Dienstag, 21. Juli 2026

Stadt zieht positive Bilanz


Jubel. Jubelt doch endlich mal. Na gut, dann jubelt die Stadt Wiesbaden eben selbst. Und zwar zum Digitalen Zwilling, den sie vor etwa einem Jahr freigeschaltet hat. Mit diesem Digitalen Zwilling können wir Bürger, aber auch die Stadtpolitik und die Stadtverwaltung uns den aktuellen Stand und die Entwicklungen in dieser Stadt ansehen und beurteilen.

Nehmen wir doch ein Beispiel heraus: Aktuell sieht der Digitale Zwilling ein Haus an der Nerobergbahn so:


Das Bild ist eine Hardcopy, aufgenommen an meinem Computer am 13. Juli 2026 und nicht bearbeitet. So sieht die gesamte Strecke der Nerobergbahn in diesem Zwilling aus:


Wenn Sie nun etwas näher ranzoomen sehen Sie das idyllische gelegene Haus, das mitten auf den Gleisen der Nerobergbahn steht, also in einer Top-Lage. Wie fährt denn da die Bahn? Da hilft nichts, Sie schauen sich das bitte in der Wirklichkeit an, fahren also ins Nerotal und bewundern diese Bahn. Und dann erkennen Sie, daß ich Ihnen Fake News präsentiere, da auf den Gleisen kein Haus steht und somit die Bahn problemlos bergauf und bergab fahren kann. Allerdings bitte ich Sie zu bedenken, daß ich mir diese Fake News nicht ausgedacht habe. Diese Fake News habe ich dem Digitalen Zwilling der Stadt Wiesbaden entnommen, werden Ihnen somit von der Stadt Wiesbaden präsentiert.

Ein Jahr nach der Veröffentlichung des Digitalen Zwillings Wiesbaden zieht die Landeshauptstadt Wiesbaden eine positive Bilanz. Das virtuelle Abbild der Stadt hat sich zu einem wichtigen Werkzeug für Planung, Beteiligung und Information entwickelt und bietet damit konkreten Nutzen für Verwaltung, Politik und Stadtgesellschaft.

Quelle: Pressemitteilung der Landeshauptstadt Wiesbaden 22. Juni 2026

Seit über einem Jahr gibt es diesen Digitalen Zwilling, und (fast) niemand stört sich an solch einem Bild wie dem Haus auf den Gleisen der Nerobergbahn. Insbesondere ändert niemand etwas an dieser Darstellung. Auch stört sich die Stadtpolitik nicht an dieser Darstellung. Naja, ist ja auch eine Sehenswürdigkeit, ein Haus auf den Gleisen einer aktiven Bahn (Fake News).

„Der Digitale Zwilling ist das digitale Nervensystem der Smart City. Er verknüpft Daten, schafft ein gemeinsames Lagebild und ermöglicht es Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Stadtgesellschaft auf einer gemeinsamen Wissensbasis zusammenzuarbeiten. Nach einem Jahr sehen wir deutlich: Wer Daten teilt und intelligent vernetzt, schafft die Grundlage für eine nachhaltigere und lebenswertere Stadt“, erklärt Smart-City-Dezernentin Maral Koohestanian.

Quelle: Pressemitteilung der Landeshauptstadt Wiesbaden 22. Juni 2026

Das Lagebild möchte ich erweitern und präsentiere Ihnen deshalb eine weitere Ansicht des gleichen Hauses im Zwilling:


Das wäre die Sicht von oben, also vom Berg aus in Richtung der Talstation. Sie sehen, daß das Haus deutlich auf den Gleisen steht.

„Der Digitale Zwilling hilft uns dabei, Planungen frühzeitig sichtbar zu machen und ihre Auswirkungen besser zu bewerten. Gerade bei komplexen Verkehrs- und Infrastrukturprojekten schafft er eine neue Grundlage für faktenbasierte Entscheidungen und eine transparente Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern“, sagt Bau- und Verkehrsdezernent Andreas Kowol.

Quelle: Pressemitteilung der Landeshauptstadt Wiesbaden 22. Juni 2026

Das Bild zeigt Ihnen ein einfaches Verkehrs- und Infrastrukturproblem, dem sich der Verkehrsdezernent der Stadt Wiesbaden annehmen sollte. Aber möglicherweise ist dieses Problem nicht komplex genug, um sich damit zu beschäftigen.

Von der Seite sieht das Haus übrigens so aus:


Man muß ja befürchten, daß das Haus gleich den Hang hinunterrutscht.

Inzwischen bildet der Digitale Zwilling ein breites Spektrum städtischer Themen ab: von Basisdaten über Verkehr und Infrastruktur bis hin zu Umwelt, Klima und Energie. Auch soziale Aspekte, Bildung, Freizeit und Kultur sind integriert. Ergänzt wird das Angebot durch Inhalte zur Öffentlichkeitsbeteiligung sowie historische Pläne, die die Entwicklung der Stadt im Zeitverlauf nachvollziehbar machen. Diese thematische Vielfalt ermöglicht es, unterschiedliche Perspektiven auf die Stadt zusammenzuführen und komplexe Zusammenhänge sichtbar zu machen. Der Digitale Zwilling entwickelt sich damit zunehmend zu einer zentralen Plattform für Information, Planung und Beteiligung.

Quelle: Pressemitteilung der Landeshauptstadt Wiesbaden 22. Juni 2026

Gehört die Nerobergbahn zur Infrastruktur oder zu Tourismus? Eigentlich spielt dies keine Rolle, so wie es aussieht gehört es in keinen Fachbereich.

Der Digitale Zwilling Wiesbaden wird innerhalb der Wiesbadener Verwaltung bereichsübergreifend entwickelt und beruht auf einer Kooperation der Wiesbadener Stadtvermessung im Tiefbau- und Vermessungsamt und dem Referat für Smart City sowie auf der Mitwirkung mehrerer Fachbereiche der Stadtverwaltung.

Quelle: Pressemitteilung der Landeshauptstadt Wiesbaden 22. Juni 2026

Bereichsübergreifend heißt, ein Amt schiebt die Verantwortung auf das nächste Amt, und getan wird nichts. Auch gut (finde ich nicht).

Nur der Vollständigkeit halber möchte ich Ihnen das Haus von der anderen Seite zeigen:


Nun haben Sie einen Blick von allen Seiten auf dieses Haus.

Der Digitale Zwilling der Stadt Wiesbaden beruht auf Daten der Stadtverwaltung, die in dieser Software Zwilling umgesetzt werden. Die Stadt Wiesbaden hat schöne Daten von Wiesbaden.


Mehr Bilder

Sie möchten weitere Bilder aus dem Digitalen Zwilling sehen? Sie möchten also wirklich sehen, wie die Stadt Wiesbaden sich in diesem Zwilling präsentiert? Da empfehle ich Ihnen, selbst auf dem Zwilling nachzusehen: Landeshauptstadt Wiesbaden - Digitaler Zwilling.

Ausserdem kann ich Sie auch auf weitere Seiten auf diesem Blog verweisen:

Andere Städte können es besser: Wo bleibt das Positive?.


Fazit

Künftig können sich Bürgerinnen und Bürger zudem mithilfe von 360-Grad-Visualisierungen ein realistisches Bild ... machen.

Quelle: Pressemitteilung der Landeshauptstadt Wiesbaden 22. Juni 2026

Sie können dies heute schon, sich ein realistisches Bild machen. Die 360° Ansicht des Hauses auf den Gleisen habe ich Ihnen hier geliefert.

Verstehen Sie jetzt, warum an manchen Stellen dieser Stadt das Chaos so groß ist? Wenn auf der Basis dieses Zwillings die Stadtentwicklung geplant wird, was kann dann dabei herauskommen?.


Bürgersteige hochklappen

Wiesbaden hat den Ruf, daß am späten Nachmittag die Bürgersteige hochgeklappt werden. Nicht nur das, auch die Gleise am Hauptbahnhof werden hochgeklappt. Bitte sehr, hier der Beleg:



Persönliche Erklärung

Mein Berufsleben habe ich in der IT-Branche verbracht, Schwerpunkt war Software-Entwicklung. Hätte ich die Aufgabe bekommen, einen Digitalen Zwilling zu entwickeln und dann dieses Ergebnis abgegeben, dann hätte man mich gefeuert.

Montag, 8. Juni 2026

Lilli, oh Lilli


Schlagworte kommen (und gehen). Ein recht neues Schlagwort ist der Begriff künstliche Intelligenz, und da will man in Wiesbaden dabei sein. So gibt es auf der Seite der Stadt Wiesbaden ( = Wiesbaden für dich) auch eine künstliche Intelligenz, Lilli genannt:


Es handelt sich um einen Chatbot, dem man Fragen stellen kann und man erhält eine Antwort. Also frage ich Lilli mal und schaue mir die Antworten an. Und zur Einführung darf sich Lilli selbst vorstellen1):


Na gut, im zweiten Versuch klappte es dann.

Aktuell finden in der Stadtpolitik Gespräche mit dem Ziel statt, eine Regierung zu bilden. Dazu wollte ich gerne wissen, wie die Sitzverteilung im Stadtparlament aussieht. Lilli dazu2):


Die Wahl war am 15. März, das ist schon ein paar Wochen her. In der Zwischenzeit könnte man dies durchaus wissen, aber es ist halt diese Wiesbaden-Geschwindigkeit.

Gehe ich auf die Suchen-Funktion auf dieser Seite, so kann diese es auch nicht3):


Wonach hatte ich eigentlich gefragt? Also nicht nach dem Palasthotel. Also versuche ich es mit der allgemeinen Frage4):


Also das könnte man am 3. Juni 2026 schon wissen.

Aktuell wird über den Umgang mit der AfD im Parlament, in den Ausschüssen und in den Ortsbeiräten diskutiert. Da frage ich doch mal Lilli, welche AfD-Vertreter im Stadtparlament sitzen5):


Gut, immerhin weiß Lilli, daß es Stadtverordnete der AfD gibt. Und für die Details befrage ich dann PIWi: Stadtverordnetenversammlung.

Aus den Reihen der Stadtverordneten wurde ein Vorsteher und mehrere Stellvertreter gewählt. Da frage ich doch mal Lilli6):


Die Regierung in der Stadt besteht aus dem Oberbürgermeister und hauptamtlichen Dezernenten. Lilli lieferte hier die korrekten Namen. Also frage ich etwas detaillierter nach7):


PIWi kennt die Namen und nennt auch die Parteizugehörigkeit: Magistrat. Das ist grundsätzlich kein Problem, aber für Lilli ist es eins. Und deshalb frage ich mal die KI von Google8):


Geht doch. Nur Lilli zickt so rum.

Und als politisch interessierter Bürger Erbenheims gehe ich natürlich zur Sitzung des Ortsbeirats. Wann tagt dieses Gremium das nächste Mal? Ich frage Lilli9):


Die Wahl war am 15. März 2026. Fragen wir doch mal PIWi:


Alles bekannt, nur nicht für Lilli. Und wie lauten nun die Mitglieder dieses Gremiums10):


Kennt keine Namen, verweist aber auf die nächste Sitzung dieses Gremiums am 17. Juni 2025. Fragt man über Suchen-Funktion auf dieser Seite erhält man folgende Antwort11):


Naja, ist auch ein Verweis auf einen Termin in 2025. Und die Liste der Mitglieder erhalte ich auch nicht.


Eliza

Kennen Sie Eliza? Das meinte die Google-KI dazu:


Wikipedia hat auch einen ausführlichen Text dazu: ELIZA. Das ist schon 60 Jahre her. Auf den ersten PCs Ende der 70er Jahre haben wir damit rumgespielt. Die Antworten waren lustiger und informativer als die Antworten von Lilli heute. In diesen 50 (oder 60) Jahren hat sich doch viel getan, aber in Wiesbaden ist noch nicht viel davon angekommen.


Karl Klammer

Erinnern Sie sich noch an Karl Klammer? Das war damals von Microsoft ein Versuch, eine Hilfestellung beim Schreiben von Text mit Word zu geben. Dazu schreibt Wikipedia: Karl Klammer (Microsoft). Andere Zeitungen waren da nicht so höflich und zurückhaltend: Karl Klammer: Die Geschichte der Büroklammer, die alle hassten.

Karl Klammer war nervig, drängelte sich überall vor und rein, wußte alles besser, aber nichts richtig. Irgendwie kommt mir das bekannt vor. Und Lilli kann man zwar zurückdrängen, aber nicht abschalten. Irgendwo lugt dieser Chatbot dann doch wieder hervor.

Es hat etwas gedauert, aber Microsoft hat diesen Chatbot wieder entfernt.


Fazit

Lilli ist der Versuch, künstliche Intelligenz in Wiesbaden einzuführen. Naja. Auf mich wirkt Lilli eher künstlich, aber dafür wenig intelligent.



Anmerkungen:
1) Hardcopy aufgenommen am 8. Mai 2026, überprüft am 3. Juni 2026
2) Hardcopy aufgenommen am 8. Mai 2026
3) Hardcopy aufgenommen am 2. Juni 2026
4) Hardcopy aufgenommen am 3.Juni 2026
5) Hardcopy aufgenommen am 3. Juni 2026
6) Hardcopy aufgenommen am 3. Juni 2026
7) Hardcopy aufgenommen am 3. Juni 2026
8) Hardcopy aufgenommen am 3. Juni 2026
9) Hardcopy aufgenommen am 3. Juni 2026
10) Hardcopy aufgenommen am 8. Mai 2026
11) Hardcopy aufgenommen am 8. Mai 2026

Freitag, 22. Mai 2026

Heidenmauer/Römertor


Das älteste erhaltene Bauwerk Wiesbadens ist die Heidenmauer, die vermutlich über 1.600 Jahre alt ist. Wie präsentiert die Stadt Wiesbaden einen solchen Schatz? In der digitalisierten Form präsentiert die Stadt Wiesbaden dieses Bauwerk so:


Das ist der Blick vom Parkhaus Coulinstrasse auf dieses Bauwerk. Von der anderen Seite sieht es so aus:


Das ist der Blick von der Webergasse/Saalgasse her kommend auf das Bauwerk.

Fehlen noch 2 Blickwinkel. Bitte sehr:


Das ist der Blick vom Schulberg. Von der Langgasse her wird das Bauwerk so präsentiert:


Zur Vollständigkeit fehlt nur noch der Blick von oben:


Alle bisher gezeigten Aufnahmen entstammen dem Digitalen Zwilling, den die Sadt Wiesbaden uns zur Verfügung stellt. Sie finden diese Darstellung der Stadt Wiesbaden in digitaler Form hier: Landeshauptstadt Wiesbaden - Digitaler Zwilling. Leider kann ich Ihnen keinen direkten Link zur Darstellung der Heidenmauer in diesem Zwilling angeben, da Ihnen die Seite diese Möglichkeit nicht bietet. Wie kommen Sie nun zu dieser Darstellung? Nun, auf dieser Seite gibt es eine Suchleiste, in der Sie bitte den Text "Heidenmauer" oder "Römertor" eingeben. Und bitte geben sie die Vorgaben ohne die Anführungszeichen ein. Dann werden Ihnen die entsprechenden Möglichkeiten angeboten. Bei Ihnen tut sich nichts? Dann verwenden Sie bitte die Suchen-Funktion rechts oben auf dieser Seite.

Die Stadt Wiesbaden präsentiert auf Ihrer Internetseite die Heidenmauer so:

Die "Heidenmauer" wurde lange Zeit als Teil einer Verteidigungsanlage angesehen. Neuere Interpretationen gehen hingegen davon aus, dass es sich um einen Teil eines römischen Aquäduktes aus dem dritten Jahrhundert nach Christus handelt, über das Wasser aus den Taunushöhen in die Stadt geleitet wurde.

Das Römertor wurde 1902 beim Straßendurchbruch der historischen Mauer als eine überdachte Holzbrücke errichtet.

Im Römischen Freilichtmuseum neben dem Römertor sind Kopien von in Wiesbaden gefundenen Steintafeln aus der Römerzeit ausgestellt.

Quelle: Heidenmauer mit Römertor

Dies ist der gesamt Text zu diesem Bauwerk auf der Seite der Stadt Wiesbaden. Deshalb bewerte dies als eine bescheidene Erläuterung. Wikipedia informiert Sie da besser:

Die Heidenmauer ist das bekannteste römische Denkmal in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden, dem römischen Aquae Mattiacorum. Sie wurde nach bisheriger Ansicht um 370 n. Chr. unter Kaiser Valentinian I. errichtet und ist damit das älteste erhaltene Bauwerk der Stadt.

Quelle: Heidenmauer (Wiesbaden).

Auf der Wikipedia-Seite finden Sie eine umfangreiche Darstellung, wovon ich nur die ersten Zeilen zitiert habe. Nun sind sie umfassend informiert, so daß ich Ihnen noch die Heidenmauer und das Römertor in der analogen Sicht zeigen möchte.

Vor Ort finden Sie eine Tafel mit einigen Informationen:


Aber nun zeige ich Ihnen das Bauwerk von der Seite des Parkhauses Coulinstrasse:


Und das ist der Blick von der Saalgasse/Webergasse her:


Sie sehen, das Bauwerk sieht doch ansprechend aus. Fragen Sie mich bitte nicht, warum die Stadt Wiesbaden das Bauwerk in ihrer Darstellung so vermurkst. Aber jeder halt so gut er kann.

Montag, 18. Mai 2026

Wiesbaden-Geschwindigkeit


PIWi ist eine Internetseite, auf der man Informationen zur Stadtpolitik in Wiesbaden finden kann. Also kein Klatsch, Tratsch, Geheimnisse, aber Termine von Sitzungen und die entsprechende Tagesordnung, Zusammensetzung der Gremien, gefasste Beschlüsse usw. Und an dieser Seite möchte ich Ihnen zeigen, wie der Stand der Digitalisierung in Wiesbaden ist. Das von mir gewählte Beispiel ist sicherlich nur ein kleiner Ausschnitt des grossen Schlagwortes Digitalisierung, aber man erkennt daran, wie der Stand ist.

Das sagt PIWi über sich:


Am 15. März fand die Kommunalwahl statt. Nun ist das Wahlverfahren nicht so einfach, weshalb die Auszählung einige Tage dauerte. Und für das Stadtparlament gab es einen Platz, der erst nach erneuter Auszählung vergeben werden konnte. Auch gab es einen Fall von Unstimmigkeiten bei der Auszählung der Wahlzettel für einen Ortsbeirat, weshalb dort ein Teil der Wahl wiederholt werden muß. Praktisch alle Ergebnisse lagen nach einigen Tagen vor. Sie könnten eigentlich in PIWi eingetragen werden. Eigentlich.

Die Stadt Wiesbaden hat eine eigene Internetseite zur Präsentation von Ankündigungen, Hinweisen, Tipps etc. Dort findet man seit etlichen Monaten einen Chatbot, Lily genannt. Es handelt sich hier um eine künstliche Intelligenz, der man Fragen stellen kann und die diese Fragen beantwortet. Also habe ich mal Lily gefragt, wie die Ergebnisse für den Ortsbeirat Erbenheim aussehen. Das war der Dialog:


Diese Frage habe ich am 28. April 2026 gestellt, also etwa 6 Wochen nach dem Wahltermin. Und Lily konnte mir darauf keine Antwort geben.

Dabei fand bereits am 14. April eine Sitzung dieses Ortsbeirates statt. Dort wurden Vorsitzender und Stellvertreter gewählt, und auch ein Beschluss gefasst. Was sagt PIWi dazu:


Dieses Bild habe ich an meinem Computer am 28. April aufgenommen, also etwa 14 Tage nach der Sitzung. D.h. die Sitzung fand statt und 14 Tage später kennt das Informationssystem der Stadt Wiesbaden immer noch nicht die Tagesordnung.

Zur Sitzung wurde eingeladen, per Mail oder Brief. Wir als normale Bürger finden im PIWi vor der Sitzung nichts dazu. Kennt PIWi die Mitglieder des Ortsbeirates? Schauen wir doch einfach mal in PIWi nach:


Das sind die laut PIWi bekannten Mitglieder des Ortsbeirates. Nun hat der Ortsbeirat Erbenheim 15 Mitglieder, davon sind PIWi aber nur 8 Mitglieder bekannt. Wie kann da eine Einladung erfolgen? Auch diese Hardcopy habe ich am 28. April gemacht. Da hat die Sitzung aber bereits stattgefunden, es wurden Wahlen durchgeführt und auch ein erster Beschluß wurde gefasst. Aber nicht laut PIWi.


Fazit

Den Begriff der Wiesbaden-Geschwindigkeit kennen Sie vielleicht. Mit diesem Wort beschreibt man die Geschwindigkeit, mit der Entscheidungen in der Wiesbaden Stadtpolitik getroffen und diese Entscheidungen umgesetzt werden. Die von mir genannten Beispiele sind Belege für diese Geschwindigkeit. Dies ist nur ein Beispiel dafür, denn es gibt viele Beispiele, wie in der Stadtpolitik Dinge bearbeitet werden, auch ausserhalb der Digitalisierung. Aber das Thema auf diesem Blog hier ist halt IT, weshalb ich hier ein Beispiel aus diesem Bereich nehme.

Am 30. April war PIWi dann aktuell, zumindest bis zu diesem Tag.

Man darf einfach nicht zuviel verlangen.


Nachtrag

Am 30. April war PIWi wieder aktuell. Heute haben wir ein ganz anderes Datum, und ich berichte erst jetzt über die Probleme. Ich habe also auch ein paar Tage gebraucht.....

Da habe ich mich wohl auch schon an diese Wiesbaden-Geschwindigkeit gewöhnt.

Mittwoch, 6. Mai 2026

Wo bleibt das Positive?


Immer wieder finden Sie Kritik hier auf dieser Seite, zuletzt am Digitalen Zwilling der Stadt Wiesbaden. Aber gibt es auch was Positives? Kann man einen solchen Digitalen Zwilling auch vernünftig bauen? Oder schreibe ich auf diesem Blog nur (möglichst) vernichtende Kritiken? Also habe ich mich umgesehen, wie andere Städte einen Digitalen Zwilling bauen. Und hier zeige ich Ihnen dies an 3 Beispielen.


Etteln

Dies ist eine kleine Gemeinde in Westfalen mit etwa 2.000 Einwohnern, Wikipedia hat einige Informationen zu diesem Ort: Etteln.

Folgende Nachricht führte mich zu diesem Ort:

Wer im Ortsteil Etteln der Gemeinde Borchen ein Auto braucht, bekommt es von der Gemeinde. Zumindest kann man sich dort einen siebensitzigen Elektrokleinbus leihen – kostenlos! Auch ein E-Lastenrad können sich die Einwohner gratis borgen. Buchbar sind die Fahrzeuge über die App des Dorfes. Diese dient auch als digitaler Marktplatz und Kommunikationsplattform. Außerdem profitieren die Ansässigen von einem Stromtarif, der immer 30 Prozent günstiger ist als der Preis für die Grundversorgung.

Quelle: Das digitalste Dorf der Welt liegt in Deutschland vom 18. September 2025 in Golem

Das digitalste Dorf der Welt? Der ganzen Welt? Und das in Deutschland? Wie kommt man zu dieser Aussage? Dazu gibt es folgende Beschreibungen:


Bei soviel Euphorie möchte ich doch noch eine zweite Meinung hören:


Es gibt auch eine eigene Internetseite dazu: Digitaler Dorf Zwilling Etteln.

Zum Projekt Digitaler Dorf Zwilling schreibt die Gemeinde:

Projektinhalte

In dem geförderten Projekt werden 5G-basierte Anwendungen aus dem städtischen Umfeld adaptiert und erfolgreich in ländliche Regionen übertragen. Auf einer Open Data Plattform werden alle digitalen Insellösungen zusammengeführt. In Verbindung mit einem virtuellen Modell des Dorfes Etteln entsteht ein digitaler Zwilling.

Mehr zum Projekt erfahren Sie unter www.didoz.de.

Projektziele

Ziele des Projektes sind die Verbesserung der Lebensqualität der Bürger:innen, die Steigerung der Attraktivität des Dorfes Etteln und die Reduzierung der kommunalen Kosten. Die Erfahrungen und Lösungen aus Etteln werden im ersten Schritt den anderen Ortsteilen der Gemeinde Borchen als Blaupause zur Verfügung gestellt. Weitere ländliche Regionen sollen bundesweit folgen.

Quelle: Digitaler Dorf Zwilling (DiDoZ) Etteln

Schauen wir uns den Digitalen Zwilling doch einmal an. Hier finden Sie diesen: Digitaler Zwilling der Gemeinde Etteln. Ah, der gleiche Anbieter, die gleiche Technik wie in Wiesbaden. Und man findet auch nach kurzem Suchen die gleichen Probleme wie in Wiesbaden.

Naja, wenn das das digitalste Dorf der Welt sein soll .....

Wobei diese Lösung nicht nur aus der Internetseite mit der Darstellung der Gemeinde besteht. Dazu gehört u.a. auch die Eigeninitiative bei der Verlegung von Glasfaser ("Leerrohre für Glasfaser verlegen? Machen wir nicht." lautete die Aussage bei entsprechenden Diskussionen in Wiesbaden. Immer.). WLAN im Ort, Batterie für die lokal erzeugte Strommenge, Sensoren für diverse Werte, die dann auch allgemein abrufbar sind, da kommt mehr dazu als nur ein Digitaler Zwilling. Damit ist Etteln schon ein Stück weit anderen Kommunen voraus.


Darmstadt

Auch Darmstadt hat einen Digitalen Zwilling, den Sie hier finden: Darmstadt 3D.

In der FAZ fand ich einen Bericht dazu:

DARMSTADT 3D-Modell mit allen Gebäuden

Die Stadt Darmstadt erschafft sich einen digitalen Zwilling. Der erste Schritt dazu ist schon getan, die Stadt hat ein Modell erstellen lassen, das im Internet abrufbar ist (https://3D.darmstadt.de). In Zukunft sollen dem Modell, nach Angaben der Verwaltung, noch weitere Informationen hinzugefügt werden, zum Beispiel Angaben zum Energieverbrauch und Klimadaten.

Quelle: Digital durch Darmstadt fliegen in der FAZ vom 9.12.2025 (Paywall)

Hier finden Sie diesen Zwilling: Darmstadt 3D. Und so schaut dies aus:


Das schaut doch schon mal gut aus. Und vergleichen Sie dieses Bild bitte mit den entsprechenden Bildern vom Biebricher Schloss im Wiesbadener Digitalen Zwilling, zu finden hier. Allerdings gibt es auch im Darmstädter Zwilling Bilder mit kaputten Häusern (sog. Artefakte), aber man muß sie ziemlich suchen. Im Wiesbadener Modell sind sie offensichtlich, im Darmstädter Modell müssen Sie genauer hinsehen.

Von Darmstadt gibt es jetzt ein aktuelles, volltexturiertes, dreidimensionales Stadtbild. Wie die hessische Kommune mitteilt, wurde Darmstadt 3D vom städtischen Vermessungsamt erstellt. Es basiere auf Luftaufnahmen, die im März 2025 angefertigt wurden sowie Laserscandaten aus dem Jahr 2019. Das maßstabsgetreue Modell bildet das gesamte Stadtgebiet in hoher Detailtiefe ab, heißt es von Seiten der Kommune. Es umfasst Gebäude samt Dachformen, Straßen, Bäume und Geländeformen sowie hochaufgelöste, ortsbezogene Luftbilder. Ergänzend ermöglichen Schrägluftaufnahmen aus allen Himmelsrichtungen einen Blick aus der Vogelperspektive. Der Zugriff erfolgt barrierefrei über gängige Webbrowser.

Quelle: Darmstadt 3D Grundgerüst für Urbanen Zwilling

Eine Anwendung des Digitalen Zwillings möchte ich Ihnen zeigen:

Starkregengefahrenkarten Darmstadt

Um die potenzielle Gefährdung durch Starkregen zu ermitteln, wurden im Auftrag des Amts für Klimaschutz und Klimaanpassung der Wissenschaftsstadt Darmstadt Starkregengefahrenkarten erstellt. Die Karten wurden durch das Darmstädter Büro Dahlem Beratende Ingenieure erzeugt und durch das Vermessungsamt als Onlineanwendung aufbereitet.

Quelle: Darmstadt 3D Starkregengefahrenkarte

Und so sieht die Sache mit dem Starkregen im Darmstädter Zwilling aus:


So kann sich jeder Hausbesitzer und jeder Mieter ansehen, ob er nasse Füße bekommt bzw. Wasser in seinen Keller eindringt, wenn es einmal heftig regnet. Hier im Blog hatte ich mich auch schon dazu geäussert: Starkregen-Abflussberechnungen Wäschbach. Dies war zwar schon vor fast 6 Jahren, ist aber bis heute noch nicht in den Wiesbadener Zwilling eingeflossen.


Zürich

Schauen wir einmal ausserhalb der deutschen Grenze, schauen wir uns einmal Zürich an. Auch dort gibt es einen Digitalen Zwilling:

Virtuell, dreidimensional, gratis: Die Stadt Zürich gibt ihr 3-D-Stadtmodell frei

Die Stadt Zürich stellt ihren virtuellen Stadtplan ab sofort gratis und frei zur Verfügung. Das hilft Planern und Architektinnen, bietet aber auch viele Möglichkeiten für Nachbarn eines Neubauprojekts und die Open-Data-Bewegung.

Quelle: Virtuell, dreidimensional, gratis: Die Stadt Zürich gibt ihr 3-D-Stadtmodell frei vom 12.11.2018, leider hinter einer Paywall.

Und so begründet die Stadt Zürich diese Aktion:

3D-Stadtmodell

Gleiten Sie aus beliebigen Blickwinkeln durch den digitalen Zwilling der Stadt. So lassen sich Gebäude, Bäume, Wälder und Brücken einfach visualisieren.

Quelle: Stadt Zürich 3D Stadtmodell

Und hier finden Sie dann das Modell: Zürich virtuell. So schaut es aus:


Nun war ich noch nie in Zürich und kann Ihnen deshalb keine Sehenswürdigkeit empfehlen. Also habe ich mir das Rathaus als Beispiel genommen, das sich im Zwilling so präsentiert:



Natürlich gibt es zu jedem Gebäude auch Zusatzinformationen:


Das sind mehr Informationen zu diesem Gebäude als dies der Wiesbadener Zwilling liefert. Selbst über innerstädtische Bäume können Sie Informationen abrufen:


Solche Informationen finden Sie in Wiesbaden nicht.

Auf einen weiteren Aspekt dieses Digitalen Zwillings möchte ich Sie hinweisen: Sie können die Daten, die diesem Zwilling zugrunde liegen, selbst anfordern, ansehen und auf der Basis dieser Städtischen Informationen eine eigene Lösung bauen. Hier finden Sie den Hinweis dazu:

Produktebeschreibung 3D-Stadtmodell

Das digitale 3D-Stadtmodell von Geomatik + Vermessung ist flächendeckend über das gesamte Gemeindegebiet verfügbar.

Seit dem 1. Januar 2018 stehen die Daten des 3D-Stadtmodells kostenlos und zur freien Nutzung zur Verfügung (Open Government Data OGD) und stehen via Externer Link:Geoportal zum Download bereit.

Weitere Datenformate des 3D-Stadtmodells können über das Kontaktformular angefragt und bezogen werden. Die dabei anfallenden Aufwände werden in Rechnung gestellt.

Quelle: Produktebeschreibung 3D-Stadtmodell

Und genau dies habe ich im März 2025 gemacht, d.h. ich habe einen Datensatz angefordert. Am nächsten Tag erhielt ich eine Mail mit folgendem Inhalt:

Sehr geehrte/r Datenbesteller/in

Vielen Dank für Ihre Bestellung, welche erfolgreich bearbeitet wurde. Sie können die bestellten Daten während der nächsten zwei Tage über den folgenden Link auf Ihren Computer herunterladen: https://www.ogd.stadt-zuerich.ch/geoportal_download/e5cbXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX.zip

Für Ihr Feedback danken wir Ihnen.

Freundliche Grüsse

Stadt Zürich

Nach dem Download der verlinkten Datei1) fand ich darin eine Datei mit Namen bestellung.txt mit diesem Inhalt:

Sie haben folgende Bestellung aufgegeben:
Name des Geodatensatzes: Bauten - Kombinierte Darstellung heute
Name des Ausschnittes: stzh
Ausschnitt (falls definiert): 2676224.694, 1241584.105, 2689665.812,1254306.233
Zeitpunkt der Bearbeitung: 24.03.2025 - 14:07

Quelle: Datei bestellung.txt in der Datenlieferung

Dies alles ohne Nachfrage oder Probleme. Und in meinem Fall war dies kostenfrei. Das nennt man Open Data. Bitte erzählen Sie dies nicht den Stadtpolitikern in Wiesbaden.


Fazit

Es geht doch, man kann einen Digitalen Zwilling bauen, der nicht als abschreckendes Beispiel verwendbar ist. Und man kann in einem solchen Zwilling zusätzliche und nützliche Informationen unterbringen, wie des Darmstadt am Beispiel Starkregen gezeigt hat, Etteln zeigt dies sogar mit Live-Daten, und Zürich zeigt vernünftige Daten zu Gebäuden an.

In Wiesbaden dauert das alles noch.


"Wo bleibt das Positive?"

Vor etwa 95 Jahren wurde diese Frage bereits gestellt. Erich Kästner hat sie so beantwortet:

Und immer wieder schickt ihr mir Briefe,
in denen ihr, dick unterstrichen, schreibt:
»Herr Kästner, wo bleibt das Positive?«
Ja, weiß der Teufel, wo das bleibt.

Quelle: Und wo bleibt das Positive, Herr Kästner?




Anmerkungen:
1) Die Datei hatte eine Größe von ca. 150 MB, entpackt waren dies dann ca.1,7 GB.

Montag, 9. März 2026

Digitaler Zwilling der Stadt Wiesbaden


Die Selbstdarstellung der Stadt Wiesbaden in der digitalen Welt ist schon etwas eigentümlich, um es höflich auszudrücken. Dieses Thema ist halt Neuland, um einmal Frau Merkel zu zitieren.

In meinem vorigen Text hatte ich bereits einige Sehenswürdigkeiten präsentiert, wie man sie in diesem "Digitalen Zwilling" der Stadt Wiesbaden findet. Das waren aber nicht alle, es gibt noch viele, viele solcher "Sehenswürdigkeiten" in diesem Zwilling zu entdecken. Diesmal präsentiere ich Ihnen einige Fehlfunktionen in dieser Software, und auch hier wieder ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Aber erst einmal möchte ich die Befürworter dieses Angebots zu Wort kommen lassen. So kündigt die Stadt Wiesbaden diesen Digitalen Zwilling an:

Wiesbaden startet mit urbanem Digitalen Zwilling in die digitale Stadtplanung

Mit dem Digitalen Zwilling lassen sich räumliche Veränderungen simulieren, Planungsprozesse visualisieren und komplexe Sachverhalte anschaulich darstellen. So können in Zukunft Auswirkungen von Bauvorhaben auf Schattenwurf oder Hochwasserrisiken untersucht, Verkehrsflüsse analysiert oder stadtklimatische Entwicklungen nachvollzogen werden. Auch individuelle Fragestellungen, etwa zur Eignung von Dachflächen für Solaranlagen, lassen sich beantworten.

Quelle: Wiesbaden startet mit urbanem Digitalen Zwilling in die digitale Stadtplanung

Aus dem Rathaus gibt es eine weitere Darstellung des Digitalen Zwillings:

Entdecken Sie die Stadt Wiesbaden im Internet

Im Internet gibt es eine Art Stadtplan von Wiesbaden.
Aber es ist kein gewöhnlicher Stadtplan.
Der Stadtplan kann viel mehr.
Er ist wie eine Kopie von Wiesbaden im Internet.
Der Name ist Urbaner Digitaler Zwilling.

Quelle: Entdecken Sie die Stadt Wiesbaden im Internet

Auf YouTube gibt es auch einen Film, in dem dieser Zwilling dargestellt wird:


Auch die Stadträtin Frau Koohestanian hat sich auf Facebook dazu geäussert: Kennt ihr schon den digitalen Zwilling unserer Stadt? Sie mögen Facebook nicht? Oder Sie haben keinen Account auf Facebook? Dem Link können Sie trotzdem folgen und sich die Präsentation von Frau Koohestanian ansehen. Sie müssen einfach die Fragen und Aufforderungen wegklicken.

Genug der Erfolgsmeldungen. Ich will nachsehen, was es mit diesem Angebot auf sich hat. Schauen wir es uns doch einfach an und bitte folgen Sie mir dabei auf dieser Reise durch diesen Digitalen Zwilling der Stadt Wiesbaden. Bei meinem letzten Text (siehe: Besuchen Sie Wiesbaden) hatte ich Ihnen einige der "Sehenswürdigkeiten" von Wiesbaden gezeigt, in Bildern. Diesmal wird es mehr Text und weniger Bilder geben.


Stichproben

Sie haben die Ankündigungen gelesen. Glauben Sie das alles, was da verkündet wird? Ich finde, man sollte solche Aussagen einfach nachprüfen, und sei es auch nur in Stichproben. Also beginnen wir unsere Expedition in diesen Digitalen Zwilling: Wir beginnen mit dem Aufruf der Internetseite mit dem Zwilling:

Landeshauptstadt Wiesbaden - Urbaner Digitaler Zwilling.

Schauen Sie sich doch einmal das Haus an, in dem Sie wohnen. Auf der Seite des Zwillings können Sie in die Karte rein zoomen, die Ansicht drehen, den Blickwinkel ändern usw., bis Sie Ihr Haus gefunden haben. Aber es gibt auch eine Suchen-Funktion, erkennbar am Lupen-Symbol. Hier geben Sie Strassennamen und Hausnummer ein. Bitte achten Sie darauf, daß Sie den Namen korrekt eingeben, denn Schreibfehler verzeiht Ihnen das System nicht. Lediglich auf Groß- oder Kleinschreibung brauchen Sie nicht zu achten. Danach zoomt die Software auf die gewünschte Strasse und Sie können sich das Haus ansehen.

Nach Ihren Eingaben tut sich nichts? Kein Problem, denn auf dieser Seite gibt es eine zweite Suchen-Funktion. In einem solchen Fall verwenden Sie bitte diese.

Es dauert, es ruckelt? Sie brauchen schon einen leistungsfähigen Computer, um mit diesem Zwilling zu arbeiten. Bei meinem Computer läuft der Lüfter an, wenn ich die Seite mit dem Zwilling aufrufe. Normalerweise ist der Computer leise, denn der Lüfter ist aus, aber beim Zwilling läuft der Lüfter los. Da muß die CPU wohl was arbeiten. Und mein Computer ist nicht der langsamste. Ihr Computer hat eine geringere Rechenleistung? Dann fassen Sie sich bitte in Geduld. Und manchmal geht auf dieser Seite nichts, dann ist das halt so. Oder die Software verliert die Orientierung und Sie landen irgendwo. Das ist doch jedem von uns schon mal passiert, daß man sich verirrt und die Orientierung verliert, warum auch nicht mal einem Computer. Ist doch nur menschlich.

Wie sieht Ihr Haus denn nun aus? Wie wird es dargestellt in diesem Zwilling? Ist das Dach noch drauf oder schon heruntergefallen? Sind die Fenster alle da? Oder ist Ihr Haus sanierungsbedürftig? In meinem letzten Text hatte ich am Ende das Haus abgebildet, in dem ich wohne, d.h. ich hatte ein Bild präsentiert, wie dieses Haus im Zwilling dargestellt wird. Ob das Haus noch sanierungsfähig ist?

Laut Zwilling ist die Bausubstanz in der Stadt Wiesbaden ein Sanierungsfall. Überall.


Schummerung

Auf der linken Seite des Bildes gibt es ein Menü. Dort können Sie Informationen ein- und ausblenden. Dort bin ich auf das Wort Schummerung gestossen. Ein Begriff, der mir erst einmal nichts sagte, weshalb ich dann Wikipedia befragte:

Eine Schummerung ist eine Flächentönung, mit der in der Kartografie ein räumlicher Eindruck der relativen Höhenunterschiede des Geländes erzeugt wird. Die Schattierungen entstehen meist durch die Beleuchtung mit einer imaginären Lichtquelle.

Quelle: Schummerung in der Wikipedia

Den Effekt kannte ich, den Namen aber nicht.

Schalten Sie bitte diesen Effekt im Zwilling einmal ein, dann sehen Sie nach einigen Sekunden diesen Effekt der Schummerung. Nun schalten Sie bitte wieder zurück, indem Sie das Häkchen entfernen. Sie sehen, Sie kommen nicht wieder zurück. Hier möchte ich Ihnen diesen Effekt (d.h. Schummerung ein und danach wieder aus) am Beispiel des Rathauses zeigen:

Verschiedene Darstellungen des Rathauses1)
ursprüngliches Bild Schummerung eingeschaltet und danach wieder ausgeschaltet

Und plötzlich steht das Rathaus auf einer Landkarte von Wiesbaden.


Internetadressen

Gerne hätte ich bei meinem vorigen Text die jeweilige Internetadresse zu den Bildern angegeben, damit Sie direkt die entsprechende Stelle aufrufen können. Sie hätten somit überprüfen können, ob meine Darstellungen korrekt sind. Sonst denken Sie noch, ich würde Fake News verbreiten oder hätte Bilder mit Unterstützung einer KI erzeugt. Grundsätzlich geht eine Angabe von Internetadressen in solchen Karten- oder Bilddarstellungen. Dies geht praktisch überall, aber leider nicht auf der Seite des Zwillings der Stadt Wiesbaden. Hierzu zwei Beispiele:

Schauen Sie doch einmal bitte hier: https://wiesbaden.maps.sensor.community/#13/50.0723/8.2533. Auf dieser Seite finden Sie Luftmeßstationen, die Ihnen Daten zur Feinstaubbelastung in Wiesbaden liefern. Sowohl die Meßstationen als auch diese Seite werden von Privatleuten betrieben, und Sie sehen, daß man nicht von einer Weltkarte ausgehen muß, um dann nach Wiesbaden zu suchen.

Gehen wir zu einem professionellen Anbieter, zu Google. Und hier kommen Sie auf Google Maps direkt zur Karte von Wiesbaden: https://www.google.de/maps/@50.0765771,8.2549853,13.13z.

Beim Zwilling von Wiesbaden erhalten Sie immer diese Adresse, egal welche Stelle Sie aufrufen: https://wiesbaden.virtualcitymap.de/#/. Deswegen kann ich Ihnen zwar Bilder aus dem Zwilling zeigen, aber zwecks Prüfung kann ich Sie nur bitten, selbst auf dieser Internetseite zu suchen.

Privatleute können dies (siehe Luftdaten), Profis können dies (siehe Google Maps), die Stadt Wiesbaden kann es nicht.


Parkhäuser

Auch für Bürger mit Auto bietet der Zwilling etwas:

Auch Daten für Verkehr und Infrastruktur können abgerufen werden. So ist es möglich, Parkhäuser zu finden, inklusive der aktuell freien Stellplätze, Bewohnerparkgebiete, Standorte von E-Ladesäulen, Carsharing-Standorte und Radwege. „Heute machen wir einen großen Sprung, was die grafische Aufbereitung und Veranschaulichung dieser Informationen angeht“, sagte Kowol.

Quelle: Wiesbaden hat nun einen Zwilling - Artikel in der FAZ vom 9.7.2025, S. 2

Schauen wir uns doch einmal solch eine Anzeige im Zwilling an:


Die Zahl der freien Stellplätze wird angezeigt, aber was sollen die leeren Zusatzinformationen?

Auch so etwas finden Sie im Zwilling:


Ich bewerte diese Informationen als nicht sehr hilfreich.

Auch im Ansatz bereits geht diese Darstellung an der Sache vorbei. Angenommen, Sie kommen als Auswärtiger nach Wiesbaden, mit dem Auto. Wissen Sie dann, daß im Zwilling die Parkhäuser mit freien Kapazitäten angezeigt werden? Und wissen Sie, wo Sie diese Informationen finden? Sie stellen sich dann mit dem Auto an den Strassenrand und suchen diese Information in Ihrem Smartphone? Wirklich? Und dann fehlt Ihnen als Auswärtigem noch die Navigationsfunktion, oder kennen Sie sich als Auswärtiger so gut aus in Wiesbaden, daß Sie jetzt mit dem Auto den Weg ins Parkhaus finden?


Zusatzinformationen

Nicht nur zu Parkhäusern, zu allen Gebäuden können Sie zusätzliche Informationen abrufen. Einfach auf ein Gebäude klicken und es erscheinen die zusätzliche Informationen zu diesem Gebäude. Hier möchte ich Ihnen einige Beispiele zeigen:

Zusätzliche Informationen zu Gebäuden1)
Ministerium für Wissenschaft und Forschung
in der Rheinstrasse
Rathaus Museum Reinhard Ernst
in der Wilhelmstrasse

Ich hoffe, Sie können mit diesen im Zwilling zu den Gebäuden zusätzlich angezeigten Informationen etwas anfangen.

Kosten

Die Entwicklung von Software kostet Geld, keine Frage. Herauskommen kann gute oder schlechte Software, für viel oder wenig Geld. Wieviel Geld hat die Stadt Wiesbaden für dieses Projekt ausgegeben? Dazu möchte ich aus der FAZ zitieren:

Das ist nur eine der vielen Anwendungsmöglichkeiten, die der neue digitale Zwilling der Landeshauptstadt bietet. Auf dem Weg zur Smart City ist die Stadt damit einen großen Schritt vorangekommen.

Vom Land Hessen hat sie dafür rund 1,74 Millionen Euro an Fördergeld erhalten, die Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus (CDU) an Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) übergab. Damit unterstützt die Landesregierung die digitale Transformation in Wiesbaden insgesamt mit rund vier Millionen Euro.

Quelle: Wiesbaden hat nun einen Zwilling - Artikel in der FAZ vom 9.7.2025, S. 2

1,7 Millionen hat das Land Hessen dafür gegeben, die Stadt Wiesbaden hat aus Ihrem Haushalt auch einen Betrag dazu gegeben. Und das kommt dabei heraus.


Open Data

Könnte jemand anderes das besser machen als die Stadt Wiesbaden? Grundsätzlich ja, aber dazu müsste die Stadt Wiesbaden die Daten, auf denen der Zwilling basiert, freigeben, d.h. die Stadt Wiesbaden müsste diese Daten zum Download zur Verfügung stellen. Natürlich kostenlos, denn wenn Sie oder ich auf der Basis der Daten eine bessere Lösung entwickeln und zur Verfügung stellen, dann würden Sie oder ich für die Stadt Wiesbaden arbeiten. Und Sie oder ich sollen dafür auch noch Geld bezahlen?

Das Konzept dahinter nennt sich Open Data. Aber dieses Konzept ist in der Stadtpolitik in Wiesbaden nicht sehr beliebt. Man hat ja dann keine Kontrolle mehr über das, was damit gemacht wird.


OpenStreetMap

Eines der grossen Projekte im Internet ist OpenStreetMap:

OpenStreetMap (OSM) ist ein freies Projekt, das frei nutzbare Geodaten sammelt, strukturiert und für die Nutzung durch jedermann in einer Datenbank vorhält (Open Data). Diese Daten stehen unter einer freien Lizenz, der Open Database License. Kern des Projekts ist also eine offen zugängliche Datenbank aller beigetragenen Geoinformationen.

Aus diesen Daten können sowohl freie als auch kommerzielle Landkarten erstellt werden. Die auf der Projekt-Webseite gezeigten, rein aus eigenen Daten erstellten Karten sind Beispiele dafür. Die Daten können weiter kostenfrei in Druckerzeugnissen, auf Websites oder auch für Anwendungen wie Navigationssoftware sowie für Routenplaner genutzt werden, ohne durch restriktive Lizenzen beschränkt zu sein. Die OpenStreetMap-Lizenz legt fest, dass bei jeder Nutzung der Daten auf OSM als Datenquelle hingewiesen werden muss. Wer abgeänderte Datensätze verbreitet, muss sein Werk unter die gleiche Lizenz stellen.

Quelle: OpenStreetMap in der Wikipedia

Hier sehen Sie die Karte von Wiesbaden, erstellt in OpenStreetMap: Karte von Wiesbaden.

Sie sehen, die Stadt Wiesbaden nutzt im Rahmen von OpenData die Daten des Projekts OpenStreetMap, was sie darf. Aber stellt sie die unter Verwendung von Daten aus OpenStreetMap erstellten Daten auch zur weiteren Verwendung zur Verfügung?

Im Digitalen Zwilling können Sie die Verwendung von OpenStreetMap ausschalten, aber dann sieht die Stadt Wiesbaden auch schon einmal so aus:


Sie sehen, man braucht die Daten von OpenStreetMap im Zwilling.


Probleme

Vor einigen Tagen konnte man die Seite nicht aufrufen. So sah dies dann aus:


Und so nach 10 Minuten habe ich dann abgebrochen. Wen man eine solche Seite abschaltet, dann kann man auch eine Seite mit einem Hinweis (bitte mit guter Begründung) vorschalten. So wartet man und wartet und wartet, schimpft auf das Internet, den Internet-Provider, den eigenen Computer, ..... wo doch eigentlich die Stadt Wiesbaden das Problem verursacht hat. Bei Strassenbaumaßnahmen stellt die Stadt ja auch Schilder auf, meistens.


Fazit

Soviel Geld für solch eine Software? Schade um das Geld. Damit hätte man auch was Vernünftiges machen können. Hier in Wiesbaden gilt also weiterhin: Avanti Dilettanti!

Google KI meinte dazu:



Nachtrag

Zum Abschluß der Seite möchte ich Ihnen doch noch ein Bild zeigen. Das fand ich auch auf dem Zwilling:


Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus dem Zwilling, die Autobahn A66 bei Erbenheim. Ob der LKW die Böschung hochkommt? Ich bin mir sicher, daß im LKW ein Profi am Steuer sitzt.


Anmerkungen:
1) Klicken Sie bitte einmal auf eines der Bilder. Dann erscheint das Bild in groß