z.

Beim Zwilling von Wiesbaden erhalten Sie immer diese Adresse, egal welche Stelle Sie aufrufen: https://wiesbaden.virtualcitymap.de/#/. Deswegen kann ich Ihnen zwar Bilder aus dem Zwilling zeigen, aber zwecks Prüfung kann ich Sie nur bitten, selbst auf dieser Internetseite zu suchen.

Privatleute können dies (siehe Luftdaten), Profis können dies (siehe Google Maps), die Stadt Wiesbaden kann es nicht.


Parkhäuser

Auch für Bürger mit Auto bietet der Zwilling etwas:

Auch Daten für Verkehr und Infrastruktur können abgerufen werden. So ist es möglich, Parkhäuser zu finden, inklusive der aktuell freien Stellplätze, Bewohnerparkgebiete, Standorte von E-Ladesäulen, Carsharing-Standorte und Radwege. „Heute machen wir einen großen Sprung, was die grafische Aufbereitung und Veranschaulichung dieser Informationen angeht“, sagte Kowol.

Quelle: Wiesbaden hat nun einen Zwilling - Artikel in der FAZ vom 9.7.2025, S. 2

Schauen wir uns doch einmal solch eine Anzeige im Zwilling an:


Die Zahl der freien Stellplätze wird angezeigt, aber was sollen die leeren Zusatzinformationen?

Auch so etwas finden Sie im Zwilling:


Ich bewerte diese Informationen als nicht sehr hilfreich.

Auch im Ansatz bereits geht diese Darstellung an der Sache vorbei. Angenommen, Sie kommen als Auswärtiger nach Wiesbaden, mit dem Auto. Wissen Sie dann, daß im Zwilling die Parkhäuser mit freien Kapazitäten angezeigt werden? Und wissen Sie, wo Sie diese Informationen finden? Sie stellen sich dann mit dem Auto an den Strassenrand und suchen diese Information in Ihrem Smartphone? Wirklich? Und dann fehlt Ihnen als Auswärtigem noch die Navigationsfunktion, oder kennen Sie sich als Auswärtiger so gut aus in Wiesbaden, daß Sie jetzt mit dem Auto den Weg ins Parkhaus finden?


Zusatzinformationen

Nicht nur zu Parkhäusern, zu allen Gebäuden können Sie zusätzliche Informationen abrufen. Einfach auf ein Gebäude klicken und es erscheinen die zusätzliche Informationen zu diesem Gebäude. Hier möchte ich Ihnen einige Beispiele zeigen:

Zusätzliche Informationen zu Gebäuden1)
Ministerium für Wissenschaft und Forschung
in der Rheinstrasse
Rathaus Museum Reinhard Ernst
in der Wilhelmstrasse

Ich hoffe, Sie können mit diesen im Zwilling zu den Gebäuden zusätzlich angezeigten Informationen etwas anfangen.

Kosten

Die Entwicklung von Software kostet Geld, keine Frage. Herauskommen kann gute oder schlechte Software, für viel oder wenig Geld. Wieviel Geld hat die Stadt Wiesbaden für dieses Projekt ausgegeben? Dazu möchte ich aus der FAZ zitieren:

Das ist nur eine der vielen Anwendungsmöglichkeiten, die der neue digitale Zwilling der Landeshauptstadt bietet. Auf dem Weg zur Smart City ist die Stadt damit einen großen Schritt vorangekommen.

Vom Land Hessen hat sie dafür rund 1,74 Millionen Euro an Fördergeld erhalten, die Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus (CDU) an Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) übergab. Damit unterstützt die Landesregierung die digitale Transformation in Wiesbaden insgesamt mit rund vier Millionen Euro.

Quelle: Wiesbaden hat nun einen Zwilling - Artikel in der FAZ vom 9.7.2025, S. 2

1,7 Millionen hat das Land Hessen dafür gegeben, die Stadt Wiesbaden hat aus Ihrem Haushalt auch einen Betrag dazu gegeben. Und das kommt dabei heraus.


Open Data

Könnte jemand anderes das besser machen als die Stadt Wiesbaden? Grundsätzlich ja, aber dazu müsste die Stadt Wiesbaden die Daten, auf denen der Zwilling basiert, freigeben, d.h. die Stadt Wiesbaden müsste diese Daten zum Download zur Verfügung stellen. Natürlich kostenlos, denn wenn Sie oder ich auf der Basis der Daten eine bessere Lösung entwickeln und zur Verfügung stellen, dann würden Sie oder ich für die Stadt Wiesbaden arbeiten. Und Sie oder ich sollen dafür auch noch Geld bezahlen?

Das Konzept dahinter nennt sich Open Data. Aber dieses Konzept ist in der Stadtpolitik in Wiesbaden nicht sehr beliebt. Man hat ja dann keine Kontrolle mehr über das, was damit gemacht wird.


OpenStreetMap

Eines der grossen Projekte im Internet ist OpenStreetMap:

OpenStreetMap (OSM) ist ein freies Projekt, das frei nutzbare Geodaten sammelt, strukturiert und für die Nutzung durch jedermann in einer Datenbank vorhält (Open Data). Diese Daten stehen unter einer freien Lizenz, der Open Database License. Kern des Projekts ist also eine offen zugängliche Datenbank aller beigetragenen Geoinformationen.

Aus diesen Daten können sowohl freie als auch kommerzielle Landkarten erstellt werden. Die auf der Projekt-Webseite gezeigten, rein aus eigenen Daten erstellten Karten sind Beispiele dafür. Die Daten können weiter kostenfrei in Druckerzeugnissen, auf Websites oder auch für Anwendungen wie Navigationssoftware sowie für Routenplaner genutzt werden, ohne durch restriktive Lizenzen beschränkt zu sein. Die OpenStreetMap-Lizenz legt fest, dass bei jeder Nutzung der Daten auf OSM als Datenquelle hingewiesen werden muss. Wer abgeänderte Datensätze verbreitet, muss sein Werk unter die gleiche Lizenz stellen.

Quelle: OpenStreetMap in der Wikipedia

Hier sehen Sie die Karte von Wiesbaden, erstellt in OpenStreetMap: Karte von Wiesbaden.

Sie sehen, die Stadt Wiesbaden nutzt im Rahmen von OpenData die Daten des Projekts OpenStreetMap, was sie darf. Aber stellt sie die unter Verwendung von Daten aus OpenStreetMap erstellten Daten auch zur weiteren Verwendung zur Verfügung?

Im Digitalen Zwilling können Sie die Verwendung von OpenStreetMap ausschalten, aber dann sieht die Stadt Wiesbaden auch schon einmal so aus:


Sie sehen, man braucht die Daten von OpenStreetMap im Zwilling.


Probleme

Vor einigen Tagen konnte man die Seite nicht aufrufen. So sah dies dann aus:


Und so nach 10 Minuten habe ich dann abgebrochen. Wen man eine solche Seite abschaltet, dann kann man auch eine Seite mit einem Hinweis (bitte mit guter Begründung) vorschalten. So wartet man und wartet und wartet, schimpft auf das Internet, den Internet-Provider, den eigenen Computer, ..... wo doch eigentlich die Stadt Wiesbaden das Problem verursacht hat. Bei Strassenbaumaßnahmen stellt die Stadt ja auch Schilder auf, meistens.


Fazit

Soviel Geld für solch eine Software? Schade um das Geld. Damit hätte man auch was Vernünftiges machen können. Hier in Wiesbaden gilt also weiterhin: Avanti Dilettanti!

Google KI meinte dazu:



Nachtrag

Zum Abschluß der Seite möchte ich Ihnen doch noch ein Bild zeigen. Das fand ich auch auf dem Zwilling:


Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus dem Zwilling, die Autobahn A66 bei Erbenheim. Ob der LKW die Böschung hochkommt? Ich bin mir sicher, daß im LKW ein Profi am Steuer sitzt.


Anmerkungen:
1) Klicken Sie bitte einmal auf eines der Bilder. Dann erscheint das Bild in groß

Dienstag, 10. Februar 2026

Besuchen Sie Wiesbaden


Am 15. März ist Kommunalwahl in Wiesbaden. Aus diesem Grund möchte ich mit diesem Text einen Aspekt der Stadtpolitik herausgreifen und den aktuellen Stand in diesem Teilbereich darstellen. Und natürlich wird dies ein Aspekt aus dem Bereich Digitalisierung sein.

Schlagworte kommen und gehen. Künstliche Intelligenz ist aktuell das angesagte Schlagwort. In der Vergangenheit waren es auch schon mal Schlagworte wie niederschwellige Angebote, Blockchain, Open Data usw. Ein weiteres Schlagwort in der Stadtpolitik lautet: Digitaler Zwilling. Und seit etlichen Monaten hat Wiesbaden einen Digitalen Zwilling.

Auf der Seite der Stadt Wiesbaden gibt es seit etlichen Wochen eine künstliche Intelligenz, Lilly genannt. Dieser können Sie Fragen stellen und Lilly beantwortet sie Ihnen. Auf meine Frage: "wo finde ich den Digitalen Zwilling der Stadt Wiesbaden?" erhielt ich folgende Antwort:


Also gut, versuchen wir es trotzdem. Da ich nur eine natürliche Intelligenz bin, sage ich Ihnen, wo Sie diesen Digitalen Zwilling der Stadt Wiesbaden finden, nämlich hier: Landeshauptstadt Wiesbaden - Urbaner Digitaler Zwilling.

Und so bejubelt die Stadtpolitik dieses Produkt, sofern die FAZ dies korrekt wiedergegeben hat:

Ein Klick reicht, und die digitale Karte präsentiert sämtliche Kindertagesstätten in Wiesbaden. Mit dem nächsten Klick auf das Symbol der ausgewählten Kita werden deren Name, die Betreuungsform, die Adresse und weitere Inhalte in einem Extrafenster angezeigt. Das ist nur eine der vielen Anwendungsmöglichkeiten, die der neue digitale Zwilling der Landeshauptstadt bietet. Auf dem Weg zur Smart City ist die Stadt damit einen großen Schritt vorangekommen.

Quelle: in der FAZ vom 9. Juli 2025, S. 2

Klingt doch gut, oder? Vor einem Jahr hatte ich hier auf diesem Blog bereits einen Text zu diesem Thema geschrieben: Vorsicht, herabfallende Dachteile. Es ist also an der Zeit, die Sache erneut zu betrachten. Vielleicht hat sich ja etwas getan.


Was ist ein digitaler Zwilling?

Aber erst will ich die Begriffe klären, wobei ein Blick in die Wikipedia meistens hilft:

Ein digitaler Zwilling (engl. digital twin) ist eine digitale Repräsentanz eines materiellen oder immateriellen Objekts aus der realen Welt in der digitalen Welt. Es ist unerheblich, ob das Gegenstück in der realen Welt bereits existiert oder zukünftig erst existieren wird. Digitale Zwillinge ermöglichen einen übergreifenden Datenaustausch. Sie bestehen aus Modellen des repräsentierten Objekts und können daneben Simulationen, Algorithmen und Services enthalten, die Eigenschaften oder Verhalten des repräsentierten Objekts beschreiben, beeinflussen, oder Dienste darüber anbieten.

Quelle: Digitaler Zwilling in der Wikipedia

Jetzt aber genug drumherum geschrieben. Wiesbaden hat auch einen Digitalen Zwilling. Und ich möchte Sie mitnehmen auf eine Reise zu den Sehenswürdigkeiten dieser Stadt, so wie sie die Stadt Wiesbaden sie in ihrem Digitalen Zwilling präsentiert.

Dies ist keine Werbebroschüre der Stadt Wiesbaden. So etwas finden Sie u.a. hier: Top 10 Orte in Wiesbaden.

Los geht die Reise zu einigen der Sehenswürdigkeiten von Wiesbaden, aber diese Reise findet nur digital statt.


Nerobergbahn

Eine der Sehenswürdigkeiten Wiesbadens ist die Nerobergbahn, deren Wagen per Wasserballast, also per Schwerkraft, den Berg hoch und runter gezogen werden. So sieht die Talstation im Zwilling aus:


Links unten im Bild sehen Sie die Talstation der Nerobergbahn. Aber was ist das rechts oben im Bild? Mitten auf den Gleisen der Bahn steht dort ein Haus - zumindest im Digitalen Zwilling.


Blick auf Wiesbaden

Oben auf dem Neroberg angekommen gehen Sie nur wenige Meter und geniessen Sie den Blick auf Wiesbaden:



Monopterus

Oben auf dem Berg finden Sie eine Säulenkonstruktion, den Monopterus, oder einfach der Nerobergtempel. So präsentiert die Stadt Wiesbaden dieses Tempelchen, zumindest im Zwilling:



Griechische Kapelle

Wenige Schritte unterhalb des Gipfels finden Sie die Griechische Kapelle, auch als Russisch-Orthodoxe Kirche bekannt. So wird sie im Zwilling dargestellt:



Rathaus

Verlassen wir den Berg und gehen in die Innenstadt. Wiesbaden hat ein schönes Rathaus, über dessen Renovierung schon länger gestritten, äh - ich meinte natürlich diskutiert wird. So schaut das aus:



Altes Rathaus

Von den Stufen des Rathauses (die Sie auf dem vorigen Bild kaum erkennen können) aus blicken Sie leicht nach links und sehen dort das Alte Rathaus, das seit Monaten renoviert wird. Hier sehen Sie es ohne Gerüst:



Schloss/Landtag

Ebenfalls von den Stufen des Rathauses aus sehen Sie das Stadtschloss Wiesbaden, heute Sitz des hessischen Landtages:

Das Gebäude wird aktuell renoviert. Damit ist man schon länger beschäftigt. Wenn Sie sich das Bild näher anschauen sehen Sie auch warum....


Museum

Wiesbaden hat zwei grosse Museen. Hier sehen Sie das Museum Wiesbaden, bekannt für seine Sammlung zu naturhistorischen Themen, aber auch etliche weitere Sammlungen und Ausstellungen. So sieht das Museum im Zwilling aus:



Kirchen

Wiesbaden hat sehenswerte Kirchen. Einige davon möchte ich Ihnen hier vorstellen, natürlich im Zwilling.

Marktkirche

Rechts von den Stufen des Rathauses aus finden Sie die Marktkirche. So wird sie im Zwilling präsentiert:



Ringkirche

Eine weitere grosse Kirche ist die Ringkirche:



Bonifatiuskirche

Und zum Abschluß dieser Reihe präsentiere ich Ihnen die Kirche St. Bonifatius:



Biebricher Schloß

Genug der Kirchen, bewegen wir uns an den Rhein. Dort finden Sie das Schloss Biebrich mit angrenzendem Park. So präsentiert sich das Schloss im Zwilling:


Manchmal lohnt es sich, etwas genauer hinzusehen:

Und nein, das Schloß wird aktuell nicht renoviert.


Kaiserbrücke

Ein Stück flussaufwärts findet man die Kaiserbrücke, eine wichtige Verbindung für Züge, Fußgänger und Radfahrer. So schaut diese Brücke aus:

Und noch etwas weiter flußaufwärts findet man dieses:


Ich bedaure es ausserordentlich, aber ich kann Ihnen nicht erklären, was über den Rasen und danach über den Rhein geführt wird.


Alte Hauptpost

In der Rheinstrasse finden Sie ein großes Gebäude, das heute das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur (HMWK) beheimatet. So schaut das aus:


Die älteren Leser erinnern sich vielleicht noch daran, daß in diesem Gebäude einmal die Hauptpost untergebracht war. Seit dem Auszug hat dieses Haus aber beachtlich gelitten, auf jeden Fall im Zwilling.

Nie wurde so deutlich gezeigt, wie öffentliche Armut und privater Reichtum aussehen.


Autostadt

In der Wiesbadener Stadtpolitik hat das Auto fast keine Freunde. Überall werden Spuren umgebaut oder umgewidmet, um Platz für Radfahrer, Lieferdienste etc. zu schaffen. Wiesbaden will ja Radfahrerstadt werden. Auch Parkplätze benötigt man nicht. Und die (z.T. notwendigen) Baumaßnahmen tragen dazu bei, daß Wiesbaden den Ruf einer Staustadt hat. Also verwundert es auch nicht, wenn Wiesbaden sein Straßennetz im Zwilling so präsentiert:

Zustand der Strassen in Wiesbaden (laut Zwilling)

Beim Autofahren ist in Wiesbaden Vorsicht angesagt. Aber in Zukunft wird alles gut, mindestens einmal besser:

Kowol1) kündigte als nächsten Schritt an, dass die oft noch statischen Daten [im Zwilling] dynamisch werden sollen. So könnte man etwa bei Baustellen künftig nicht nur deren Standort und die Dauer, sondern auch die aktuelle Verkehrssituation rund um die Baustelle und mögliche Umleitungen darstellen.

Quelle: in der FAZ vom 9. Juli 2025, S. 2


Zollspeicher

Vom Schloss aus flussaufwärts findet man den Zollspeicher. Seit mind. 10 Jahren wird über die Verwendung des Gebäudes in der Stadtpolitik diskutiert. So wird Ihnen das Haus präsentiert:


Ich muß Sie enttäuschen, das Haus sieht wirklich so aus. Und es war auch schon einmal Thema eines Textes auf diesem Blog: Touristen sind neugierig, im Abschnitt: Vorschlag.


Verantwortung

Wer ist denn nun in der Stadtpolitik für diesen Digitalen Zwilling verantwortlich? Wer hat den Hut auf?

Zu erst einmal gibt es in Wiesbaden ein Amt für Innovation, Organisation und Digitalisierung. Dieses Amt gehört zum Bereich von Dezernat II – Dezernat der Bürgermeisterin. Das Dezernat wird geführt von Frau Hinninger, ihres Zeichens Bürgermeisterin in Wiesbaden.

Daneben gibt es in Wiesbaden noch ein Dezernat für Smart City, das geleitet wird von Frau Maral Koohestanian, Dezernentin für Smart City, Europa und Ordnung.

Und ausserdem gibt es noch eine Stabsstelle Bürgerbeteiligung, Digitalisierung.

Sie sehen, zum Thema Digitalisierung gibt es in Wiesbaden viele Köche.


Fazit

Im Digitalen Zwilling verströmt Wiesbaden den Charme einer untergehenden Stadt. So oder so ähnlich soll es in den Städten der ehemaligen DDR ausgesehen haben, so gegen Ende der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Wie es mit diesem Staat weiter ging wissen Sie.


Ich trau mich nicht

Zum Abschluß dieses Textes wollte ich Ihnen noch das Haus einer Stadtpolitikerin zeigen, die innerhalb des Parlaments u.a. für das Thema Digitalisierung zuständig ist. Also das Haus, wie es sich im Zwilling darstellt. Aber ach, ich trau mich nicht.

Politiker sind ja so sensible Wesen, wie Bundeskanzler Merz vor kurzem festgestellt hat (siehe hier und hier). Und weil sie so sensibel sind, haben sie sich besonders geschützt: §188 StGB. Und auf der Basis dieses Paragraphen wurden schon Polizisten in Marsch gesetzt, um Wohnungen zu durchsuchen wegen Posts in diesem Neuland, ich meine natürlich dieses Internet. . Da ich aber morgens um 6 Uhr nicht gestört werden möchte, verzichte ich auf die Darstellung dieser Wohnung.

Aber ich bin nicht so sensibel. Ich verkrafte es, wenn ich Ihnen die bescheidene Hütte zeige, in der ich wohne:


So schaut es aus. Reich werde ich mit diesem Blog nicht, wie Sie sehen.


Erklärung

Alle Bilder in diesem Text stammen aus dem Digitalen Zwilling der Stadt Wiesbaden. Ausnahme ist lediglich das erste Bild, das die Unterhaltung mit Lilly zeigt, der künstlichen Intelligenz der Seite www.wiesbaden.de. Die Bilder auf dieser Seite sind nicht bearbeitet, verändert oder sonstwie retouchiert. Diese Bilder wurden aufgenommen von einer natürlichen Intelligenz, die am Computer saß und die Hardcopy-Funktion des Betriebssystems nutzte. Es war keine künstliche Intelligenz beteiligt.


Anmerkungen:
1) Herr Kowol ist Mitglied des Magistrats der Stadt Wiesbaden. Informationen zu seiner Person finden Sie hier: Dezernat V – Dezernat für Bauen und Verkehr.
Bitte fragen Sie mich nicht, warum Herr Kowol als nicht zuständiger Dezernent hier die Präsentation gemacht hat. Die Wege der Stadtpolitik in Wiesbaden sind unergründlich.