Montag, 9. März 2026

Digitaler Zwilling der Stadt Wiesbaden


Die Selbstdarstellung der Stadt Wiesbaden in der digitalen Welt ist schon etwas eigentümlich, um es höflich auszudrücken. Dieses Thema ist halt Neuland, um einmal Frau Merkel zu zitieren.

In meinem vorigen Text hatte ich bereits einige Sehenswürdigkeiten präsentiert, wie man sie in diesem "Digitalen Zwilling" der Stadt Wiesbaden findet. Das waren aber nicht alle, es gibt noch viele, viele solcher "Sehenswürdigkeiten" in diesem Zwilling zu entdecken. Diesmal präsentiere ich Ihnen einige Fehlfunktionen in dieser Software, und auch hier wieder ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Aber erst einmal möchte ich die Befürworter dieses Angebots zu Wort kommen lassen. So kündigt die Stadt Wiesbaden diesen Digitalen Zwilling an:

Wiesbaden startet mit urbanem Digitalen Zwilling in die digitale Stadtplanung

Mit dem Digitalen Zwilling lassen sich räumliche Veränderungen simulieren, Planungsprozesse visualisieren und komplexe Sachverhalte anschaulich darstellen. So können in Zukunft Auswirkungen von Bauvorhaben auf Schattenwurf oder Hochwasserrisiken untersucht, Verkehrsflüsse analysiert oder stadtklimatische Entwicklungen nachvollzogen werden. Auch individuelle Fragestellungen, etwa zur Eignung von Dachflächen für Solaranlagen, lassen sich beantworten.

Quelle: Wiesbaden startet mit urbanem Digitalen Zwilling in die digitale Stadtplanung

Aus dem Rathaus gibt es eine weitere Darstellung des Digitalen Zwillings:

Entdecken Sie die Stadt Wiesbaden im Internet

Im Internet gibt es eine Art Stadtplan von Wiesbaden.
Aber es ist kein gewöhnlicher Stadtplan.
Der Stadtplan kann viel mehr.
Er ist wie eine Kopie von Wiesbaden im Internet.
Der Name ist Urbaner Digitaler Zwilling.

Quelle: Entdecken Sie die Stadt Wiesbaden im Internet

Auf YouTube gibt es auch einen Film, in dem dieser Zwilling dargestellt wird:


Auch die Stadträtin Frau Koohestanian hat sich auf Facebook dazu geäussert: Kennt ihr schon den digitalen Zwilling unserer Stadt? Sie mögen Facebook nicht? Oder Sie haben keinen Account auf Facebook? Dem Link können Sie trotzdem folgen und sich die Präsentation von Frau Koohestanian ansehen. Sie müssen einfach die Fragen und Aufforderungen wegklicken.

Genug der Erfolgsmeldungen. Ich will nachsehen, was es mit diesem Angebot auf sich hat. Schauen wir es uns doch einfach an und bitte folgen Sie mir dabei auf dieser Reise durch diesen Digitalen Zwilling der Stadt Wiesbaden. Bei meinem letzten Text (siehe: Besuchen Sie Wiesbaden) hatte ich Ihnen einige der "Sehenswürdigkeiten" von Wiesbaden gezeigt, in Bildern. Diesmal wird es mehr Text und weniger Bilder geben.


Stichproben

Sie haben die Ankündigungen gelesen. Glauben Sie das alles, was da verkündet wird? Ich finde, man sollte solche Aussagen einfach nachprüfen, und sei es auch nur in Stichproben. Also beginnen wir unsere Expedition in diesen Digitalen Zwilling: Wir beginnen mit dem Aufruf der Internetseite mit dem Zwilling:

Landeshauptstadt Wiesbaden - Urbaner Digitaler Zwilling.

Schauen Sie sich doch einmal das Haus an, in dem Sie wohnen. Auf der Seite des Zwillings können Sie in die Karte rein zoomen, die Ansicht drehen, den Blickwinkel ändern usw., bis Sie Ihr Haus gefunden haben. Aber es gibt auch eine Suchen-Funktion, erkennbar am Lupen-Symbol. Hier geben Sie Strassennamen und Hausnummer ein. Bitte achten Sie darauf, daß Sie den Namen korrekt eingeben, denn Schreibfehler verzeiht Ihnen das System nicht. Lediglich auf Groß- oder Kleinschreibung brauchen Sie nicht zu achten. Danach zoomt die Software auf die gewünschte Strasse und Sie können sich das Haus ansehen.

Nach Ihren Eingaben tut sich nichts? Kein Problem, denn auf dieser Seite gibt es eine zweite Suchen-Funktion. In einem solchen Fall verwenden Sie bitte diese.

Es dauert, es ruckelt? Sie brauchen schon einen leistungsfähigen Computer, um mit diesem Zwilling zu arbeiten. Bei meinem Computer läuft der Lüfter an, wenn ich die Seite mit dem Zwilling aufrufe. Normalerweise ist der Computer leise, denn der Lüfter ist aus, aber beim Zwilling läuft der Lüfter los. Da muß die CPU wohl was arbeiten. Und mein Computer ist nicht der langsamste. Ihr Computer hat eine geringere Rechenleistung? Dann fassen Sie sich bitte in Geduld. Und manchmal geht auf dieser Seite nichts, dann ist das halt so. Oder die Software verliert die Orientierung und Sie landen irgendwo. Das ist doch jedem von uns schon mal passiert, daß man sich verirrt und die Orientierung verliert, warum auch nicht mal einem Computer. Ist doch nur menschlich.

Wie sieht Ihr Haus denn nun aus? Wie wird es dargestellt in diesem Zwilling? Ist das Dach noch drauf oder schon heruntergefallen? Sind die Fenster alle da? Oder ist Ihr Haus sanierungsbedürftig? In meinem letzten Text hatte ich am Ende das Haus abgebildet, in dem ich wohne, d.h. ich hatte ein Bild präsentiert, wie dieses Haus im Zwilling dargestellt wird. Ob das Haus noch sanierungsfähig ist?

Laut Zwilling ist die Bausubstanz in der Stadt Wiesbaden ein Sanierungsfall. Überall.


Schummerung

Auf der linken Seite des Bildes gibt es ein Menü. Dort können Sie Informationen ein- und ausblenden. Dort bin ich auf das Wort Schummerung gestossen. Ein Begriff, der mir erst einmal nichts sagte, weshalb ich dann Wikipedia befragte:

Eine Schummerung ist eine Flächentönung, mit der in der Kartografie ein räumlicher Eindruck der relativen Höhenunterschiede des Geländes erzeugt wird. Die Schattierungen entstehen meist durch die Beleuchtung mit einer imaginären Lichtquelle.

Quelle: Schummerung in der Wikipedia

Den Effekt kannte ich, den Namen aber nicht.

Schalten Sie bitte diesen Effekt im Zwilling einmal ein, dann sehen Sie nach einigen Sekunden diesen Effekt der Schummerung. Nun schalten Sie bitte wieder zurück, indem Sie das Häkchen entfernen. Sie sehen, Sie kommen nicht wieder zurück. Hier möchte ich Ihnen diesen Effekt (d.h. Schummerung ein und danach wieder aus) am Beispiel des Rathauses zeigen:

Verschiedene Darstellungen des Rathauses1)
ursprüngliches Bild Schummerung eingeschaltet und danach wieder ausgeschaltet

Und plötzlich steht das Rathaus auf einer Landkarte von Wiesbaden.


Internetadressen

Gerne hätte ich bei meinem vorigen Text die jeweilige Internetadresse zu den Bildern angegeben, damit Sie direkt die entsprechende Stelle aufrufen können. Sie hätten somit überprüfen können, ob meine Darstellungen korrekt sind. Sonst denken Sie noch, ich würde Fake News verbreiten oder hätte Bilder mit Unterstützung einer KI erzeugt. Grundsätzlich geht eine Angabe von Internetadressen in solchen Karten- oder Bilddarstellungen. Dies geht praktisch überall, aber leider nicht auf der Seite des Zwillings der Stadt Wiesbaden. Hierzu zwei Beispiele:

Schauen Sie doch einmal bitte hier: https://wiesbaden.maps.sensor.community/#13/50.0723/8.2533. Auf dieser Seite finden Sie Luftmeßstationen, die Ihnen Daten zur Feinstaubbelastung in Wiesbaden liefern. Sowohl die Meßstationen als auch diese Seite werden von Privatleuten betrieben, und Sie sehen, daß man nicht von einer Weltkarte ausgehen muß, um dann nach Wiesbaden zu suchen.

Gehen wir zu einem professionellen Anbieter, zu Google. Und hier kommen Sie auf Google Maps direkt zur Karte von Wiesbaden: https://www.google.de/maps/@50.0765771,8.2549853,13.13z.

Beim Zwilling von Wiesbaden erhalten Sie immer diese Adresse, egal welche Stelle Sie aufrufen: https://wiesbaden.virtualcitymap.de/#/. Deswegen kann ich Ihnen zwar Bilder aus dem Zwilling zeigen, aber zwecks Prüfung kann ich Sie nur bitten, selbst auf dieser Internetseite zu suchen.

Privatleute können dies (siehe Luftdaten), Profis können dies (siehe Google Maps), die Stadt Wiesbaden kann es nicht.


Parkhäuser

Auch für Bürger mit Auto bietet der Zwilling etwas:

Auch Daten für Verkehr und Infrastruktur können abgerufen werden. So ist es möglich, Parkhäuser zu finden, inklusive der aktuell freien Stellplätze, Bewohnerparkgebiete, Standorte von E-Ladesäulen, Carsharing-Standorte und Radwege. „Heute machen wir einen großen Sprung, was die grafische Aufbereitung und Veranschaulichung dieser Informationen angeht“, sagte Kowol.

Quelle: Wiesbaden hat nun einen Zwilling - Artikel in der FAZ vom 9.7.2025, S. 2

Schauen wir uns doch einmal solch eine Anzeige im Zwilling an:


Die Zahl der freien Stellplätze wird angezeigt, aber was sollen die leeren Zusatzinformationen?

Auch so etwas finden Sie im Zwilling:


Ich bewerte diese Informationen als nicht sehr hilfreich.

Auch im Ansatz bereits geht diese Darstellung an der Sache vorbei. Angenommen, Sie kommen als Auswärtiger nach Wiesbaden, mit dem Auto. Wissen Sie dann, daß im Zwilling die Parkhäuser mit freien Kapazitäten angezeigt werden? Und wissen Sie, wo Sie diese Informationen finden? Sie stellen sich dann mit dem Auto an den Strassenrand und suchen diese Information in Ihrem Smartphone? Wirklich? Und dann fehlt Ihnen als Auswärtigem noch die Navigationsfunktion, oder kennen Sie sich als Auswärtiger so gut aus in Wiesbaden, daß Sie jetzt mit dem Auto den Weg ins Parkhaus finden?


Zusatzinformationen

Nicht nur zu Parkhäusern, zu allen Gebäuden können Sie zusätzliche Informationen abrufen. Einfach auf ein Gebäude klicken und es erscheinen die zusätzliche Informationen zu diesem Gebäude. Hier möchte ich Ihnen einige Beispiele zeigen:

Zusätzliche Informationen zu Gebäuden1)
Ministerium für Wissenschaft und Forschung
in der Rheinstrasse
Rathaus Museum Reinhard Ernst
in der Wilhelmstrasse

Ich hoffe, Sie können mit diesen im Zwilling zu den Gebäuden zusätzlich angezeigten Informationen etwas anfangen.

Kosten

Die Entwicklung von Software kostet Geld, keine Frage. Herauskommen kann gute oder schlechte Software, für viel oder wenig Geld. Wieviel Geld hat die Stadt Wiesbaden für dieses Projekt ausgegeben? Dazu möchte ich aus der FAZ zitieren:

Das ist nur eine der vielen Anwendungsmöglichkeiten, die der neue digitale Zwilling der Landeshauptstadt bietet. Auf dem Weg zur Smart City ist die Stadt damit einen großen Schritt vorangekommen.

Vom Land Hessen hat sie dafür rund 1,74 Millionen Euro an Fördergeld erhalten, die Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus (CDU) an Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) übergab. Damit unterstützt die Landesregierung die digitale Transformation in Wiesbaden insgesamt mit rund vier Millionen Euro.

Quelle: Wiesbaden hat nun einen Zwilling - Artikel in der FAZ vom 9.7.2025, S. 2

1,7 Millionen hat das Land Hessen dafür gegeben, die Stadt Wiesbaden hat aus Ihrem Haushalt auch einen Betrag dazu gegeben. Und das kommt dabei heraus.


Open Data

Könnte jemand anderes das besser machen als die Stadt Wiesbaden? Grundsätzlich ja, aber dazu müsste die Stadt Wiesbaden die Daten, auf denen der Zwilling basiert, freigeben, d.h. die Stadt Wiesbaden müsste diese Daten zum Download zur Verfügung stellen. Natürlich kostenlos, denn wenn Sie oder ich auf der Basis der Daten eine bessere Lösung entwickeln und zur Verfügung stellen, dann würden Sie oder ich für die Stadt Wiesbaden arbeiten. Und Sie oder ich sollen dafür auch noch Geld bezahlen?

Das Konzept dahinter nennt sich Open Data. Aber dieses Konzept ist in der Stadtpolitik in Wiesbaden nicht sehr beliebt. Man hat ja dann keine Kontrolle mehr über das, was damit gemacht wird.


OpenStreetMap

Eines der grossen Projekte im Internet ist OpenStreetMap:

OpenStreetMap (OSM) ist ein freies Projekt, das frei nutzbare Geodaten sammelt, strukturiert und für die Nutzung durch jedermann in einer Datenbank vorhält (Open Data). Diese Daten stehen unter einer freien Lizenz, der Open Database License. Kern des Projekts ist also eine offen zugängliche Datenbank aller beigetragenen Geoinformationen.

Aus diesen Daten können sowohl freie als auch kommerzielle Landkarten erstellt werden. Die auf der Projekt-Webseite gezeigten, rein aus eigenen Daten erstellten Karten sind Beispiele dafür. Die Daten können weiter kostenfrei in Druckerzeugnissen, auf Websites oder auch für Anwendungen wie Navigationssoftware sowie für Routenplaner genutzt werden, ohne durch restriktive Lizenzen beschränkt zu sein. Die OpenStreetMap-Lizenz legt fest, dass bei jeder Nutzung der Daten auf OSM als Datenquelle hingewiesen werden muss. Wer abgeänderte Datensätze verbreitet, muss sein Werk unter die gleiche Lizenz stellen.

Quelle: OpenStreetMap in der Wikipedia

Hier sehen Sie die Karte von Wiesbaden, erstellt in OpenStreetMap: Karte von Wiesbaden.

Sie sehen, die Stadt Wiesbaden nutzt im Rahmen von OpenData die Daten des Projekts OpenStreetMap, was sie darf. Aber stellt sie die unter Verwendung von Daten aus OpenStreetMap erstellten Daten auch zur weiteren Verwendung zur Verfügung?

Im Digitalen Zwilling können Sie die Verwendung von OpenStreetMap ausschalten, aber dann sieht die Stadt Wiesbaden auch schon einmal so aus:


Sie sehen, man braucht die Daten von OpenStreetMap im Zwilling.


Probleme

Vor einigen Tagen konnte man die Seite nicht aufrufen. So sah dies dann aus:


Und so nach 10 Minuten habe ich dann abgebrochen. Wen man eine solche Seite abschaltet, dann kann man auch eine Seite mit einem Hinweis (bitte mit guter Begründung) vorschalten. So wartet man und wartet und wartet, schimpft auf das Internet, den Internet-Provider, den eigenen Computer, ..... wo doch eigentlich die Stadt Wiesbaden das Problem verursacht hat. Bei Strassenbaumaßnahmen stellt die Stadt ja auch Schilder auf, meistens.


Fazit

Soviel Geld für solch eine Software? Schade um das Geld. Damit hätte man auch was Vernünftiges machen können. Hier in Wiesbaden gilt also weiterhin: Avanti Dilettanti!

Google KI meinte dazu:



Nachtrag

Zum Abschluß der Seite möchte ich Ihnen doch noch ein Bild zeigen. Das fand ich auch auf dem Zwilling:


Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus dem Zwilling, die Autobahn A66 bei Erbenheim. Ob der LKW die Böschung hochkommt? Ich bin mir sicher, daß im LKW ein Profi am Steuer sitzt.


Anmerkungen:
1) Klicken Sie bitte einmal auf eines der Bilder. Dann erscheint das Bild in groß

Dienstag, 10. Februar 2026

Besuchen Sie Wiesbaden


Am 15. März ist Kommunalwahl in Wiesbaden. Aus diesem Grund möchte ich mit diesem Text einen Aspekt der Stadtpolitik herausgreifen und den aktuellen Stand in diesem Teilbereich darstellen. Und natürlich wird dies ein Aspekt aus dem Bereich Digitalisierung sein.

Schlagworte kommen und gehen. Künstliche Intelligenz ist aktuell das angesagte Schlagwort. In der Vergangenheit waren es auch schon mal Schlagworte wie niederschwellige Angebote, Blockchain, Open Data usw. Ein weiteres Schlagwort in der Stadtpolitik lautet: Digitaler Zwilling. Und seit etlichen Monaten hat Wiesbaden einen Digitalen Zwilling.

Auf der Seite der Stadt Wiesbaden gibt es seit etlichen Wochen eine künstliche Intelligenz, Lilly genannt. Dieser können Sie Fragen stellen und Lilly beantwortet sie Ihnen. Auf meine Frage: "wo finde ich den Digitalen Zwilling der Stadt Wiesbaden?" erhielt ich folgende Antwort:


Also gut, versuchen wir es trotzdem. Da ich nur eine natürliche Intelligenz bin, sage ich Ihnen, wo Sie diesen Digitalen Zwilling der Stadt Wiesbaden finden, nämlich hier: Landeshauptstadt Wiesbaden - Urbaner Digitaler Zwilling.

Und so bejubelt die Stadtpolitik dieses Produkt, sofern die FAZ dies korrekt wiedergegeben hat:

Ein Klick reicht, und die digitale Karte präsentiert sämtliche Kindertagesstätten in Wiesbaden. Mit dem nächsten Klick auf das Symbol der ausgewählten Kita werden deren Name, die Betreuungsform, die Adresse und weitere Inhalte in einem Extrafenster angezeigt. Das ist nur eine der vielen Anwendungsmöglichkeiten, die der neue digitale Zwilling der Landeshauptstadt bietet. Auf dem Weg zur Smart City ist die Stadt damit einen großen Schritt vorangekommen.

Quelle: in der FAZ vom 9. Juli 2025, S. 2

Klingt doch gut, oder? Vor einem Jahr hatte ich hier auf diesem Blog bereits einen Text zu diesem Thema geschrieben: Vorsicht, herabfallende Dachteile. Es ist also an der Zeit, die Sache erneut zu betrachten. Vielleicht hat sich ja etwas getan.


Was ist ein digitaler Zwilling?

Aber erst will ich die Begriffe klären, wobei ein Blick in die Wikipedia meistens hilft:

Ein digitaler Zwilling (engl. digital twin) ist eine digitale Repräsentanz eines materiellen oder immateriellen Objekts aus der realen Welt in der digitalen Welt. Es ist unerheblich, ob das Gegenstück in der realen Welt bereits existiert oder zukünftig erst existieren wird. Digitale Zwillinge ermöglichen einen übergreifenden Datenaustausch. Sie bestehen aus Modellen des repräsentierten Objekts und können daneben Simulationen, Algorithmen und Services enthalten, die Eigenschaften oder Verhalten des repräsentierten Objekts beschreiben, beeinflussen, oder Dienste darüber anbieten.

Quelle: Digitaler Zwilling in der Wikipedia

Jetzt aber genug drumherum geschrieben. Wiesbaden hat auch einen Digitalen Zwilling. Und ich möchte Sie mitnehmen auf eine Reise zu den Sehenswürdigkeiten dieser Stadt, so wie sie die Stadt Wiesbaden sie in ihrem Digitalen Zwilling präsentiert.

Dies ist keine Werbebroschüre der Stadt Wiesbaden. So etwas finden Sie u.a. hier: Top 10 Orte in Wiesbaden.

Los geht die Reise zu einigen der Sehenswürdigkeiten von Wiesbaden, aber diese Reise findet nur digital statt.


Nerobergbahn

Eine der Sehenswürdigkeiten Wiesbadens ist die Nerobergbahn, deren Wagen per Wasserballast, also per Schwerkraft, den Berg hoch und runter gezogen werden. So sieht die Talstation im Zwilling aus:


Links unten im Bild sehen Sie die Talstation der Nerobergbahn. Aber was ist das rechts oben im Bild? Mitten auf den Gleisen der Bahn steht dort ein Haus - zumindest im Digitalen Zwilling.


Blick auf Wiesbaden

Oben auf dem Neroberg angekommen gehen Sie nur wenige Meter und geniessen Sie den Blick auf Wiesbaden:



Monopterus

Oben auf dem Berg finden Sie eine Säulenkonstruktion, den Monopterus, oder einfach der Nerobergtempel. So präsentiert die Stadt Wiesbaden dieses Tempelchen, zumindest im Zwilling:



Griechische Kapelle

Wenige Schritte unterhalb des Gipfels finden Sie die Griechische Kapelle, auch als Russisch-Orthodoxe Kirche bekannt. So wird sie im Zwilling dargestellt:



Rathaus

Verlassen wir den Berg und gehen in die Innenstadt. Wiesbaden hat ein schönes Rathaus, über dessen Renovierung schon länger gestritten, äh - ich meinte natürlich diskutiert wird. So schaut das aus:



Altes Rathaus

Von den Stufen des Rathauses (die Sie auf dem vorigen Bild kaum erkennen können) aus blicken Sie leicht nach links und sehen dort das Alte Rathaus, das seit Monaten renoviert wird. Hier sehen Sie es ohne Gerüst:



Schloss/Landtag

Ebenfalls von den Stufen des Rathauses aus sehen Sie das Stadtschloss Wiesbaden, heute Sitz des hessischen Landtages:

Das Gebäude wird aktuell renoviert. Damit ist man schon länger beschäftigt. Wenn Sie sich das Bild näher anschauen sehen Sie auch warum....


Museum

Wiesbaden hat zwei grosse Museen. Hier sehen Sie das Museum Wiesbaden, bekannt für seine Sammlung zu naturhistorischen Themen, aber auch etliche weitere Sammlungen und Ausstellungen. So sieht das Museum im Zwilling aus:



Kirchen

Wiesbaden hat sehenswerte Kirchen. Einige davon möchte ich Ihnen hier vorstellen, natürlich im Zwilling.

Marktkirche

Rechts von den Stufen des Rathauses aus finden Sie die Marktkirche. So wird sie im Zwilling präsentiert:



Ringkirche

Eine weitere grosse Kirche ist die Ringkirche:



Bonifatiuskirche

Und zum Abschluß dieser Reihe präsentiere ich Ihnen die Kirche St. Bonifatius:



Biebricher Schloß

Genug der Kirchen, bewegen wir uns an den Rhein. Dort finden Sie das Schloss Biebrich mit angrenzendem Park. So präsentiert sich das Schloss im Zwilling:


Manchmal lohnt es sich, etwas genauer hinzusehen:

Und nein, das Schloß wird aktuell nicht renoviert.


Kaiserbrücke

Ein Stück flussaufwärts findet man die Kaiserbrücke, eine wichtige Verbindung für Züge, Fußgänger und Radfahrer. So schaut diese Brücke aus:

Und noch etwas weiter flußaufwärts findet man dieses:


Ich bedaure es ausserordentlich, aber ich kann Ihnen nicht erklären, was über den Rasen und danach über den Rhein geführt wird.


Alte Hauptpost

In der Rheinstrasse finden Sie ein großes Gebäude, das heute das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur (HMWK) beheimatet. So schaut das aus:


Die älteren Leser erinnern sich vielleicht noch daran, daß in diesem Gebäude einmal die Hauptpost untergebracht war. Seit dem Auszug hat dieses Haus aber beachtlich gelitten, auf jeden Fall im Zwilling.

Nie wurde so deutlich gezeigt, wie öffentliche Armut und privater Reichtum aussehen.


Autostadt

In der Wiesbadener Stadtpolitik hat das Auto fast keine Freunde. Überall werden Spuren umgebaut oder umgewidmet, um Platz für Radfahrer, Lieferdienste etc. zu schaffen. Wiesbaden will ja Radfahrerstadt werden. Auch Parkplätze benötigt man nicht. Und die (z.T. notwendigen) Baumaßnahmen tragen dazu bei, daß Wiesbaden den Ruf einer Staustadt hat. Also verwundert es auch nicht, wenn Wiesbaden sein Straßennetz im Zwilling so präsentiert:

Zustand der Strassen in Wiesbaden (laut Zwilling)

Beim Autofahren ist in Wiesbaden Vorsicht angesagt. Aber in Zukunft wird alles gut, mindestens einmal besser:

Kowol1) kündigte als nächsten Schritt an, dass die oft noch statischen Daten [im Zwilling] dynamisch werden sollen. So könnte man etwa bei Baustellen künftig nicht nur deren Standort und die Dauer, sondern auch die aktuelle Verkehrssituation rund um die Baustelle und mögliche Umleitungen darstellen.

Quelle: in der FAZ vom 9. Juli 2025, S. 2


Zollspeicher

Vom Schloss aus flussaufwärts findet man den Zollspeicher. Seit mind. 10 Jahren wird über die Verwendung des Gebäudes in der Stadtpolitik diskutiert. So wird Ihnen das Haus präsentiert:


Ich muß Sie enttäuschen, das Haus sieht wirklich so aus. Und es war auch schon einmal Thema eines Textes auf diesem Blog: Touristen sind neugierig, im Abschnitt: Vorschlag.


Verantwortung

Wer ist denn nun in der Stadtpolitik für diesen Digitalen Zwilling verantwortlich? Wer hat den Hut auf?

Zu erst einmal gibt es in Wiesbaden ein Amt für Innovation, Organisation und Digitalisierung. Dieses Amt gehört zum Bereich von Dezernat II – Dezernat der Bürgermeisterin. Das Dezernat wird geführt von Frau Hinninger, ihres Zeichens Bürgermeisterin in Wiesbaden.

Daneben gibt es in Wiesbaden noch ein Dezernat für Smart City, das geleitet wird von Frau Maral Koohestanian, Dezernentin für Smart City, Europa und Ordnung.

Und ausserdem gibt es noch eine Stabsstelle Bürgerbeteiligung, Digitalisierung.

Sie sehen, zum Thema Digitalisierung gibt es in Wiesbaden viele Köche.


Fazit

Im Digitalen Zwilling verströmt Wiesbaden den Charme einer untergehenden Stadt. So oder so ähnlich soll es in den Städten der ehemaligen DDR ausgesehen haben, so gegen Ende der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Wie es mit diesem Staat weiter ging wissen Sie.


Ich trau mich nicht

Zum Abschluß dieses Textes wollte ich Ihnen noch das Haus einer Stadtpolitikerin zeigen, die innerhalb des Parlaments u.a. für das Thema Digitalisierung zuständig ist. Also das Haus, wie es sich im Zwilling darstellt. Aber ach, ich trau mich nicht.

Politiker sind ja so sensible Wesen, wie Bundeskanzler Merz vor kurzem festgestellt hat (siehe hier und hier). Und weil sie so sensibel sind, haben sie sich besonders geschützt: §188 StGB. Und auf der Basis dieses Paragraphen wurden schon Polizisten in Marsch gesetzt, um Wohnungen zu durchsuchen wegen Posts in diesem Neuland, ich meine natürlich dieses Internet. . Da ich aber morgens um 6 Uhr nicht gestört werden möchte, verzichte ich auf die Darstellung dieser Wohnung.

Aber ich bin nicht so sensibel. Ich verkrafte es, wenn ich Ihnen die bescheidene Hütte zeige, in der ich wohne:


So schaut es aus. Reich werde ich mit diesem Blog nicht, wie Sie sehen.


Erklärung

Alle Bilder in diesem Text stammen aus dem Digitalen Zwilling der Stadt Wiesbaden. Ausnahme ist lediglich das erste Bild, das die Unterhaltung mit Lilly zeigt, der künstlichen Intelligenz der Seite www.wiesbaden.de. Die Bilder auf dieser Seite sind nicht bearbeitet, verändert oder sonstwie retouchiert. Diese Bilder wurden aufgenommen von einer natürlichen Intelligenz, die am Computer saß und die Hardcopy-Funktion des Betriebssystems nutzte. Es war keine künstliche Intelligenz beteiligt.


Anmerkungen:
1) Herr Kowol ist Mitglied des Magistrats der Stadt Wiesbaden. Informationen zu seiner Person finden Sie hier: Dezernat V – Dezernat für Bauen und Verkehr.
Bitte fragen Sie mich nicht, warum Herr Kowol als nicht zuständiger Dezernent hier die Präsentation gemacht hat. Die Wege der Stadtpolitik in Wiesbaden sind unergründlich.

Sonntag, 1. Februar 2026

Blick nach Nordkorea


Diesmal ist das Thema dieses Blogs kein kommunalpolitisches, sondern es folgen einige Bilder und kleine Anmerkungen aus einer Tagesreise an die Grenze zwischen China und Nordkorea. Und ein Schwerpunkt dieses Textes ist ein vergangener Krieg.

Ausgangspunkt der Reise war die Stadt Shenyang im Nordosten Chinas, einer Stadt mit fast 10 Millionen Einwohnern. In dieser Stadt gibt es ein Unternehmen, das Flugzeuge entwickelt und baut: Shenyang Aircraft Corporation. Hier ein Beispiel einer alten MiG 21, die vermutlich in Shenyang in Lizenz gebaut wurde:


Von Shenyang im Nordosten Chinas, dem Ziel meiner Reise, ist es nicht allzu weit bis zur Grenze zu Nordkorea, so daß sich ein Ausflug an diese Grenze anbot. Auf der chinesischen Seite liegt die Stadt Dandong, eine Stadt mit etwa 2 Millionen Einwohner, direkt am Fluß Yalu Jiang (koreanisch: Amnokgang), der an dieser Stelle die Grenze zwischen China und (Nord-)Korea darstellt.


Bahnreise

Und da ja viel geschimpft wird auf die Deutsche Bahn, wollte ich einmal in China mit dem Zug fahren. Also keinem Vorortzug sondern schon mit einem schnellen Zug, einer Art chinesischem ICE. Und bei einer Bahnreise in China ist vieles anders als in Deutschland. Man muß bei diesen Fernzügen das Ticket vorab buchen, inkl. Angabe der Ausweisnummer (bei mir war das die Nummer des Reisepasses). Fahrkarten sind immer mit einer Sitzplatzreservierung verbunden. Wir waren dann etwa 1 Stunde vor Abfahrt des Zuges am Bahnhof in Shenyang, denn man kann nicht einfach so in den Zug einsteigen. Man wird kontrolliert: Ausweis vorlegen und das Ticket wird geprüft. Danach kommt eine Gepäck- und Personenkontrolle, fast so umfangreich wie an einem Flughafen. Das Gepäck wird durchleuchtet und die Personen gehen durch eine Schleuse und werden gescannt. Alles OK, jetzt können wir in den Zug einsteigen und fahren los. Wikipedia hat auch einen Text zu dieser Bahnstrecke: Schnellfahrstrecke Shenyang–Dandong. Nach etwa 1.5 Stunden kamen wir dann in Dandong an.


Krieg

In der Kürze der Zeit konnte ich nicht viele Eindrücke von der Stadt Dandong gewinnen. Aber ein Thema in der Stadt war der Korea-Krieg: Korea-Konflikt. Direkt am Fluss findet man bereits ein Denkmal:



Blick nach Nordkorea

Eine nicht zu übersehende Stelle ist die Chinesisch-koreanische Freundschaftsbrücke. Diese Brücke wurde im Krieg von amerikanischen Flugzeugen zerstört, um den Nachschub aus China für die nordkoreanischen Truppen abzuschneiden.


Etliche Jahre später wurde eine neue Brücke parallel zur alten Brücke gebaut.

Durch die Brücke selbst, als auch durch diverse Flussrundfahrten, ist es Touristen möglich, einen Blick nach Nordkorea zu werfen.

Quelle: Chinesisch-koreanische Freundschaftsbrücke

Und das wollte ich dann auch machen. Hier folgen jetzt einige meiner Bilder von Nordkorea, aufgenommen vom Schiff auf der Flußmitte:







Blick auf China

Die andere Seite des Flusses gehört zu China. So sieht das Flussufer auf dieser Seite aus:




Fazit

Ich habe keinen Fuß auf nordkoreanischen Boden gesetzt.

Wenn man einen Blick von der Flußmitte auf das nordkoreanische Ufer wirft, wieviel von Nordkorea erkennt man dann? Gewinnt man Einblicke in das Leben in Nordkorea? Wie fällt der Vergleich zwischen der chinesischen und der nordkoreanischen Seite aus?

Nun, wenn Sie in Biebrich in ein Schiff einsteigen und eine Tour bis Ingelheim machen und von dort wieder zurück, wieviel Einblicke in das Leben in Rheinland-Pfalz gewinnen Sie dann? Trotzdem möchte ich die Bootsfahrt nicht missen.

Und wie immer auf diesem Blog gilt: Ein Urteil bilden Sie sich bitte selbst.

Ein Klick auf die Bilder zeigt Ihnen diese in vergrösserter Form an. Ich konnte nicht dichter ran an ein Motiv auf nordkoreanischer Seite.

Und diese Flußfahrten werden für Chinesen gemacht, nicht für westliche Touristen.


Museum

Natürlich gibt es in Dandong ein Museum zum Thema Korea-Krieg, da dieser Krieg ein prägendes Ereignis war. Also habe ich dieses Museum besucht.


An der Eingangstür findet man diesen Satz:


Im Museum gab es verschiedene Darstellungen von Schlachten, natürlich der (aus chinesischer Sicht) erfolgreichen Schlachten und der Heldentaten der koreanischen und chinesischen Soldaten. Davon habe ich aber keine Fotos gemacht. Aber zur Einstimmung der Besucher gab es folgende Hinweise:



Das Schlusswort der Ausstellung lautete dann wie folgt:


Und nach der chinesischen Darstellung des Krieges möchte ich auf den Verlauf des Krieges über die Jahre verweisen: Kriegsverlauf.


Zurück nach Shenyang

Zurück nach Shenyang ging es wieder mit der Bahn, die manche Abschnitte mit über 200 km/h fuhr, dabei waren die Erfahrungen die gleichen wie bei der Hinreise.

Zur Zeit meines Besuches herrschten in Shenyang Temperaturen von -15°C tagsüber und -25°C in der Nacht. Da fühlt man sich zwar nicht wie in Deutschland, aber bei diesem Schild dann doch wieder:


Irgendwie fühlen sich diese kommunistischen Länder doch etwas preussisch an.

Und ein klein wenig schmunzeln musste ich, als ich in einem Einkaufszentrum in Shenyang auf dieses Geschäft stiess:


Eine "grüne Partei" in China. Warum nicht, in Shenyang gab es auch eine SPD-Bank. Im Laden verkaufen sie irgendwelchen Krims-Krams.