Dienstag, 10. Februar 2026

Besuchen Sie Wiesbaden


Am 15. März ist Kommunalwahl in Wiesbaden. Aus diesem Grund möchte ich mit diesem Text einen Aspekt der Stadtpolitik herausgreifen und den aktuellen Stand in diesem Teilbereich darstellen. Und natürlich wird dies ein Aspekt aus dem Bereich Digitalisierung sein.

Schlagworte kommen und gehen. Künstliche Intelligenz ist aktuell das angesagte Schlagwort. In der Vergangenheit waren es auch schon mal Schlagworte wie niederschwellige Angebote, Blockchain, Open Data usw. Ein weiteres Schlagwort in der Stadtpolitik lautet: Digitaler Zwilling. Und seit etlichen Monaten hat Wiesbaden einen Digitalen Zwilling.

Auf der Seite der Stadt Wiesbaden gibt es seit etlichen Wochen eine künstliche Intelligenz, Lilly genannt. Dieser können Sie Fragen stellen und Lilly beantwortet sie Ihnen. Auf meine Frage: "wo finde ich den Digitalen Zwilling der Stadt Wiesbaden?" erhielt ich folgende Antwort:


Also gut, versuchen wir es trotzdem. Da ich nur eine natürliche Intelligenz bin, sage ich Ihnen, wo Sie diesen Digitalen Zwilling der Stadt Wiesbaden finden, nämlich hier: Landeshauptstadt Wiesbaden - Urbaner Digitaler Zwilling.

Und so bejubelt die Stadtpolitik dieses Produkt, sofern die FAZ dies korrekt wiedergegeben hat:

Ein Klick reicht, und die digitale Karte präsentiert sämtliche Kindertagesstätten in Wiesbaden. Mit dem nächsten Klick auf das Symbol der ausgewählten Kita werden deren Name, die Betreuungsform, die Adresse und weitere Inhalte in einem Extrafenster angezeigt. Das ist nur eine der vielen Anwendungsmöglichkeiten, die der neue digitale Zwilling der Landeshauptstadt bietet. Auf dem Weg zur Smart City ist die Stadt damit einen großen Schritt vorangekommen.

Quelle: in der FAZ vom 9. Juli 2025, S. 2

Klingt doch gut, oder? Vor einem Jahr hatte ich hier auf diesem Blog bereits einen Text zu diesem Thema geschrieben: Vorsicht, herabfallende Dachteile. Es ist also an der Zeit, die Sache erneut zu betrachten. Vielleicht hat sich ja etwas getan.


Was ist ein digitaler Zwilling?

Aber erst will ich die Begriffe klären, wobei ein Blick in die Wikipedia meistens hilft:

Ein digitaler Zwilling (engl. digital twin) ist eine digitale Repräsentanz eines materiellen oder immateriellen Objekts aus der realen Welt in der digitalen Welt. Es ist unerheblich, ob das Gegenstück in der realen Welt bereits existiert oder zukünftig erst existieren wird. Digitale Zwillinge ermöglichen einen übergreifenden Datenaustausch. Sie bestehen aus Modellen des repräsentierten Objekts und können daneben Simulationen, Algorithmen und Services enthalten, die Eigenschaften oder Verhalten des repräsentierten Objekts beschreiben, beeinflussen, oder Dienste darüber anbieten.

Quelle: Digitaler Zwilling in der Wikipedia

Jetzt aber genug drumherum geschrieben. Wiesbaden hat auch einen Digitalen Zwilling. Und ich möchte Sie mitnehmen auf eine Reise zu den Sehenswürdigkeiten dieser Stadt, so wie sie die Stadt Wiesbaden sie in ihrem Digitalen Zwilling präsentiert.

Dies ist keine Werbebroschüre der Stadt Wiesbaden. So etwas finden Sie u.a. hier: Top 10 Orte in Wiesbaden.

Los geht die Reise zu einigen der Sehenswürdigkeiten von Wiesbaden, aber diese Reise findet nur digital statt.


Nerobergbahn

Eine der Sehenswürdigkeiten Wiesbadens ist die Nerobergbahn, deren Wagen per Wasserballast, also per Schwerkraft, den Berg hoch und runter gezogen werden. So sieht die Talstation im Zwilling aus:


Links unten im Bild sehen Sie die Talstation der Nerobergbahn. Aber was ist das rechts oben im Bild? Mitten auf den Gleisen der Bahn steht dort ein Haus - zumindest im Digitalen Zwilling.


Blick auf Wiesbaden

Oben auf dem Neroberg angekommen gehen Sie nur wenige Meter und geniessen Sie den Blick auf Wiesbaden:



Monopterus

Oben auf dem Berg finden Sie eine Säulenkonstruktion, den Monopterus, oder einfach der Nerobergtempel. So präsentiert die Stadt Wiesbaden dieses Tempelchen, zumindest im Zwilling:



Griechische Kapelle

Wenige Schritte unterhalb des Gipfels finden Sie die Griechische Kapelle, auch als Russisch-Orthodoxe Kirche bekannt. So wird sie im Zwilling dargestellt:



Rathaus

Verlassen wir den Berg und gehen in die Innenstadt. Wiesbaden hat ein schönes Rathaus, über dessen Renovierung schon länger gestritten, äh - ich meinte natürlich diskutiert wird. So schaut das aus:



Altes Rathaus

Von den Stufen des Rathauses (die Sie auf dem vorigen Bild kaum erkennen können) aus blicken Sie leicht nach links und sehen dort das Alte Rathaus, das seit Monaten renoviert wird. Hier sehen Sie es ohne Gerüst:



Schloss/Landtag

Ebenfalls von den Stufen des Rathauses aus sehen Sie das Stadtschloss Wiesbaden, heute Sitz des hessischen Landtages:

Das Gebäude wird aktuell renoviert. Damit ist man schon länger beschäftigt. Wenn Sie sich das Bild näher anschauen sehen Sie auch warum....


Museum

Wiesbaden hat zwei grosse Museen. Hier sehen Sie das Museum Wiesbaden, bekannt für seine Sammlung zu naturhistorischen Themen, aber auch etliche weitere Sammlungen und Ausstellungen. So sieht das Museum im Zwilling aus:



Kirchen

Wiesbaden hat sehenswerte Kirchen. Einige davon möchte ich Ihnen hier vorstellen, natürlich im Zwilling.

Marktkirche

Rechts von den Stufen des Rathauses aus finden Sie die Marktkirche. So wird sie im Zwilling präsentiert:



Ringkirche

Eine weitere grosse Kirche ist die Ringkirche:



Bonifatiuskirche

Und zum Abschluß dieser Reihe präsentiere ich Ihnen die Kirche St. Bonifatius:



Biebricher Schloß

Genug der Kirchen, bewegen wir uns an den Rhein. Dort finden Sie das Schloss Biebrich mit angrenzendem Park. So präsentiert sich das Schloss im Zwilling:


Manchmal lohnt es sich, etwas genauer hinzusehen:

Und nein, das Schloß wird aktuell nicht renoviert.


Kaiserbrücke

Ein Stück flussaufwärts findet man die Kaiserbrücke, eine wichtige Verbindung für Züge, Fußgänger und Radfahrer. So schaut diese Brücke aus:

Und noch etwas weiter flußaufwärts findet man dieses:


Ich bedaure es ausserordentlich, aber ich kann Ihnen nicht erklären, was über den Rasen und danach über den Rhein geführt wird.


Alte Hauptpost

In der Rheinstrasse finden Sie ein großes Gebäude, das heute das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur (HMWK) beheimatet. So schaut das aus:


Die älteren Leser erinnern sich vielleicht noch daran, daß in diesem Gebäude einmal die Hauptpost untergebracht war. Seit dem Auszug hat dieses Haus aber beachtlich gelitten, auf jeden Fall im Zwilling.

Nie wurde so deutlich gezeigt, wie öffentliche Armut und privater Reichtum aussehen.


Autostadt

In der Wiesbadener Stadtpolitik hat das Auto fast keine Freunde. Überall werden Spuren umgebaut oder umgewidmet, um Platz für Radfahrer, Lieferdienste etc. zu schaffen. Wiesbaden will ja Radfahrerstadt werden. Auch Parkplätze benötigt man nicht. Und die (z.T. notwendigen) Baumaßnahmen tragen dazu bei, daß Wiesbaden den Ruf einer Staustadt hat. Also verwundert es auch nicht, wenn Wiesbaden sein Straßennetz im Zwilling so präsentiert:

Zustand der Strassen in Wiesbaden (laut Zwilling)

Beim Autofahren ist in Wiesbaden Vorsicht angesagt. Aber in Zukunft wird alles gut, mindestens einmal besser:

Kowol1) kündigte als nächsten Schritt an, dass die oft noch statischen Daten [im Zwilling] dynamisch werden sollen. So könnte man etwa bei Baustellen künftig nicht nur deren Standort und die Dauer, sondern auch die aktuelle Verkehrssituation rund um die Baustelle und mögliche Umleitungen darstellen.

Quelle: in der FAZ vom 9. Juli 2025, S. 2


Zollspeicher

Vom Schloss aus flussaufwärts findet man den Zollspeicher. Seit mind. 10 Jahren wird über die Verwendung des Gebäudes in der Stadtpolitik diskutiert. So wird Ihnen das Haus präsentiert:


Ich muß Sie enttäuschen, das Haus sieht wirklich so aus. Und es war auch schon einmal Thema eines Textes auf diesem Blog: Touristen sind neugierig, im Abschnitt: Vorschlag.


Verantwortung

Wer ist denn nun in der Stadtpolitik für diesen Digitalen Zwilling verantwortlich? Wer hat den Hut auf?

Zu erst einmal gibt es in Wiesbaden ein Amt für Innovation, Organisation und Digitalisierung. Dieses Amt gehört zum Bereich von Dezernat II – Dezernat der Bürgermeisterin. Das Dezernat wird geführt von Frau Hinninger, ihres Zeichens Bürgermeisterin in Wiesbaden.

Daneben gibt es in Wiesbaden noch ein Dezernat für Smart City, das geleitet wird von Frau Maral Koohestanian, Dezernentin für Smart City, Europa und Ordnung.

Und ausserdem gibt es noch eine Stabsstelle Bürgerbeteiligung, Digitalisierung.

Sie sehen, zum Thema Digitalisierung gibt es in Wiesbaden viele Köche.


Fazit

Im Digitalen Zwilling verströmt Wiesbaden den Charme einer untergehenden Stadt. So oder so ähnlich soll es in den Städten der ehemaligen DDR ausgesehen haben, so gegen Ende der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Wie es mit diesem Staat weiter ging wissen Sie.


Ich trau mich nicht

Zum Abschluß dieses Textes wollte ich Ihnen noch das Haus einer Stadtpolitikerin zeigen, die innerhalb des Parlaments u.a. für das Thema Digitalisierung zuständig ist. Also das Haus, wie es sich im Zwilling darstellt. Aber ach, ich trau mich nicht.

Politiker sind ja so sensible Wesen, wie Bundeskanzler Merz vor kurzem festgestellt hat (siehe hier und hier). Und weil sie so sensibel sind, haben sie sich besonders geschützt: §188 StGB. Und auf der Basis dieses Paragraphen wurden schon Polizisten in Marsch gesetzt, um Wohnungen zu durchsuchen wegen Posts in diesem Neuland, ich meine natürlich dieses Internet. . Da ich aber morgens um 6 Uhr nicht gestört werden möchte, verzichte ich auf die Darstellung dieser Wohnung.

Aber ich bin nicht so sensibel. Ich verkrafte es, wenn ich Ihnen die bescheidene Hütte zeige, in der ich wohne:


So schaut es aus. Reich werde ich mit diesem Blog nicht, wie Sie sehen.


Erklärung

Alle Bilder in diesem Text stammen aus dem Digitalen Zwilling der Stadt Wiesbaden. Ausnahme ist lediglich das erste Bild, das die Unterhaltung mit Lilly zeigt, der künstlichen Intelligenz der Seite www.wiesbaden.de. Die Bilder auf dieser Seite sind nicht bearbeitet, verändert oder sonstwie retouchiert. Diese Bilder wurden aufgenommen von einer natürlichen Intelligenz, die am Computer saß und die Hardcopy-Funktion des Betriebssystems nutzte. Es war keine künstliche Intelligenz beteiligt.


Anmerkungen:
1) Herr Kowol ist Mitglied des Magistrats der Stadt Wiesbaden. Informationen zu seiner Person finden Sie hier: Dezernat V – Dezernat für Bauen und Verkehr.
Bitte fragen Sie mich nicht, warum Herr Kowol als nicht zuständiger Dezernent hier die Präsentation gemacht hat. Die Wege der Stadtpolitik in Wiesbaden sind unergründlich.