Es ist eine längere Geschichte, das WLAN am Weinstand in Wiesbaden-Erbenheim. Und sie endete jetzt.
In diesem Jahr gab es zwei Aktionen mit WLAN am Weinstand: die erste Aktion fand am 1. Mai 2026 statt, die zweite am 14. August 2026, jeweils am Weinstand betrieben von der SPD. Hier finden Sie die Ankündigung aller Weinstand-Termine in Erbenheim: Weinstandtermine 2026.
Und bei der Aktion am 14. August wurde das WLAN so genutzt:
Das waren in der Spitze 14 angemeldete Handies. Über die Öffnungszeit des Weinstandes wurden etwa 1.3 GB an Daten über das WLAN übertragen, die sich so verteilten:
Die erste Aktion Wein-LAN gab es im Jahre 2016, die Aktion lief somit über 11 Jahre. Ziel war, für die Diskussion mit der Stadtpolitik belastbare Zahlen zu Sinn und Nutzung eines öffentlichen WLANs zu bekommen. Also:
- wieviele Nutzer gibt es in einem solchen WLAN
- welche Datenmengen werden übertragen
- wie hoch sind die Kosten eines WLAN-Angebots
Und da diese Aktion 20mal durchgeführt wurde, gab es jede Menge solcher Daten, die auch hier dokumentiert wurden.
Allerdings interessierte sich niemand in der Stadtpolitik für diese Daten. Diskussionen mit Vertretern der Stadtpolitik zum Thema öffentliches WLAN verliefen zäh und schliefen bald ein. Für unsere Stadtpolitiker war es kein Thema und bald überhaupt kein Thema mehr.
Zwar gab es irgendwann ein WLAN am Rathaus, aber das haben wir wohl mehr der Initiative von Sven Gerich (damaliger Oberbürgermeister in Wiesbaden) zu verdanken, als der Einsicht der Stadtpolitik. Und danach kam auch nicht mehr viel, manchmal gab es Lippenbekenntnisse.
Wahlkampf
Nur in Wahlkämpfen tauchte das Thema auf. Hier ein Auszug aus Wahlprogrammen der entsprechenden Kommunalwahlen in Wiesbaden::- 2011
- SPD: Die SPD Wiesbaden wird prüfen, ob an markanten Orten (Hauptbahnhof, Parkanlagen, Rathaus, Freibäder) der Stadt kostenlose W-LAN-Zugänge zum Internet zur Verfügung gestellt werden können.
- 2016
- CDU: Die CDU forderte die flächendeckende Einrichtung eines kostenlosen, öffentlichen WLAN-Zugangs an allen zentralen Plätzen, stark frequentierten Fußgängerzonen und wichtigen Örtlichkeiten im Wiesbadener Stadtgebiet.
- SPD: WLAN ist ein wichtiges Hilfsmittel, um den Besuchern unserer Stadt aber auch den Bürgern den Zugang zum Internet zu ermöglichen. Mit der Einführung eines kostenlosen und öffentlich zugänglichen WLAN Hotspots am Wiesbadener Rathaus und an der Mauritius-Mediathek wurde der erste Schritt getan. Damit geben wir uns jedoch nicht zufrieden. Die SPD Wiesbaden wird an allen öffentlichen Einrichtungen dieser Stadt (Schulen, Ortsverwaltungen, Stadtbücherei, Ämter mit Besucherverkehr,....) als auch an größeren Bushaltestellen und mindestens in jedem Ortsteil die Einrichtung eines kostenloses und öffentlich zugängliches WI(esbaden)-LAN Hotspots prüfen und nach und nach umsetzen.
- 2021
- CDU: Die CDU will endlich ein kostenloses öffentliches WLAN-Netz an zentralen Plätzen der Stadt.
- SPD: Wir werden weitere kostenfreie WLAN-Hotspots in Wiesbaden einrichten. Ziel ist die Abdeckung der gesamten Fußgängerzone.
- 2026
- CDU: Wir wollen digitale Teilhabe für alle ermöglichen – durch kostenfreies WLAN und niedrigschwellige Bildungsangebote.
- Wie groß ist der Aufwand/Kosten?
- Wird das WLAN angenommen? Wie stark wird es angenommen?
Sie sehen, das Thema öffentliches WLAN spielte durchaus eine Rolle, zumindest in den Wahlprogrammen. Ansonsten war es ohne Bedeutung.
Eine erste Bilanz zur Aktion
2019 hatte ich erstmals eine Bilanz der Aktion Wein-LAN gezogen. Mein damaliges Fazit lautete:Fazit
Für die Diskussion mit der Stadtpolitik zum Thema WLAN wollten wir mit der Aktion Wein-LAN Fakten liefern:
Diese Zahlen haben wir in den vergangenen 4 Jahren bei 8 Weinständen gesammelt. Allerdings interessierte sich die Politik dieser Stadt nicht dafür. Da kannste ach em Ochs ins Horn petze.
Quelle: Da kannste ach em Ochs ins Horn petze (Wein-LAN #8: Auswertung)
Bis zum Jahr 2019 hatten wir nur 8 solcher Aktionen durchgeführt, heute sind es 20 Weinstand-Tage mit angebotenem WLAN. Geändert hat sich nichts. Die Stadtpolitik interessiert sich noch weniger für dieses Thema als damals (=2019).
Heute
Im Jahre 2026 sind die Bedingungen anders als im Jahre 2016. Heute gibt es nur noch Internet-fähige Handies und fast jeder Bürger hat eines. Man benötigt einen Vertrag für den Internetzugang, aber die Preise und die Leistungen sind heute völlig anders als noch im Jahre 2016. Internetzugang für ein Handy gibt es schon für 5€ für 4 Wochen, wobei ein Datenvolumen von 20 GB enthalten ist. Das sind etwas mehr als 1 € pro Woche, wobei ich auch schon günstigere Angebote gesehen habe. Das ist kein Vergleich zum Jahr 2016.Benötigt man heute noch Freifunk?
Technisch beruhte unser WLAN am Weinstand auf Freifunk-Software und dem Freifunk-Netz. Diese Software funktionierte. Bedienung (also Anmeldung am WLAN) war denkbar einfach.Benötigt man Freifunk heute noch? Nein und ja.
Nein, denn bei diesen Preisen kann sich wirklich jeder einen Internetzugang leisten und ein älteres Handy ist als gebrauchtes Gerät auch preiswert zu haben (und bietet einen Internetzugang).
Ja: heute muß ja alles überwacht werden. Und die EU will sowieso wissen, was Sie so schreiben und welche Internetseiten Sie so aufrufen. Macht sie nicht? Warten sie es ab, es kommt so sicher wie das Amen in der Kirche. Und dafür braucht man Freifunk, denn dort wird Ihr Internetverhalten anonymisiert.
Fazit
Gute Idee, an diesem Weinstand WLAN anzubieten. Aufgabe angenommen und realisiert, aber das dahinterstehende Ziel nicht erreicht. Na gut.Aber es gibt eine Menge weiterer Punkte im Bereich IT, die auch schon auf diesem Blog angesprochen wurden. Digitalisierung hat in der Stadtpolitik einen immensen Stellenwert, wenn man einem Stadtpolitiker zuhört. Es gibt aber nur wenig vorzeigbare Ergebnisse. Dabei leben in Wiesbaden etliche Menschen mit Ideen, auch im Bereich IT. Allerdings wird daraus irgendwie nix, alles bleibt Kleinkram. Und die Stadtpolitik? Die hat ein Amt geschaffen, das grosse Lösungen für uns entwickelt, das Amt für Innovation, Organisation und Digitalisierung. Da kommt die Innovation vom Amt und deshalb wird jetzt alles gut.

